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Trump relativiert Erfolge IS in Syrien nur «weitgehend besiegt»

  • Nach heftiger Kritik am geplanten Abzug der US-Truppen aus Syrien hat Donald Trump seine Wortwahl mit Blick auf den IS geändert.
  • Der IS sei «weitgehend besiegt», schrieb der US-Präsident auf Twitter.
  • Gleichentags erklärte der US-Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition wegen der Differenzen in der Syrien-Frage seinen vorzeitigen Rückzug.
Legende: Video Kurdische Wut über US-Abzug aus Syrien abspielen. Laufzeit 02:23 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 22.12.2018.

Andere Länder in der Region, darunter die Türkei, könnten nun problemlos mit dem fertig werden, was noch von der Terrororganisation übrig sei, schrieb Trump auf Twitter:

Trump: «Der IS ist weitgehend besiegt»

Zuvor hatte Trump erklärt, der IS sei in Syrien komplett besiegt – die amerikanischen Soldaten könnten daher abgezogen werden. Trumps Entscheidung vom Mittwoch, alle 2000 US-Soldaten aus Syrien heimzuholen, war national wie international auf Unverständnis gestossen und hatte grosse Irritationen ausgelöst.

Trump soll den Beschluss gegen den Rat wichtiger Kabinettsmitglieder gefasst haben. Experten mahnten, der IS sei keineswegs komplett besiegt, und ein Abzug habe fatale Folgen.

Verteidigungsminister und Anti-IS-Beauftragter gehen

US-Verteidigungsminister James Mattis hatte wegen grundlegender Meinungsverschiedenheiten mit Trump in dieser wie auch in anderen Fragen am Donnerstag seinen Rücktritt angekündigt.

Wie mehrere US-Medien am Samstag übereinstimmend berichteten, erklärte auch der US-Sonderbeauftragte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, wegen der Differenzen in der Syrien-Frage seinen vorzeitigen Rückzug.

McGurk
Legende: Die Ankündigung folgte nach Trumps Entscheid, die Truppen aus Syrien abzuziehen: Regulär wäre McGurk im Februar ausgeschieden. Reuters

Via Twitter verkündete Trump, er habe McGurk nicht gekannt. Die «Fake News»-Medien würden eine Mücke zu einem Elefanten machen.

Trump: «McGurk wurde von Obama berufen – kannte ihn nicht einmal»

Die «Washington Post» hatte zuvor berichtet, Trump habe seinen Beschluss zum Truppenabzug aus Syrien, mit dem er schon länger geliebäugelt hatte, bei einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor gut einer Woche gefasst.

Erdogan habe sein Unverständnis über das fortdauernde US-Engagement in Syrien geäussert, daraufhin habe Trump gesagt, die USA zögen sich zurück.

Die Türkei beklagte sich vor allem über die US-Kooperation mit der Kurdenmiliz YPG in Syrien. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und bekämpft sie deshalb.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Die USA waren nie in Syrien, um den IS zu bekämpfen, der ganze "Krieg gegen den Terror" ist eine Lüge als Vorwand, militärisch aktiv sein zu können, wo völkerrechtswidrig. Beweisend ist, dass der IS ständig stärker wurde und Assad in Bedrängnis brachte, so lange hauptsächlich die USA und ihre Verbündete angeblich den IS in Syrien bekämpften. Der IS wurde hauptsächlich durch die syrische Armee, die Russen und den Iran besiegt. Mit den Kurden - wie der IS Verbündete der USA, ist es komplexer.
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  • Kommentar von Thomas F. Koch (dopp.ex)
    Dass Trump die Entscheidung für den Rückzug nach einem Telefonat mit Erdogan hat, spricht Bände. Heute twitterte DT erneut über ein langes Telefonat mit RE. Sie besprachen den weiteren Kampf gegen den IS und langsamen, koordinierten Abzug der US Truppen. Koordiniert heisst, dass die Türkei die US-Gebiete in Syrien nahtlos übernehmen können. Frieden wird es in Syrien auch ohne US-Truppen noch länger nicht geben. Es gibt zu viele unterschiedliche Macht-Interessen in und um Syrien.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Garant für Frieden in Syrien sind v.a. die Russen. Sie würden aus den islamistischen Terroristen kurzen Prozess machen. Da diese aber durch die USA und z.T. die Türkei geschützt werden, ist Moskau vorsichtig, um kein grösseren Konflikt vom Zaun zu reissen. Der IS ist in den von den USA kontrollierten Gebieten geschützt und dort können die Russen nichts gegen den IS anrichten, ohne mit den USA ein Konflikt zu riskieren. Ein Rückzug der USA setzt ein positives Zeichen.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Man sieht, Propaganda funktioniert also doch sehr gut, trotz all den Informationsmöglichkeiten. Whs. werden es diejenigen, die Krieg wollen, es wieder schaffen, die Massen hinter sich zu scharen gegen den Feind, den sie vernichten möchten.
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  • Kommentar von Stephan Roos (SR)
    Anhand der Kommentare wird die super-komplexe Situation in Syrien sichtbar. Die Situation ist für die USA brenzlig, selbst wenn sie nur mit relativ wenigen Militärs vor Ort sind. Ich deute den Rückzug als wahlpolitischen Schachzug. Das Gemetzel wird einfach weitergehen. Traurig aber wahr.
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    1. Antwort von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
      Man kann Gewalt nicht mit Gewalt bekämpfen, sorry! US-Rückzug ist ein (vergleichsweise) vernünftiger Entscheid der USA, die ja letztlich den ganzen Nahen Osten völlig ins Chaos stürzten + Al-Quaida, IS & Co., durch Irak- & Afghanistan-Kriege überhaupt erst ermöglichten. Die USA, deren "war on terror" nach 9/11 über 2 Mio. Tote forderte (traurig aber wahr!), bombardierten allein 2016-2018; Afghanistan, Irak, Pakistan, Somalia, Libyen, Jemen & Syrien. USA = Brandstifter; nicht Feuerwehr.
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