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Glencore in Sambia verurteilt
Aus 10 vor 10 vom 25.08.2020.
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Tödliche Schwefeldioxid-Abgase Rohstoffkonzern Glencore muss Opfer entschädigen

  • Der Oberste Gerichtshof Sambias stellt «überwältigende Beweise» für ein fahrlässiges Handeln des Minenbetreibers Glencore fest.
  • Schwefelabgase im Übermass gefährden die Gesundheit der Bevölkerung in der Stadt Mufulira.
  • Glencore muss die Familie eines Abgas-Opfers entschädigen – ein Präzedenzfall für die Minenstadt.

Der Oberste Gerichtshof Sambias hat die Berufung von Glencore gegen einen Entscheid der Vorinstanz abgewiesen. Das Urteil ist bestätigt worden, und die Entschädigungssumme für die Familie des Opfers wurde mehr als verdoppelt.

Über sechs Jahre lang hatte die zivilgerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem Glencore-Betrieb «Mopani Copper Mines» und der Familie der verstorbenen Beatrice Mithi gedauert.

Mithi war in Sambia eine prominente Politikerin. Sie hatte 2014 nach dem Einatmen von Abgasen aus dem Kupferschmelzwerk in Mufulira einen Asthmaanfall erlitten und starb. Eine Obduktion ergab als Todesursache das «Einatmen von giftigen Gasen».

Rechtskräftiges Urteil

In der Urteilsbegründung, die SRF vorliegt, führen die Richter «überwältigende Beweise» dafür an, dass Glencores Mopani Mine «über Jahre die Schwefeldioxid-Grenzwerte der Behörden missachtet und damit das Recht auf Leben einer ganzen Gemeinschaft gefährdet hat».

Das Gericht entschied, Glencores Firma müsse die Opferfamilie statt mit 400’000 mit 1'000'000 sambischen Kwacha (umgerechnet 47’000 Franken) entschädigen.

«Umso mehr, als dass die Verschmutzung lange Zeit andauerte und es in der Kapazität der Firma war, die Mengen von Abgasen, die in die Umgebungsluft emittiert wurden, zu kontrollieren.» Zusammen mit den Zinsen muss Glencore der Familie Mithi nun rund 65’000 Franken überweisen.

Die Mopani Copper Mines

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Glencore besitzt drei Viertel der Aktien der «Mopani Copper Mines» (MCM), die im Kupfergürtel von Sambia liegt. Minderheitsaktionäre sind der kanadische Konzern First Quantum und der sambische Staat. Glencore führt den Betrieb von MCM, der über mehrere Minen und ein Kupferschmelzwerk in der Stadt Mufulira verfügt.

Enttäuschung bei Glencore

Auf Anfrage von SRF betont Glencore, man habe grosses Mitgefühl mit der Familie Mithi. Zum Urteil schreibt Glencore: «Mopani nimmt die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall Mithi zur Kenntnis. Mopani ist enttäuscht über den Ausgang der Berufung und analysiert die Entscheidung.» Zudem arbeite Mopani weiter an «betrieblichen Verbesserungen», was zu weniger Emssionen führe, so Glencore.

In Mufulira gibt es eine ganze Anzahl von Familien, welche die Abgase für die Erkrankungen oder den Tod von Angehörigen verantwortlich machen. Das rechtskräftige Urteil im Fall Mithi ebnet nun den Weg für weitere zivilrechtliche Klagen.

«Wiederholte und andauernde Verstösse»

Gemäss den Gerichtsakten betrug die Schwefeldioxid-Konzentration in den Wohngebieten von Mufulira 2013 im Tagesmittel bis zu 5640 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In Sambia gilt aber ein Grenzwert von 125 Mikrogramm.

Doch der Grenzwert wurde nicht durchgesetzt, wofür das Oberste Gericht deutliche Worte findet: «Schockierend ist, dass diese wiederholten und andauernden Verstösse, welche das Recht auf Leben der Anwohner ausgehöhlt haben, von der sambischen Umweltschutzbehörde nicht nach den Vorgaben des Gesetzes zur Bestrafung der Fehlbaren geahndet wurden.»

Umstrittene Visite von Bundesrat Cassis

Bundesrat Ignazio Cassis hatte dem Glencore-Betrieb in Sambia im Januar 2019 einen umstrittenen Besuch abgestattet und das Engagement für die Umwelt gelobt. Von der «Rundschau» im Sommer 2019 erhobene Stichproben zur Schadstoffbelastung ergaben jedoch immer noch überhöhte Schwefeldioxid-Werte von bis zu 1551 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel.

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Aus dem Archiv: Schwefelgase machen Menschen in Sambia krank
Aus Rundschau vom 12.06.2019.
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10vor10, 25.08.2020, 21:50 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Javier López  (Javier López)
    Wäre der Betrieb einer solchen Fabrik mit solchen Emissionen in der Schweiz zulässig?
    Nein.

    Es zeigt sich wieder: den Dreck bekommen die anderen, die Profite wandern in die Schweiz.

    Die SVP jammert, wie wir Eingewanderten die Schweiz ausnützen.
    Wir schleichen uns in das Sozialsystem ein. Wir bedrohen ihre Kinder. Sie können nicht mehr am Seeufer sorglos spielen. Dank uns wird die Schweiz zubetoniert. Etc..

    Zu diesem Fall würde ich gerne einen Kommentar von der SVP hören.
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Die Anwaltskosten von Glencore belaufen sich wahrscheinlich auf das Mehrfache der Entschädigung. Ich hoffe dieses Urteil löst eine Klagelawine aus und weitere Gerichte entscheiden zu Gunsten der Bevölkerung. Milliardenkonzerne die sich einen Deut um die Umwelt kümmern, wenig bis keine Steuern in den ausgebeuteten Ländern bezahlen und sich jederzeit aus der Verantwortung stehlen können, müssen endlich zur Rechenschaft gezogen werden.
  • Kommentar von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
    Was bringt eine KVI, wenn die im Vorfeld die Rechte der Konzerne so weit ausdehnt, dass der ursprüngliche Gedanke völlig abhanden geht? Das alles ist doch nur noch lug und trug.