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International Über 60 Verhaftungen nach Krawallen in Ferguson

Brennende Häuser, demolierte Autos, zerstörte Geschäfte – der Verzicht auf die Anklage gegen einen Todesschützen der Polizei hat in der US-Kleinstadt Ferguson schwere Unruhen ausgelöst. Mittlerweile wurden insgesamt über 60 Demonstranten verhaftet.

Legende: Video Die Nacht in Ferguson abspielen. Laufzeit 01:48 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 25.11.2014.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Geschworenen-Jury sieht keinen Grund für Anklage gegen weissen Polizisten
  • Familie von erschossenem schwarzen Teenager enttäuscht
  • Schüsse und Plünderungen in Ferguson um Umgebung, Polizei setzt Tränengas ein, Gebäude und Autos brennen
  • Über 60 Demonstranten wurden bis jetzt verhaftet
  • Demonstrationen auch in anderen Orten in den USA
  • Obama mahnt Demonstranten und Beamte zur Zurückhaltung

Obwohl Staatsanwalt McCulloch seine Worte mit Bedacht wählt und genau erklärt, warum sich die Geschworenen gegen eine Anklage des Polizisten entschieden haben, kommt es in und um Ferguson unmittelbar nach der Pressekonferenz zu Ausschreitungen. Mehr noch: Die Proteste schlagen in Gewalt um. Auch in New York und Washington demonstrieren die Menschen.

Schnell wird es richtig gewalttätig im Vorort von St. Louis. Flaschen und Ziegelsteine fliegen. Protestierende zertrümmern die Fensterscheiben eines Spirituosenladens und plündern ihn. Andere setzen ein Polizeifahrzeug in Brand. Über ihnen kreisen Polizeihelikopter. Überall marschieren Beamte in Kampfmontur. Hunderte Demonstranten stellen sich in der Nachbarstadt von Ferguson, in St. Louis, vor dem Polizeigebäude auf. Eine Gruppe junger Leute ruft: «Wir brauchen all die rassistischen Polizisten nicht». Andere schreien: «Keine Gerechtigkeit, kein Frieden.»

Zerstörung in Ferguson

Mindestens ein Dutzend Gebäude brennen in und um Ferguson. Hohe Flammen schlagen in den Nachthimmel. Dichter Qualm liegt in der Luft – Tränengas. Vielleicht sind es auch Blendbomben. Immer wieder knallt es. «Es ist viel schlimmer als während der Proteste im August», sagt der Polizeichef vom Bezirk St. Louis.

Vergeblich rief US-Präsident Barack Obama zuvor zu friedlichen Protesten auf. Die gleiche Bitte äusserten auch Michael Browns Eltern.

Einer der Krawallmacher ist der 19 Jahre alte John. Er erscheint mit einer Gasmaske zum Protest. «Ich bin hergekommen, um das Recht siegen zu sehen, aber nun wissen wir, das ist nicht der Fall. Jetzt geht es los hier, jetzt geht es los», sagte er. Später wirft er einen Ziegelstein in das Schaufenster eines Geschäftes.

Andere wollen nur ihrer Stimme Gehör verleihen. Tetris Franks, Mutter von vier Kindern, spricht von einem «wirklich traurigen Tag». Minuten nach der Urteilsverkündung sagt die 48 Jahre alte Flugbegleiterin: «Die Leben der Schwarzen zählen nicht. Die ganze Sache bringt mich zum Weinen.»

Legende: Video Arthur Honegger über Krawalle abspielen. Laufzeit 02:26 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 25.11.2014.

Das vorläufige Fazit: Ein grosser Sachschaden an Gebäuden und Fahrzeugen. Über 60 Personen wurden verhaftet.

Die grosse Befürchtung ist, dass diese Krawalle zum Flächenbrand werden, sagt SRF-Korrespondent Arthur Honegger. Ferguson ist zum Symbol für Polizeigewalt gegen Afroamerikaner geworden.

Viele schwarze Männer fühlen sich im Alltag schikaniert. In der Vergangenheit haben immer wieder Fälle wie jener in Ferguson das Fass zum Überlaufen gebracht, weil es hier eben um mehr geht als um den tragischen Tod eines Einzelnen. Radio-SRF-Korrespondentin Priscilla Imboden führt aus, die Proteste könnten noch Tage dauern.

Tweets von SRF-Korrespondent Arthur Honegger

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37 Kommentare

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  • Kommentar von Johnny Torturo, Zürich
    Ich verstehe das ganze nicht, der Polizist wurde doch angegriffen, mehrfach geschlagen, oder? Er hätte auch sterben können bei noch mehr Schlägen, wieso sollte er da denn nicht sein Leben beschützen können indem er Feuert?? Mag ja sein das es Rassismus gibt, doch das hat in diesem Fall sicher nichts zu tun, der Verbrecher ist der Schuldige. Schwarze tun doch genau gleich Rassistisch. Schwarze und Weisse können einfach nicht zusammen Leben in grossen Massen.
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    1. Antwort von c.jaschko, Bern
      Einfachmal das Zeugenvideo vom Freund der dabei war anschauen and falls Sie richtig English verstehen koennen werden Sie warscheinlich Ihre Meinung aendern :-) http://m.youtube.com/watch?v=6RZJhoyEtAY
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    2. Antwort von Johnny Torturo, Zürich
      Der Polizist sagt aber was ganz anders aus, und das Gericht auch. Ausserdem sagt jeder Zeuge was anderes aus, sehr komisch. Der Mann ist 193 cm Gross, bestimmt vorbestraft ,und hat vorher was geklaut aus einem Laden, wer weiss zu was er noch Fähig gewesen wäre der Mann? Ihr nehmt ihn in Schutz? Anscheinend hatte der Polizist ein geschwollenes Gesicht.
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    3. Antwort von c.jaschko, Bern
      Nachdem ich ueber 100 videos gesehen habe wo cops unschuldige erschiessen " kinder, frauen,alte, hunde" faelt es mir sehr schwer zu glauben dass der arme Cop den Jungen zum schluss auch noch in den Knopf schiesen musste weil die 11 Schuesse vorher nicht genug waren um in aufzuhalten :-) Der Junge war doch kein Elephant und auserdem die Aussage des Zeugen gibts auch in der Version wo er weint weil sein Freund hingerichtet wurde wie ein Tier :-) Altag in den USA sind Hinrichtungen :-)
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  • Kommentar von p.keller, kirchberg
    Viele machen Krawall und wissen nicht einmal, worum es geht. Siehe Fussball-Fans/Hooligans.
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    1. Antwort von Ernst Jacob, Moeriken
      und vor Allem werden umgehend sofort alle Geschäfte im Einzugsbereich leergeplündert. Und passiert in genau gleicher Form auch bei Black-Outs in grösseren Städten. Wer Amerika aber auch nur ein Wenig kennt, weiss, dass das wahre Leben dort drüben sich nicht nur am Smartphone und in der PlayStation abspielt. Eigentlich sollte es uns zeigen, was passiert, wenn zuviele zu wenig haben, am ANTEIL, im Land, und es nicht mehr besser wird. Es ist der Hass, zuerst auf Andere, dann auch gegen sich selbst.
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    2. Antwort von Johnny Torturo, Zürich
      Genau, zuviele zu wenig haben, gutes Stichwort, daher ECOPOP Ja.
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  • Kommentar von K. Svec, Horgen
    Die Schweiz sollte der USA erklären, dass wir sehr besorgt sind über die Ereignisse und dass wir hoffen, dass der Gerechtigkeit sicher genüge getan wird, wie von einem Rechtstaat zu erwarten ist...und unsere volle Unterstützung anbieten.
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    1. Antwort von Beat Lopper, Hergiswil
      Haben Sie eine Vorstellung, wie viele Erklärungen aus der ganzen Welt Tag für Tag in Washington eingehen und wie die Schweiz dort drüben wahrgenommen wird. Oh, that's just Europe! und wie die einzelnen Länder etwa heissen, das kümmert dort kaum jemanden so richtig. Schauen Sie sich mal das Video von Kellie Pickler in "Smarter than a 5th grader" an. Ganz so dramatisch ist es vielleicht nicht aber doch auch nicht zu weit hergeholt.
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    2. Antwort von Isidor Keller, Horgen
      K. Svec, Ihren Idealismus in Ehren, falls Sie zumindest ansatzweise etwas erreichen wollen, stellen Sie sich mit einem Transparent und ein paar Passanten vor die US-Botschaft in Bern. Dort werden Sie dann zwar innert sehr kurzer Zeit wieder verscheucht, aber viel mehr kann auch die CH-Regierung in dieser Hinsicht nicht bewirken...
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    3. Antwort von G.Lütolf, 4052 Basel
      Da muss die Schweiz aber zuerst einmal vor der eigenen Haustür wischen! Bei uns ist der Rassismus nur noch nicht so offensichtlich aber er nimmt tagtäglich zu.
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