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US-Wahlen 2020: Der Tag im Rückblick
Aus Tagesschau vom 04.11.2020.
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Trump gegen Biden Die US-Demokratie im Stresstest

Das Chaos war voraussehbar. Die Pandemie, die Proteste, die Verschwörungstheorien, ein Verbaltäter im Weissen Haus, eine nach Macht dürstende Opposition, ein Heer von Anwälten, das sich schon im Vorfeld rüstete, um jeden Briefwahlzettel anzufechten und eine Nachzählungsschlacht zu veranstalten.

Die Hoffnung, dass sich das Chaos noch verhindern lässt, entweder durch einen klaren Sieg des einen oder anderen Kandidaten, oder durch ein bisschen Geduld für den in diesem Pandemie-Jahr strapazierten Wahlprozess, hat sich zerschlagen. Den Startpfiff für das juristische Hickhack mit ungewissem Ausgang hat Präsident Donald Trump gegeben, als er seinen eigenen Sieg erklärte, wie ein Sonnenkönig, der sein eigenes Haupt krönt, und seinem Herausforderer unterstellte, er wolle seine Wiederwahl stehlen.

Das ist pure politische Taktik, ein Präventivschlag gegen eine mögliche Niederlage und ein Anschlag auf die Legitimität der US-Demokratie. Präsident Trump wartete mit seiner Ansage nicht einmal auf provisorische Resultate aus den föderalen US-Bundesstaaten, die gemäss US-Verfassung zuständig sind für die Ernennung der Elektoren und Elektorinnen.

Geschichte ohne Happy End

Wie geht es nun weiter? Die Wahlbehörden in den umstrittenen Bundestaaten werden die Stimmen weiter auszählen und irgendeinmal provisorische und schliesslich endgültige Resultate liefern. Derweil wird ein juristischer Kleinkrieg losgehen, der durch die Instanzen der US-Justiz laufen wird.

Am Ende, so die Hoffnung, wird es einen Sieger und einen Verlierer geben, und die US-Demokratie besteht den Stresstest 2020. Weil lokale Behörden und Parteien kooperieren, und die Justiz die US-Verfassung hochhält.

Aber ein Happy End wird es bei dieser Geschichte dennoch nicht geben. Denn die Hälfte der US-Wähler und -Wählerinnen wird sich betrogen fühlen, wer auch gewinnt. In der ältesten Demokratie der Welt ist offenbar das demokratische Mehrheitsprinzip nicht mehr sakrosankt.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

Echo der Zeit, 18 Uhr, 4.11.20

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Fricker  (Hr. Fricker)
    Herr Trump ist ein schlechter Verlieren. Das er nicht mehr Gewählt wird hat er sich selber zuzuschreiben!
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  • Kommentar von Walter Eiselen  (W.E.)
    Die Dinge, die in den USA ablaufen, sind bestens bekannte Szenarien aus den Anfängen zahlreicher Diktaturen; von Nazi über Erdogan bis Bolsonaro. Zuerst wird die Demokratie systematisch in Frage gestellt und ausgehöhlt. Dann wird das unzufriedene Volk mit Heilsversprechen und kurzfristigen "Zückerli" manipuliert. Zwischenzeitlich wird der Kontrollapparat (bewaffnete Sonderpolizeien) aufgebaut, meistens rekrutiert aus den lautesten "Ja"- Schreiern, die dann die "Regimegegner" neutralisieren.
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    1. Antwort von Monika Mitulla  (momi)
      Heute leben wir im Zeitalter der Manipulationen im Internet. Trump hat Twitter sehr geschickt verwendet - er ist ganz sicher nicht so doof, wie er oft betitelt wird.
      Demokratie heisst, öffentliche Plattformen zur Verfügung zu stellen, in denen Menschen frei und offen mit Politikern diskutieren können. Politiker müssen den Wählern gegenüber nicht nur Rechenschaft ablegen, sondern die Bürger sollen aktiv an Entscheidungsprozessen teilnehmen können.
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    2. Antwort von Oskar Wagner  (wingman)
      @Mitulla: Ob doof oder nicht, auf jedenfall zeigt er genau das, was zu erwarten war: eine unglaubliche Arroganz und Selbstherrlichkeit. Er kann nicht verlieren und wird seine Manipulationen so lange weiterführen, bis irgendwelche wichtige Organe in der Administration einknicken. Und wenn dann alles nichts mehr nützt, wird er auch noch seine "patriotischen" Privatmilizen an ihre "patriotischen Pflichten" erinnern. Dem Typen ist alles zuzutrauen. Demokratie?? Träumen sie weiter !!
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  • Kommentar von Markus Kappeler  (markant)
    Hat Biden nicht auch den Sieg für sich proklamiert, auch auf Grund von provisorischen Daten? Wenn zwei das selbe machen....
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    1. Antwort von Thomas Bünzli  (Tumasch)
      Wer genau hinhört, hat Vorteile, denn Biden hat gesagt, er werde die Wahl gewinnen, während Trump sagte, er habe die Wahl gewonnen....
      Kleiner, aber feiner sprachlicher Unterschied!!
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