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Papst will Messe für 10'000 Gläubige in Erbil halten
Aus Tagesschau vom 07.03.2021.
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Trotz Corona auf Reisen Papst kritisiert Machtmissbrauch – abschliessende Messe in Erbil

  • Bei seinem Besuch im Nordirak hat Papst Franziskus in einer Messe vor Tausenden Gläubigen Machtmissbrauch und Korruption angeprangert.
  • «Es tut not, dass die unheilvolle Beeinflussung der Macht und des Geldes aus unseren Herzen und aus der Kirche ausgerottet werden», sagte der 84-Jährige im Fussballstadion der kurdischen Hauptstadt Erbil.
  • Vor der Messe fuhr er im «Papa-Mobil» eine Runde im Stadion unter den Jubelrufen der vielen Menschen, die gekommen waren, um ihn zu sehen.

Er forderte zudem Solidarität der Gläubigen. «Wir müssen uns verantwortlich fühlen und dürfen nicht einfach zuschauen, wenn der Bruder oder die Schwester leidet», erklärte er weiter. Die Messe setzte den Schlusspunkt hinter die Irakreise des Oberhaupts der katholischen Kirche. Zuvor besuchte Franziskus die Christen im Nordirak, wo er von Scharen von Gläubigen umjubelt wurde.

Papst traf Grossajatollah

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Papst Franziskus hat am Samstag den höchsten schiitischen Geistlichen im Irak, Grossajatollah Ali al-Sistani, getroffen. Von Al-Sistanis Seite wurde mitgeteilt, der Grossajatollah habe über Unterdrückung, Armut und Verfolgung vieler Völker im Nahen Osten gesprochen. Er habe zudem ein Augenmerk auf die Lage der Palästinenser gelegt. Eine gemeinsame Erklärung unterzeichneten die beiden nicht.

Grossajatollah Ali al-Sistani hat Millionen Anhänger und geniesst auch politisch Einfluss. Seine Reden finden im Irak grosse Resonanz. Er lebt jedoch zurückgezogen von der Öffentlichkeit.

In der Vergangenheit hatte er sich schon als Mediator erwiesen. Nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 und den Wirren um die neue Regierung habe Al-Sistani zwischen den Parteien vermittelt und so einen innerschiitischen Konflikt verhindert, sagte etwa der Islamwissenschaftler Thomas Würtz. «Das ist sicher seine grösste diplomatische Leistung, mit der er auch über die schiitischen Reihen hinaus bekanntgeworden ist.»

Erbil wurde für viele Christen zum Zufluchtsort, als die Terrormiliz Islamischer Staat im Nordirak immer mehr Städte einnahm. Vor gut sechs Jahren hielt die Stadt den Angriffen mit Hilfe einer Allianz aus kurdischen Kämpfern und den Vereinigten Staaten stand, als die Islamisten bis auf 40 Kilometer auf Erbil vorgerückt waren.

Papst trifft Vater von Alan Kurdi

Zudem hat Papst Franziskus am letzten Tag seiner Irak-Reise den Vater des toten Flüchtlingsjungen Alan Kurdi getroffen. Das Foto des Kleinkinds, dessen Leiche 2015 an einen Strand der Türkei gespült wurde, ging auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise um die Welt. Franziskus habe Abdullah Kurdi nach der Messe im Fussballstadion von Erbil getroffen, teilte der Vatikan mit. Franziskus drückte Kurdi sein Beileid dafür aus, dass er seine Familie verloren hatte. Der Vater des kleinen Alan dankte dem Oberhaupt der katholischen Kirche für seine Worte.

Der damals zweijährige Alan Kurdi war am 2. September 2015 am Ufer der Türkei angespült worden. Abdullah Kurdi hatte mit seiner Familie versucht, von der Türkei aus mit einem Boot die griechische Insel Kos zu erreichen. Das Boot kenterte. Kurdis Frau und ihre zwei kleinen Kinder ertranken.

Papst Franziskus' Irak-Reise neigte sich am Sonntag dem Ende zu. Franziskus wird in die Geschichte als erster Papst eingehen, der den Irak besucht hat. Auf der Reise hatte er immer wieder ein friedliches Zusammenleben und Solidarität zwischen den Religionen gefordert. Am Montag sollte er zurück nach Rom reisen.

SRF News, 07.03.2021, 09:30 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Erich Furrer  (rico1)
    Vielleicht spricht er ja auch einmal die Christenverfolgung in den moslemischen Ländern an... Dann würde der Oberhirte wirkliclh Rückgrat zeigen...
  • Kommentar von Peter Wiesner  (Peter P. Wiesner)
    Hoffentlich schweigen -nach den Gesprächen der 2 Oberhäupter- endgültig die Waffen...
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Echt stark vom 84-jährigen Papst. Welcher westliche Regierungschef hat bis jetzt den Irak besucht und der Bevölkerungsminderheit, welche am stärksten unter dem IS-Horror gelitten hat, Mut gemacht?
    1. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Und was sagt der Grossajatholla zum IS-Terror?
    2. Antwort von Chinabooks Swiss  (Chinabooks Swiss)
      Herr Baumann, der Grossajatholla ist geistliches Oberhaupt der Shiiten im Irak. Die Shiiten sind wie die Christen Zielscheibe des Terrors des IS, der eine sunnitische Bewegung ist. Ihr Kommentar sollte sich also an die geistlichen Oberhäupter der Sunniten richten.
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Christian Baumann: Der Papst geht auf die anderen Religionen zu und reicht Ihnen die Hand zur Versöhnung. Das ist unendlich viel wert, denn aus Sicht der Moslems ist der Papst das religiöse Oberhaupt der westlichen Welt. Dabei spielt es keine Rolle ob wir Katholiken, Reformierte, Agnostiker, Atheisten oder sonstwas sind. Der Ursprung ist der selbe. Mehr kann der Papst nicht tun als den Dialog führen, denn er hat keine Armee im Hinterhof, die sich mit Gewalt durchsetzen kann.