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TV-Sender in Kabul Eine der wenigen Erfolgsgeschichten Afghanistans

Vor einem Jahr wurde Zan TV gegründet – ein Novum für Afghanistan: Die Fernsehstation wird komplett von Frauen geführt.

Legende: Audio Zan TV bringt Frauenthemen in die öffentliche Diskussion abspielen. Laufzeit 02:29 Minuten.
02:29 min, aus HeuteMorgen vom 19.10.2018.

Fernsehmoderatorin Khalida Rasheed läuft mit einem ernsten Blick in die Kamera durch die leeren Gänge des Parlaments. Es ist ein Trailer für ihre Politdebatte «Meine Stimme» – eine Art «Arena» in Afghanistan.

Shogofa Sediqi, die Chefredaktorin des Senders, erklärt in einem Redaktionsraum in Kabul, dass sie die Politiker mit den Problemen der Frauen in Afghanistan konfrontieren will.

Niemand zwingt mich hier eine Burka zu tragen. Ich kann alleine aus dem Haus und einer Arbeit nachgehen.
Autor: Shogofa SediqiChefredaktorin Zan TV

Allen voran Gewalt gegen Frauen: Ein UNO-Bericht hat 2016 und 2017 etwa 280 Ehrenmorde in Afghanistan dokumentiert – hauptsächlich in den Provinzen. Da gebe es noch viel zu tun, sagt Sediqi. Für die Frauen habe sich in Kabul aber Einiges verbessert.

Eine Fernsehmoderatorin von Zan TV.
Legende: Eine der Moderatorinnen des afghanischen Fernsehsenders Zan TV. SRF/THOMAS GUTERSOHN

«Niemand zwingt mich hier eine Burka zu tragen. Ich kann alleine aus dem Haus und einer Arbeit nachgehen», sagt Sediqi. Aber politisch müssten die Frauen mehr Gewicht in Afghanistan haben, ergänzt Fernsehmoderatorin Rasheed.

So werden zum Beispiel keine Schlüsselministerien von Frauen geführt. Das müsse sich mit diesen Wahlen ändern, meint Rasheed. Zan TV beschäftigt 48 Frauen, ist aber kein Sender ausschliesslich nur für Frauen.

Zan TV hat mein Leben verändert. Jede Sendung, die ich moderiere, birgt eine versteckte kleine Botschaft zur Stärkung der Frauen in Afghanistan.
Autor: Khalida RasheedModeratorin Zan TV

Oft rufen auch Männer in die Sendungen an, wie in dieser Show, in der Zuschauer Musikvideos wünschen können. Männliches Publikum sei sehr wichtig, erklärt Chefredaktorin Sediqi. So würden sie lernen, die Standpunkte ihrer Frauen besser zu verstehen.

Zan TV ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten in Afghanistan. Der Sender bringt die Themen der Frauen in die öffentliche Diskussion – und bestärkt Afghaninnen. Sie selbst habe vom Sender profitiert, erklärt Moderatorin Rasheed.

Beitrag zur Stärkung der afghanischen Gesellschaft

«Zan TV hat mein Leben verändert. Jede Sendung, die ich moderiere, birgt eine versteckte kleine Botschaft zur Stärkung der Frauen in Afghanistan», sagt sie und erklärt weiter: «Als Moderatorin bin ich die erste, die durch unsere Sendungen lernt und wächst.»

Und so leistet der junge Sender einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der ganzen afghanischen Gesellschaft.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Finde ich super, was diese Frauen in einer Männerdomäne bewirken. Eine Humanisierung der Gesellschaft führt nur über die Integration von Frauen in allen Organisationen. Dies ist auch bei uns so: Sobald Frauen im Spiel sind, verhält sich der Homo viel anständiger und kompromissbereiter. Bespiele: Militär, Feuerwehr, Partys, Sport, innerhalb Parteien, usw. Ausnahme: Beim Politisieren. Aber da ist sogar das Gegenteil gewünscht:Eine Politikerin sollte sachlich aber hart sein, wie K. Keller-Sutter.
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  • Kommentar von Hans Hafen (Häfi)
    Ausserdem: Warum sollten sich die afghanische Bevölkerung eine Zivilisation nach westlicher Denkart als Vorbild nehmen? Das ist nur die Perspektive des Westens. Die Atomisierung der Gesellschaft in Individuen, wie es in den sog. freien Republiken des Westens passiert, kommt den Afghanen vielleicht etwas suspekt vor. Es gibt keine Gesetzmässigkeit, dass sich alle Gesellschaften weltweit, nach unseren Vorstellungen entwickeln müssen!
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  • Kommentar von Hans Hafen (Häfi)
    Leider ist das blosses Wunschdenken westlicher Prägung unter Verkennung der Gegebenheiten und Voraussetzungen vor Ort. Afghanistan war vor der russischen Invasion verhältnismässig modern. Dem Westen ist dann der sukzessive Rückschritt ins zivilisatorische Neolithikum zu verdanken. Die Paschtunen werden die Erzeugnisse des Senders jedenfalls nicht massenhaft konsumieren!
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