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Trumps WEF-Rede unter der Lupe Grönland gehörte doch nie den USA?! Trumps Rede auf dem Prüfstand

Donald Trump kam in der 70 Minuten langen Rede am WEF auf vieles zu sprechen. Nicht alles entsprach dabei der Wahrheit.

Ein «wilder Ritt» war es, die Rede von Donald Trump am Mittwoch vor der wirtschaftlichen und politischen Weltelite in Davos. So zumindest bezeichnete sie USA-Korrespondent Andrea Christen. Die Rede beinhaltete Bekanntes; beispielsweise Trumps Abneigung gegen die bestehenden internationalen Institutionen oder den Vorwurf, die USA würden immer nur geben und nichts zurückbekommen, insbesondere nicht von Europa.

Ausserdem war die Rede voller Übertreibungen und Unwahrheiten. Einige von Trumps Behauptungen auf dem Prüfstand:

Grönland gehörte nie den USA

Trump merkte in seiner Rede richtigerweise an, dass die USA Militärbasen in Grönland eingerichtet hatten, als während des Zweiten Weltkriegs Dänemark von Nazi-Deutschland besetzt wurde und Grönland nicht mehr verteidigen konnte. Aber er behauptete gleichzeitig: «Nach dem Krieg haben wir Grönland an Dänemark zurückgegeben. Wie dumm waren wir, das zu tun? Aber wir taten es. [...] Aber wie undankbar sind sie jetzt?»

Grönland war nie in US-Besitz. Ein Abkommen zwischen den USA und der dänischen Botschaft von 1941 erlaubte es dem US-Militär, auf Grönland zu operieren. Dort heisst es explizit, dass Dänemark die Souveränität des Territoriums beibehält.

Europa mit den USA in Afghanistan

Zum westlichen Verteidigungsbündnis Nato äusserte Trump folgenden Vorwurf: «Was wir also von der Nato bekommen haben, ist nichts, ausser Europa vor der Sowjetunion und jetzt vor Russland zu schützen. Ich meine, wir haben ihnen so viele Jahre lang geholfen. Wir haben nie etwas dafür zurückbekommen.»

Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA wendete die Nato zum ersten und einzigen Mal in ihrer Geschichte Artikel 5 an, den Bündnisfall. Die Nato-Staaten standen den USA militärisch und finanziell zur Seite. Viele europäische Nato-Staaten kämpften Seite an Seite mit dem US-Militär im Afghanistan-Krieg mit. Dänemark zum Beispiel, gegen das Trump den Streit um Grönland vom Zaun gebrochen hat, verlor über 40 Soldaten.

Inflation fast unverändert

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Mann spricht bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums 2026 in Davos.
Legende: Donald Trump bei seiner Rede am Weltwirtschaftsforum in Davos. REUTERS / Jonathan Ernst

Er macht auch Behauptungen zu anderen Themen wie zur Inflation, die es gemäss Trump nach dem ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit in den USA «praktisch nicht gibt». Als er das Amt übernommen habe, sei die Inflation «rasant hoch» gewesen. Die USA hätten zuvor die grösste Inflation in der Geschichte seit 48 Jahren gehabt.

Fakt ist: Die Inflation in den USA betrug nach Angaben des Bureau of Labor Statistics im Dezember 2025 2.7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und 0.2 Prozent mehr im Vergleich zum November 2025. Zum Vergleich: Im letzten Monat der Regierung unter Joe Biden lag die Teuerung bei 2.9 Prozent und befand sich seit Mitte 2023 zwischen 3.7 und 2.4 Prozent. Die derzeitige Inflationsrate liegt immer noch über dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve (FED) von zwei Prozent.

Es stimmt, dass die jährliche Inflationsrate während der Biden-Administration im Juni 2022 mit 9.1 Prozent den höchsten Stand seit 40 Jahren erreichte. Aber das war mehr als zwei Jahre vor Trumps Rückkehr. Ausserdem ist die Inflation bereits vor Trumps Amtseinführung stark gesunken.

Nato-Länder rüsten auf

Ausserdem behauptete der US-Präsident, dass bis zu seinem Amtsantritt seiner Meinung nach die USA «praktisch 100 Prozent der Nato-Kosten übernommen haben».

Doch was Trump als Meinung verkauft, ist schlicht falsch. Gemäss Nato-Angaben kamen die USA 2024 für etwa 63 Prozent der Verteidigungsausgaben aller Nato-Mitglieder auf. Bei Trumps erstem Amtsantritt 2016 waren es rund 72 Prozent. Bezogen auf das sogenannte Gemeinschaftsbudget, das die Nato von ihren Mitgliedsländern erhält und das im Vergleich zu den nationalen Verteidigungsbudgets relativ klein ist, tragen die USA zusammen mit Deutschland Stand 2024 mit knapp 16 Prozent am meisten bei. 2017 waren es noch rund 22 Prozent.

Fakt ist: Ja, die USA sind nach wie vor der grösste Geldgeber der Nato, 100 Prozent sind es aber nicht. Mittlerweile haben die anderen Mitgliedstaaten deutlich aufgeholt. Trumps Drohungen, die Nato zu verlassen oder im Bündnisfall nicht beizustehen, dürften dazu beigetragen haben, dass viele Mitglieder ihre Ausgaben deutlich erhöhten. Inzwischen geben alle Staaten – mit Ausnahme Islands, das keine eigenen Streitkräfte unterhält – über zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts für Verteidigung aus und haben sich sogar verpflichtet, 3.5 bis 5 Prozent erreichen zu wollen.

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Tagesschau, 21.1.2026, 19:30 Uhr;weds

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