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Grossbritannien: TV-Duell zwischen Johnson und Hunt
Aus HeuteMorgen vom 10.07.2019.
abspielen. Laufzeit 02:12 Minuten.
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TV-Duell um Mays Nachfolge Wer wird Mr. Brexit?

Eine Stunde lang kreuzten die beiden Kandidaten für die Nachfolge von Theresa May als britische Premierministerin am Dienstagabend die Klingen; die wohl einzige richtige Debatte im Flimmerkasten brachte den Favoriten, Boris Johnson, gelegentlich ins Trudeln, aber sein Widersacher, Jeremy Hunt, vermochte seinen bisherigen Rückstand wohl nicht auszugleichen.

Männlichkeitstest

Die beiden überboten sich gegenseitig mit dem Versprechen, den Brexit bis Ende Oktober zu verwirklichen. Hunt will sich zwar ein wenig Spielraum geben, wenn die Verhandlungen günstig laufen, aber auch seine Flexibilität ist gering.

Beide Männer zeichneten erneut Einhörner, frohsinnige aber unrealistische Szenarien, wie sie die EU zu Konzessionen bewegen könnten. Johnson will die EU mit glaubwürdigen Vorbereitungen auf den drohenden vertragslosen Zustand beeindrucken – dann werde Brüssel schon einlenken. Und wenn nicht, seien die Kosten «verschwindend gering».

Appell an ein kleines Wahlgremium

Das Duell erinnerte gelegentlich an den Streit zweier Glatzköpfe um einen Kamm. Das kam nicht von ungefähr, denn sie appellierten ja nicht an die Fernsehzuschauer, die kein Stimmrecht haben, sondern an die rund 160'000 Mitglieder der Konservativen Partei, die bereits seit einigen Tagen ihre Wahlzettel ausfüllen.

Sie wollen, das belegen zahlreiche Umfragen, den Brexit um jeden Preis und das so bald wie möglich. Die Attacken des amtierenden Aussenministers Hunt auf seinen Amtsvorgänger Johnson trafen zwar wunde Punkte, aber die konservative Basis liebt Boris – weil er sie zum Lachen bringt.

Optimismus als Elixier

Hunt versprach, den Wählern auch unangenehme Wahrheiten zu sagen, während Johnson doch nur Frohsinn verbreite. Er suche das Amt nicht um seiner selbst willen, sondern weil er etwas verändern wolle. Tatsächlich befürchten Johnsons Kritiker, bei ihm verhalte es sich umgekehrt.

Doch bei aller Berechtigung von Hunts Zweifeln: Er wirkt weiterhin als trockener Manager. Er muss den Ruch des Konvertiten zum Brexit-Glauben abstreifen; seine Bereitschaft, den Austritt wenn nötig erneut ein wenig aufzuschieben, stösst bei der Basis kaum auf Begeisterung.

Johnson blieb manche Antwort schuldig, er hätte – ausser dem bedingungslosen Austritt Ende Oktober – kaum Fesseln, wohin er das Land schliesslich führte. Am 23. Juli werden wir erfahren, wer das Vereinigte Königreich in turbulente Zeiten führen wird.

Martin Alioth

Martin Alioth

Grossbritannien- und Irland-Korrespondent, SRF

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Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Und was hat das Ganze mit Männlichkeit zu tun?
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    Ich bin immer Überzeugter das es ein harter Brexit geben wird. Ich vermute schon lange das beide Parteien, insbesondere die EU dessen schon lange Bewusst ist und nur Zeit schindetet um noch vieles wie möglich zu klären und zu Organisieren. Alles andere wäre sonst aus der Sicht der EU Sinnlos. Die Engländer haben ohne Not sich viele Probleme aufgehalst. die Irland frage, Schottland und die Wirtschafts- und Nationalitätenfragen vieler Bürger. Dummheit muss halt manchmal wehtun!
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  • Kommentar von Klaus Kreuter  (KallePalle)
    Jedes Land hat seine Eigenheiten - Grossbritannien eh schon. Wer sich einen solchen Windhund wie Johnson gönnt muss letztlich damit fertig werden, genauso wie eben andere Länder ihre speziellen Typen haben. Wenn nur die Hälfte dessen wahr ist was man sich erzählt, es reicht dann schon. Mal abwarten was da kommt.
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