Die thailändische Prinzessin Bha ist verstorben. Nach einem Unfall lag sie vier Jahre lang im Koma, Ende Mai verschlechterte sich ihr Zustand. Warum die Prinzessin bei der Bevölkerung so beliebt war, erklärt Jennifer Johnston, ARD-Journalistin in Südostasien.
SRF News: Was löst der Tod von Prinzessin Bha in Thailand aus?
Jennifer Johnston: Grosse Bestürzung. Sie galt als volksnah und war sehr beliebt in der Bevölkerung. Manche, die auch heute Morgen zum Spital gekommen sind, in dem sie gestorben ist, haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass vielleicht doch noch ein Wunder passiert. Dass sie nach knapp vier Jahren aus dem Koma aufwacht.
Sie gehörte laut Beobachtern zum engsten Kreis des Königs.
Nun gibt es eine lange Staatstrauer in Thailand. Mit ihrem Tod hat die thailändische Königsfamilie nach aussen hin ihr erfolgreichstes Mitglied verloren. Und jemanden, der in einer noch ungeklärten Thronfolge eine entscheidende Rolle hätte spielen können.
Was war ihre Rolle im Land, bevor sie gesundheitliche Probleme bekam?
Sie gehörte laut Beobachtern zum engsten Kreis des Königs. Sie hat Jura studiert, unter anderem in den USA, und hat als Botschafterin gearbeitet in Österreich, von 2012 bis 2014. Sie hatte verschiedene Positionen bei der UNO in New York inne und hat sich auch in Thailand immer wieder engagiert.
Unter anderem hat sie eine Wohltätigkeitsorganisation gegründet und sich in Thailand für weibliche Gefangene eingesetzt, besonders für schwangere Gefangene. Dazu muss man wissen, dass in Thailand deutlich mehr Frauen in Gefängnissen sitzen als in anderen Ländern. Dadurch war sie immer sehr beliebt und nach aussen hin auch sehr öffentlichkeitswirksam.
War ihre Karriere als Juristin und Botschafterin aussergewöhnlich für sie als Tochter des Königs?
Das war gar nicht so ungewöhnlich. Es wird gerne gesehen und gefördert, dass Mitglieder des Königshauses eine sehr gute Ausbildung geniessen und Karriere machen. Auch ihr Vater hat ein Jurastudium absolviert und im Militär gedient, wie auch Prinzessin Bha. Ihr Vater hatte sie dazu berufen, kurz vor diesem Unfall beim Hundetraining.
Sie hatte offiziell keinen Anspruch auf den Thron, wurde aber dennoch immer wieder als Thronnachfolgerin gehandelt.
Dass Bha so eine erfolgreiche Karriere hingelegt hat, liegt wahrscheinlich einerseits an dem Privileg der sehr guten Ausbildung. Aber auch daran, dass sie sich engagieren wollte, Lust darauf hatte. Und bestimmt lag es auch an der Nähe zu ihrem Vater, der sie immer unterstützt hat.
Sie gehörte zum innersten Kreis des Königs. Wäre sie infrage gekommen als Thronfolgerin?
Sie ist zwar das älteste Kind des Königs, aber die Regeln besagen, dass männliche Thronnachfolger bevorzugt werden. Sie hatte also offiziell keinen Anspruch auf den Thron. Sie wurde aber dennoch immer wieder als Thronnachfolgerin gehandelt. Oder als Regentin, die vielleicht jemandem zur Seite gestellt worden wäre. Offizieller Kronprinz ist aber der jüngste Sohn des Königs aus dritter Ehe.
Jetzt steht die Beerdigung von Prinzessin Bha an. Was geschieht in den nächsten Tagen?
Der König hat angeordnet, dass der Leichnam der 47-Jährigen in die Turnhalle des grossen Palastes in Bangkok gebracht wird, damit dort auch die Öffentlichkeit von ihr Abschied nehmen kann. Die Trauerzeit folgt festen Protokollen, die sich jetzt über eine längere Zeit hinziehen werden. Und dann wird es bestimmt auch wieder Spekulationen über die Thronnachfolge geben, weil der König sich öffentlich noch nicht dazu festgelegt hat und jetzt eine der Favoritinnen gestorben ist.
Das Gespräch führte Nina Gygax.