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Legende: Audio US-Truppenabzug: Der westliche Einfluss in Syrien tendiert gegen Null abspielen. Laufzeit 01:35 Minuten.
01:35 min, aus HeuteMorgen vom 20.12.2018.
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US-Truppenabzug in Syrien Zeugnis der chaotischen US-Aussenpolitik

Auftrag erfüllt! Aus Sicht von US-Präsident Donald Trump ist der sogenannte «Islamische Staat» in Syrien besiegt, die US-Truppen können nun zügig abziehen.

Die US-amerikanische Militärpräsenz in Syrien war schon bisher bescheiden: gerade einmal 2000 Soldaten – offiziell Berater und Ausbilder, tatsächlich aber schon ein bisschen mehr als das. Sie unterstützten hauptsächlich die kurdischen Milizen, die am erbittertsten gegen den IS kämpften.

Für sie, die wichtigsten Verbündeten der USA in Syrien, wird die Luft nun dünn. Sie fühlen sich im Stich gelassen und müssen damit rechnen, zwischen dem Assad-Regime und der Türkei aufgerieben zu werden. Deren Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nun in Nordsyrien weitgehend freie Hand und wird das ausnützen.

Populär bei der Bevölkerung, aber nicht im Pentagon

Präsident Donald Trumps Abzugsorder dürfte zwar in weiten Teilen der US-Bevölkerung populär sein. Viele sehen seit Jahren jegliches Engagement in Syrien mit Skepsis. Das war schon unter Präsident Obama so, das gilt unter Präsident Trump ebenso.

Hingegen entschied Trump gegen den erklärten Willen des Pentagon und einflussreicher, auch republikanischer Senatoren. Sie warnen davor, der Abzug, der nun binnen drei Monaten vollständig erfolgen soll, liege keinesfalls im Interesse der USA und ihrer Verbündeten, auch nicht von Israel. Klar ist auch: Der westliche Einfluss in Syrien, auch was eine Lösung des Konflikts betrifft, dürfte von nun an gegen Null tendieren.

Der US-Abzug verhilft aber nicht nur der Türkei zu mehr Einfluss in ihrem südlichen Nachbarland. Geradezu ein Wunschszenario ist er für das syrische Regime von Baschar al-Assad und seine Schutzpatrons Russland und Iran. Besonders Teheran kann jetzt seinen Einfluss in Syrien und damit überhaupt im Nahen Osten festigen, ja gar kräftig ausbauen. Eine alte Hoffnung des Mullah-Regimes erfüllt sich nun dank Trump, der doch eigentlich dessen Erzfeind ist. Merkwürdige Zeiten.

Die Entscheidung im Weissen Haus zeugt einmal mehr von einer chaotischen US-Aussenpolitik ohne Konzept und ohne erkennbares Ziel.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Trumps Abkehr von der Nahostpolitik der Neocons ("7 Länder in 5 Jahren"), dass er von deren verrückten Zielen - zumindest in Syrien - abkehrt, wäre ein gutes Zeichen, sofern er sich durchsetzen kann. Trump's Aussenpolitik, wenn sie mal ein gutes Zeichen setzt, was nicht immer der Fall ist, droht immer wieder sabotiert zur werden.
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  • Kommentar von Walter Wieser (Walt)
    Ich weiss nicht wo das Chaos liegt. Trump hat schon vor sechs Monaten angekuendigt das die US Truppen Syrien bald einmal verlassen werden. Er war uebrigens schon immer gegen den Irak Krieg, gegen den Syrien Krieg und gegen den Lybien Krieg. Trump kann machen was er will, alles wird negativ ausgelegt. Persoenlich bin ich sehr froh das wir aus diesem bloeden Krieg aussteigen.
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  • Kommentar von Guschti Gabathuler (guschti)
    Dass sich die USA zurückziehen ist prinzipiell schon gut, damit hinterlassen sie aber auch ein (kleines) Machtvakuum und eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse die humanitär und sicherheitspolitisch schwerwiegend ist. Für die Kurden ist der Abzug schlimm.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Warten wir doch mal ab. Es gibt Stimmen die nicht damit Rechnen, dass die USA all ihre inoffiziell dort stationierten Truppen (min. 4000 Soldaten) abziehen werden, höchstens die offiziellen ca. 500 Soldaten...
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