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Die Unsicherheit in Japan bleibt
Aus SRF News vom 23.07.2020.
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Tokio 2021 Bei den Japanern schrillen die Alarm-Glocken

Heute hätten die Olympischen Spiele eröffnet werden sollen. Nun soll Tokio 2021 die Welt verzaubern. Es wird schwierig.

2020 hätte ein Sportsommer der Superlative werden sollen: 12 Tage nachdem im Londoner Wembley-Stadion der Fussball-Europameister gekürt worden wäre, wäre heute in Tokio die olympische Flamme entfacht worden. Das Füllhorn an Konjunktiven verrät: Die Corona-Pandemie hat die Vorfreude längst erloschen.

Uhr an Tokios Zentralbahnhof
Legende: Nach der Verlegung der Olympischen Spiele begann der Countdown am Tokioter Zentralbahnhof am Donnerstag von vorne. Keystone

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Im nächsten Jahr soll alles nachgeholt werden. Am fiktiven Eröffnungstag von Tokio 2020 keimen aber bereits neue Zweifel auf. «Es wird nicht die Begegnung der Welt, auf die ich mich gefreut habe. Es wird – Stand jetzt – wenn überhaupt nur mit vielen, vielen Sicherheitskonzepten und Einschränkungen gehen», so der deutsche Athletensprecher Max Hartung gegenüber der Bild-Zeitung.

Klar ist: Tokio 2021 wird ein Wettlauf mit der Zeit. «Nur noch ein Jahr, es liegt eine Mammutaufgabe vor uns», sagte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees am Donnerstag. Der IOC-Chef hofft aber unverdrossen auf das «grosse Comeback-Festival des Sports auf der internationalen Bühne».

Mori an einer Medienkonferenz am 17. Juli in Tokio
Legende: Die Organisatoren um Yoshiro Mori üben sich in Zweckoptimismus. Und Japans Politik verspricht sich von den Sommerspielen, das eher verschlossene Land als weltoffen zu präsentieren. Reuters

Die Organisatoren der Tokio-Spiele bleiben zuversichtlich, die Probleme in den Griff zu bekommen. OK-Chef Yoshiro Mori gab zwar zu, dass Spiele nicht möglich wären, wenn das Virus weiter wie gehabt grassiert: «Ich glaube aber nicht, dass diese Situation noch ein Jahr anhalten wird.» Und Mori lancierte bereits das neue Motto der Spiele, das «höher, schneller, weiter» ablösen soll: «Sicher, geschützt, vereinfacht.»

Die Losung klingt wie der Aushang vor einer Kantine in Corona-Zeiten. Und auch Martin Fritz, Journalist in Tokio, diagnostiziert: «Ohne wirksamen Impfstoff würde Tokio 2021 wohl von einem Megafest zu einer freudlosen Sportveranstaltung mit strengen Hygieneregeln mutieren.»

Olympia auf Sparflamme: Das Schutzkonzept

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Japans Verantwortliche tüfteln derzeit an möglichen Corona-Massnahmen zum Schutz von Athleten, Betreuern und Zuschauern. Zu den rund 400 Vorschlägen gehören auch bargeldloses Bezahlen an Verkaufsständen in der Arena, die Pflicht zum Tragen von Masken sowie eine Reihe von Verboten: Kein lautes Anfeuern der Mannschaften, keine lauten Durchhalteparolen, Gesänge sowie Umarmungen unter den Athleten selbst sowie Trink- und Essensverbote in den Umkleidekabinen.

Im Olympischen Dorf, wo bis zu 11’000 olympische und 4400 paralympische Athleten unterkommen sollen, könnten Bewegungseinschränkungen eingeführt werden. Zu den Überlegungen gehört auch, dass Olympioniken und ihre Betreuer nach der Ankunft zwei Wochen in Quarantäne müssen und während der Wettkämpfe täglich getestet werden. Auch ist denkbar, dass nur Zuschauer aus Japan die Wettkämpfe vor Ort verfolgen dürfen.

Die Stimmungslage in der japanischen Bevölkerung ist entsprechend getrübt, berichtet Fritz: «Gestern und heute sind hier Feiertage, ursprünglich eingeführt, damit es weniger Verkehr in Tokio gibt und die Bevölkerung den Olympia-Beginn erleben und geniessen kann.» Stattdessen hätten die Japanerinnen und Japaner nun Zeit zum Nachdenken. «Und die meisten sind doch sehr negativ gestimmt.»

Laut einer Umfrage will ein Drittel der Befragten Tokio 2021 absagen. Ein Drittel plädiert für eine weitere Verschiebung. Lediglich ein Viertel ist dafür, dass die Spiele im nächsten Sommer stattfinden.

Demonstrantin in Tokio, 23. Juli 2020
Legende: Am Donnerstag meldete Tokio erstmals mehr als 300 Neuinfektionen – ein Rekord, der die Aussichten weiter trübt. Manch einem vergeht die Lust auf Mega-Event vor der eigenen Haustüre. Reuters

Der Grund für die verbreitete Skepsis: Viele Japanerinnen und Japaner glauben nicht, dass die Pandemie in zwölf Monaten unter Kontrolle ist. «Sie sehen, dass das Virus in vielen Ländern und auch bei ihnen zuhause weiter grassiert. Und dass man insgesamt doch sehr nachlässig mit der Ansteckungsgefahr umgeht», so der freie Journalist in Tokio.

Weltoffen? Lieber ein anderes Mal

Die Politik möchte mit dem Mega-Event ein weltoffenes Japan präsentieren. In der Bevölkerung lässt «weltoffen» derzeit aber die Alarmglocken schrillen. Für viele Menschen sei die Vorstellung, im kommenden Jahr abertausende Athleten, Journalisten und Schaulustige aus aller Welt zu begrüssen, der «reinste Horror», so Fritz. «Denn sie alle könnten das Virus wieder ins Land bringen.»

Schliesslich hätten auch die Pandemie an sich und die stetigen Diskussionen um die Krisenbewältigung gehörig an der Vorfreude gerüttelt. Eine Stimmungslage, die auch vielen Schweizern seltsam bekannt vorkommen dürfte.

Heute Morgen vom 24.07.2020, 8:08 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Tokyo hat im August hohe Trmperaturen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die Spiele wären sowieso ein Debakel geworden, ähnlich wie Doha letztes Jahr. Wennschon hätte man die Spiele gleich auf Oktober 2022 verschieben sollen. Die Olympia 64 in Tokyo war damals ja wegen der Hitze im Oktober.
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  • Kommentar von Esther Jordi  (EstherJ.)
    Das ist doch eine sinnlose Zwängerei und bringt niemandem etwas. Weder den Sportlern noch den Sportfans. Absagen und nicht noch Geld zum Fenster rausschmeissen. Dann wissen alle rechtzeitig, woran sie sind.
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