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Tuberkulose-Kranke in Südafrika
Aus Tagesschau vom 31.08.2020.
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Tuberkulose in Südafrika Die vergessenen Tuberkulose-Patienten im Corona-Sturm

In Südafrika sterben jährlich 64’000 Menschen an Tuberkulose. Während des Corona-Lockdowns wagen sich aber viele Patienten mit der Lungeninfektion nicht in ein Spital.

Südafrika liegt mit seinen Covid-19-Infektionszahlen mittlerweile weltweit auf Platz fünf. Über 630'000 Menschen sind infiziert und 14'000 sind gestorben. Während sich alle auf das Coronavirus konzentrieren, geht die weltweit gefährlichste Pandemie vergessen – die Tuberkulose.

In Südafrika sterben täglich rund 180 Menschen an Tuberkulose. Im Jahr 2018 zählte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 64’000 Personen, die an der bakteriellen Lungeninfektionskrankheit starben.

Quelle: WHOWeltweite Verteilung der gemeldeten Tuberkulose-FälleStand: 2018Amerika3%Europa3%östlicheMittelmeer-länder8%west-pazifische Region18%Afrika24%Südostasien44%

In Europa ist die Krankheit längst verschwunden – nicht nur, weil sie sich behandeln lässt, sondern auch, weil sich die Lebensbedingungen erheblich verbessert haben.

Auch wenn Tuberkulose heilbar ist, kann diese Krankheit nicht ausgerottet werden, solange sich an den Lebens- und Wohnbedingungen nichts ändert.

In Südafrika leben nach wie vor Millionen von Menschen zusammengepfercht auf engstem Raum, mit schlechten Belüftungsbedingungen und gerade genug Geld für einen Laib Brot am Tag. Das Leben in den Slums begünstigt nicht nur die Verbreitung des Coronavirus, sondern auch von Tuberkulose, denn die Übertragungswege sind sehr ähnlich.

Ziegen bei einem Abfallplatz in der Nähe einer Wohnsiedlung
Legende: Tuberkulose ist die Krankheit der Armut: Hammanskraal, ein Städtchen nördlich der Hauptstadt Pretoria, ist nur eine Beispiel für mangelnde hygienischen Zustände. Cristina Karrer | SRF

Krankheit der Armen

Mmapula Mkhabela ist eine 34-jährige Tuberkulose-Patientin. Sie teilt sich ein einziges Zimmer mit ihren beiden Kindern. Sie lebt in einer Blechhütte nördlich von Pretoria und wurde von ihrer eigenen Familie wegen ihrer Krankheit verstossen.

Ohne staatliche Kindergelder könnte sie nicht überleben. Mmapula Mkhabela hat die Aussicht auf Heilung, doch sie weiss, wie schwierig es für viele Patienten ist, das Geld für einen Transport ins Spital zusammenzukratzen.

Eine schwarze Frau steht in ihrer Kochnische.
Legende: Mmapula Mkhabela leidet an Tuberkulose. Cristina Karrer | SRF

Sie fühlt sich von der Regierung vernachlässigt, die Millionen von Franken in den Kampf gegen Covid-19 steckt. «Tuberkulose ist eben eine Krankheit der Armen. Ich habe während des Lockdowns einige gesehen, die daran gestorben sind, weil sie ihre Medikamente nicht mehr eingenommen haben. Das interessiert jedoch niemanden», sagt Mkhabela mit Resignation in der Stimme.

Der Sozialarbeiter Frans Magwele, der sie regelmässig besucht und überprüft, ob sie ihre Medikamente einnimmt, erklärt: «Seit Covid-19 wagen es viele Menschen nicht mehr, ihre Medikamente im Spital abzuholen. Sie haben Angst, angesteckt zu werden oder, falls sie husten, als Covid-19-Patienten abgestempelt zu werden.»

Sozialarbeiter Frans Magwele zu Fuss unterwegs auf einer Landstrasse
Legende: Sozialarbeiter Frans Magwele ist für Tuberkulose-Patienten unterwegs mit Medikamenten. Cristina Karrer | SRF

Tuberkulose-Expertin Linda-Gail Bekker, Link öffnet in einem neuen Fenster bestätigt, dass die Tuberkulose-Diagnosen während des Lockdowns um 50 Prozent zurückgegangen sind. Die Professorin arbeitet seit Jahren für die Desmond-Tutu-Stiftung, Link öffnet in einem neuen Fenster und weiss sehr genau, wovon sie spricht. Auch sie erklärt sich das Ausbleiben der Tuberkulose-Patienten mit deren Angst vor Covid-19.

«Die Konsequenzen einer unterbrochenen medikamentösen Behandlung von Tuberkulose sind fatal. Viele Patienten entwickeln Resistenzen, andere sterben», sagt Bekker. Sie ist überzeugt, dass unter den vielen unerklärlichen Todesfällen in den letzten Monaten überdurchschnittlich viele Tuberkulose-Todesfälle sind.

«Ich wünschte mir, dass Tuberkulose nur halb so viel Aufmerksamkeit erhalten würde wie Covid-19», sagt Bekker. «Vielleicht wird das mit einer intensivierten Debatte um Pandemien auch geschehen. Denn machen wir uns nichts vor: Tuberkulose ist die grösste Pandemie weltweit. Es ist unerklärlich, dass dies von der Weltgemeinschaft einfach so hingenommen wird.»

Ein Mädchen sitzt vor einem Haus
Legende: Ein Fünftel aller Tuberkulose-Patienten in Südafrika sind Kinder. Cristina Karrer | SRF

Tagesschau, 31.08.2020, 19:30 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Anmerkung: es ist natuerlich die Tuberkulose die die Patienten toetet...aber meist weil wegen AIDS ueberhaupt keine Wiederstandskraft mehr existiert, das heisst, das Imunsystem praktisch inexistent ist, dann die schlechte Medikamenten-einnahme-disziplin...
    Mit Tuberkulose kann man heute leben, allerdings ist der Weg hart zur "Genesung". Ich kenne Einige die es mit eiserner Disziplin geschafft haben, darunter eine Hausangestellte die 11.5 Jahre fuer mich arbeitete.
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    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Meines Wissens wurden in KwaZulu Natal Patienten mit Antibiotika-resistenter Tuberkulose als austherapiert nach Hause entlassen, und haben in der Folge Familienmitglieder mit dieser neuen Variante der Krankheit angesteckt. Da kommt
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  • Kommentar von Franz NANNI  (Aetti)
    Untersuchdurch Arzt, Labor Roentgen etc, Behandlung und Medikamente sind gratis...
    aber.. die Medikamente einnehmen das machen viele nicht nach Programm... dazu kommt,AIDS ist immer noch etwas "Schlechtes"ehrenruehriges... so sterben die Leute eben an ihrer Tuberkulose ...AiDS als Grund wird verschwiegen...
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