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Trumps Anspruch Habeck über Grönland: «Wir leben in einer Welt von Raubtieren»

Der ehemalige deutsche Vizekanzler Robert Habeck arbeitet am Dänischen Institut für internationale Beziehungen. Im Tagesgespräch analysiert er Donald Trumps Anspruch auf Grönland, warnt vor dem Ende der Nato und fordert eine gemeinsame Strategie Europas.

Robert Habeck

Früherer deutscher Vizekanzler und Analyst

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Robert Habeck war 2025 Kanzlerkandidat der Grünen. Nach der Niederlage an der Urne beschloss er im letzten Herbst, sich aus der Politik zurückzuziehen und sein Bundestagsmandat zurückzugegeben. Als Senior Analyst am Dänischen Institut für internationale Beziehungen liefert er der dänischen Regierung aussen- und sicherheitspolitische Analysen.

SRF News: Herr Habeck, US-Präsident Trump erhebt Anspruch auf Grönland. Wie gross ist die Nervosität in Dänemark?

Robert Habeck: Die Nervosität ist riesengross. Es ist das dominierende Thema, und das zu Recht. Man muss Donald Trumps Äusserungen ernst nehmen, auch wenn sie gegen das Völkerrecht verstossen. Die Begehrlichkeit «Wir wollen Grönland haben» ist wörtlich zu nehmen.

Sie sagen, es greife zu kurz, Trumps Anspruch als Spinnerei abzutun. Warum?

Der Wunsch, Grönland zu bekommen, hat in den USA eine lange Tradition. Das geht weit in die amerikanische Geschichte zurück. Ausserdem verändert sich die Arktis durch die globale Erwärmung. Das Eis schmilzt, neue Schifffahrtsrouten und Rohstoffe werden zugänglich. Die Arktis öffnet sich zu einem neuen Konfliktraum, in dem auch Russland und China sehr aktiv sind.

Das schlimmste Szenario wäre, wenn sich die USA und Russland die Arktis aufteilen würden.

Trump argumentiert, wenn die USA Grönland nicht übernehmen, würde es Russland oder China tun.

Das ist Quatsch. China will vor allem Handelswege über den Pol erschliessen. Russland will sein Territorium schützen und schaut eher auf Spitzbergen, nicht auf Grönland. Das schlimmste Szenario wäre, wenn sich die USA und Russland die Arktis aufteilen würden.

Was würde das bedeuten?

Dann könnten die USA sagen: Wir nehmen Grönland und ihr Russen, ihr kriegt Spitzbergen. Das wird dann realistisch, wenn internationale Organisationen wie die Nato weiter zerstört werden und wir in eine Welt eintreten, in der Grossmächte zunehmend ihre Interessensphären definieren und durchsetzen.

Würde eine militärische Übernahme Grönlands durch die USA das Ende der Nato bedeuten?

Ja. Es ist eine Sache, ein feindlich gesinntes Land zu besetzen. Aber etwas völlig anderes ist es, das Territorium eines treuen Alliierten wie Dänemark zu besetzen. Das wäre das Ende der Nato.

Was muss Europa angesichts dieser Bedrohung tun?

Ich rechne damit, dass die USA Grönland diese Woche eine Art Assoziierungsabkommen mit den USA anbieten. Das könnte bedeuten, dass Grönland unbegrenzten Zugang zum amerikanischen Arbeitsmarkt erhält, vielleicht auch zur amerikanischen Freihandelszone, und die USA im Gegenzug ihre militärische Präsenz aufrechterhalten und in der Aussenpolitik die Rolle von Dänemark übernehmen könnten.

Wir müssen eine «europäische Arktis» definieren, einen Interessenverband, der auch Länder wie Norwegen oder Grossbritannien einschliesst.

Die Europäer müssten darauf vorbereitet sein und Grönland ihrerseits einen Beitritt zur EU anbieten. Ausserdem ist es wichtig, dass Europa als Einheit auftritt. Wir müssen eine «europäische Arktis» definieren, einen Interessenverband, der auch Länder wie Norwegen oder Grossbritannien einschliesst. Sonst werden wir zwischen den Grossmächten zermalmt. Wir leben in einer Welt von Raubtieren, da werden wir als kleines Kätzchen nicht durchkommen.

Sind Sie angesichts dieser Weltlage manchmal froh, nicht deutscher Kanzler geworden zu sein?

Nein. Wer Politiker ist, bekennt sich zur Verantwortung. Und Verantwortung heisst, auch die unangenehmen Dinge zu regeln. Es ist anstrengend, aber auch ein Privileg, die eigene Überzeugung in Wirklichkeit umzusetzen. Wer ein politisches Mandat anstrebt, muss damit rechnen, dass einem schwierigste Entscheidungssituationen nicht erspart bleiben.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Nato sucht Ausweg aus Streit um Grönland

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Nato-Generalsekretär Mark Rutte setzt zur Beruhigung der Grönland-Debatte auf eine stärkere Bündnispräsenz in der Arktis. Man diskutiere derzeit weitere Schritte, wie man die Arktis gemeinsam sicherer machen könne, sagte Rutte. Die Nato sei bereits im vergangenen Jahr auf Bitten der alliierten Arktis-Anrainerstaaten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island aktiver geworden und es habe gute Diskussionen gegeben.

Wie die möglichen Schritte aussehen, sagte Rutte zunächst nicht. Zuvor war allerdings bekannt geworden, dass mehrere Bündnisstaaten sich für den Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen «Arctic Sentry» (deutsch etwa: Wächter der Arktis) ausgesprochen haben. Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann. Unterstützt werden die Pläne für eine stärkere Bündnispräsenz in der Arktis unter anderem von Deutschland und Grossbritannien. (sda)

Tagesgespräch, 12.1.2026, 13 Uhr ; 

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