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Legende: Audio Trump will beweisen, dass er ein grosser Staatsmann ist abspielen. Laufzeit 05:36 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 27.02.2019.
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Trump trifft Kim in Vietnam «Die Erwartungshaltung ist jetzt viel grösser»

Seit dem letzten Treffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un im letzten Sommer hat sich in Sachen atomarer Abrüstung wenig getan. Was ist vom zweiten Treffen in Hanoi zu erwarten?

«Dieses Mal sind beide von ihren jeweiligen Heimatländern aufgefordert, auch tatsächliche Resultate zu produzieren», sagt Rüdiger Frank, Koreaexperte der Universität Wien.

Rüdiger Frank

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Rüdiger Frank ist Nordkorea-Experte, Universitätsprofessor und Vorstand des Institutes für Ostasienwissenschaften an der Universität Wien sowie Autor des Buches «Nordkorea – Innenansichten eines totalen Staates». Das Standardwerk hat er nach etlichen Aufenthalten in Nord- und Südkorea verfasst.

SRF News: Gibt es wieder bloss eine symbolträchtige Show wie beim ersten Treffen?

Rüdiger Frank: Es wird mit Sicherheit sehr viel Symbolik geben. Das hat mit der Natur der Sache zu tun – und mit den zwei Führern, die da involviert sind. Trump ist sehr darauf aus, vor allem nach aussen sichtbare Bilder zu präsentieren. Andererseits wird das Symbolhafte weit weniger im Mittelpunkt stehen als im Juni 2018. Dieses Mal sind beide von ihren jeweiligen Heimatländern aufgefordert, auch tatsächliche Resultate zu produzieren.

Was will Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un mit diesem Gipfel erreichen?

Er will sicherlich den Prozess fortsetzen, der begonnen wurde. Am Ende geht es um einen Abbau der Sanktionen, die die Amerikaner verhängt haben. Er braucht Wirtschaftswachstum, um sein Land weiter voranzubringen – auch um seine eigene Führung zu legitimieren. Und hierbei stehen die Sanktionen im Weg. Auf dem Weg dahin braucht er eine Normalisierung des bilateralen Verhältnisses mit den USA. Und dafür ist wiederum das Ende des Koreakrieges eine Voraussetzung.

Kim Jong-un geht es um einen Abbau der Sanktionen, die die Amerikaner verhängt haben.

Was sind die Interessen von Trump – braucht er einen aussenpolitischen Erfolg?

Trump hat sehr viel persönliches politisches Kapital in diese Nordkorea-Sache investiert; er hat sich sehr oft positiv dazu geäussert. Im Prinzip wartet halb Washington darauf, dass er endlich damit scheitert. Diesen Menschen möchte er zeigen, dass er sehr wohl Erfolge erzielen kann. Trump schielt auch sehr auf einen Friedensnobelpreis. Deshalb wird ihm auch an symbolhaften Handlungen gelegen sein – wie zum Beispiel einem Dokument, das den Koreakrieg beendet. Er möchte als grosser Politiker in die Weltgeschichte eingehen. Das ist gleichzeitig seine Schwäche: Es bestehen Sorgen, dass Kim Jong-un das ausnutzen könnte, um seinerseits reale Konzessionen zu erringen und Trump mit symbolischen Zugeständnissen abzuspeisen.

Ein ganz grosses Thema ist die nukleare Abrüstung der koreanischen Halbinsel. Hat sich seit dem ersten Treffen zwischen Trump und Kim diesbezüglich etwas getan?

Beide haben im Juni 2018 dazu ja nichts Konkretes vereinbart. Sie haben nur eine allgemeine Absichtserklärung abgegeben, dass ein Abbau eines Tages einmal stattfinden solle. Das kann man mit der internationalen Zielerklärung vergleichen, dass man einmal den Hunger beseitigen oder gerne das Klima retten möchte. Allerdings hat Nordkorea inzwischen auch keine weiteren Tests veranstaltet – weder von Atomwaffen noch von Raketen. Die Erwartungshaltung wird jetzt aber viel grösser sein, dass tatsächlich so etwas wie eine Roadmap zur Denuklearisierung Nordkoreas erarbeitet wird.

Trump schielt sehr auf einen Friedensnobelpreis.

Und wie steht Kim zu einer nuklearen Abrüstung?
Er ist bereit, einzugestehen, dass das irgendwann in der fernen Zukunft mal ein tolles Ziel wäre. Aber ich glaube im Augenblick geht es ihm eher darum, seinen Status als Atommacht zu zementieren. Er wird vielleicht keinen weiteren Ausbau brauchen und er wird vielleicht auch zustimmen, dass es Inspektionen und ähnliches gibt; er wird einem Teststopp zustimmen – aber in absehbarer Zeit nicht einem vollständigen Abbau seines Atomprogramms.

Das Gespräch führte Romana Costa.

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