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Tod von Jeffrey Epstein Hat das Gefängnispersonal zu wenig genau hingeschaut?

  • Nach dem Tod des in seiner Gefängniszelle verstorbenen US-Unternehmers Jeffrey Epstein haben das FBI und auch US-Justizminister William Barr Ermittlungen aufgenommen.
  • Dabei wird es vermutlich auch darum gehen, wie Epstein allem Anschein nach gleich zweimal versuchen konnte, sich im Gefängnis das Leben zu nehmen.
  • Mehrere Medien berichten, dass Epstein nicht genügend bewacht worden sein soll.
Legende: Video Aus dem Archiv: US-Unternehmer Epstein stirbt in der Zelle abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2019.

Die «New York Times» schrieb am Sonntag, dass das Gefängnis in Manhattan in der Nacht vor Epsteins Tod nicht die vorgeschriebenen Überwachungsmassnahmen eingehalten haben.

Eigentlich hätte ein Mitarbeiter jede halbe Stunde nach ihm schauen müssen, berichtete die Zeitung unter Verweis auf eine anonyme Quelle. Zudem habe die Anstalt Epsteins Zellengenossen verlegt. Der Angeklagte, der zuvor anscheinend schon einmal versucht hatte, sich umzubringen, war allein und unbeobachtet in seiner Zelle gewesen.

Aufsichtspflicht verletzt?

Ob das Gefängnispersonal seine Aufsichtspflicht vernachlässigte, wird nun eine drängende Frage für die Ermittler sein. Epstein war bereits im Juli bewusstlos in seiner Zelle gefunden worden. Die «New York Times» berichtete, Gefängnisbehörden hätten schon damals wegen des Verdachts eines Suizidversuchs ermittelt.

Blick auf das Gefängnis in Manhattan.
Legende: In diesem Gefängnis in Manhattan wurde Jeffrey Epstein am Samstagmorgen tot aufgefunden. Reuters

Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf einen Gefängnisvertreter, Epstein sei in der Haftanstalt zwar in einer besonderen Einheit mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen untergebracht gewesen. Er habe aber nur eine Zeit lang unter besonderer Beobachtung wegen möglicher Suizidgefahr gestanden.

Justizminister zeigt sich entsetzt

Der Tod des Milliardärs löste auch Reaktionen in Regierungskreisen aus: Justizminister Barr teilte mit, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem «offenkundigen Suizid» in seiner Zelle im Bundesgefängnis leblos aufgefunden wurde. «Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen.» Mitarbeiter des Gefängnisses in Manhattan hatten die Leiche des Ex-Investmentbankers am Samstagmorgen gegen 6:30 Uhr Ortszeit in der Zelle entdeckt.

Der Skandal um den Unternehmer bot seit dessen Festnahme Anfang Juli reichlich Zündstoff: Die Staatsanwaltschaft in New York warf dem 66-Jährigen vor, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hiess es in der Anklageschrift. Einige Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen. Die Ermittler berichteten, sie hätten bei Durchsuchungen in Epsteins Anwesen in Manhattan Hunderte Nacktbilder gefunden.

Frankreich fordert Untersuchung

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Mitglieder der französischen Regierung haben im Fall des US-Unternehmers Jeffrey Epstein eine Untersuchung gefordert. «Die US-Untersuchung hat Verbindungen zu Frankreich ans Licht gebracht. Für die Opfer erscheint es uns daher von grundlegender Bedeutung, in Frankreich eine Untersuchung einzuleiten, damit die Angelegenheit vollständig aufgeklärt wird», hiess es in einer gemeinsamen Mitteilung von Frankreichs Gleichstellungs-Staatssekretärin Marlène Schiappa und dem Staatssekretär für den Schutz von Kindern, Adrien Taquet. Unklar blieb, welche konkreten Verbindungen Schiappa und Taquet meinten.

Auf Du und Du mit den Stars

Epstein wies die Vorwürfe zurück und plädierte auf nicht schuldig. Der Termin für den Prozessbeginn war vorläufig auf den 8. Juni 2020 festgelegt worden. US-Medien spekulieren, dass ein Prozess weitere Prominente schwer belastet hätte. Epstein zeigte sich gerne öffentlich mit Stars und hatte unter anderem – zumindest zeitweise – Kontakte zum heutigen Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew aus Grossbritannien.

Der New Yorker Staatsanwalt Geoffrey S. Berman teilte mit, dass die Untersuchungen zu den erhobenen Vorwürfen fortgeführt würden. Er verwies darauf, dass ein Anklagepunkt auch mutmassliche Mittäter ins Visier nahm. Einer von Epsteins Anwälten, Marc Fernich, gab Berichten zufolge den Staatsanwälten, Opferanwälten und Medien eine Mitschuld am Tod seines Mandanten.

Arbeitsminister musste den Hut nehmen

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Epstein war 2008 einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen und so einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen entgangen. Er bekannte sich schuldig und sass ohne Verfahren vor einem Bundesgericht eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. Zugestimmt hatte dieser Regelung der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta. Nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein trat Acosta von seinem mittlerweile angetretenen Amt als US-Arbeitsminister zurück.

US-Präsident Donald Trump hatte sich im Juli von Epstein distanziert. Er habe vor langer Zeit einen Streit mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm. In einem «New York Magazine»-Interview von 2002 hatte Trump Epstein dagegen als «grossartigen Mann» beschrieben. Damals sagte der noch nicht politisch aktive Immobilienmogul: «Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte.»

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