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Prügelnde Polizisten in Frankreich
Aus Rendez-vous vom 27.11.2020.
abspielen. Laufzeit 03:12 Minuten.
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Übergriffe bei Einsätzen Frankreich empört sich über gewalttätige Polizisten

  • Am Montag räumten Ordnungskräfte eine illegale Asylunterkunft auf der Place de la République und prügelten dabei auf wehrlose Migranten ein.
  • Am Donnerstag gelangte ein Video ins Netz, das zeigte, wie Polizisten einen Mann in seinen privaten Räumen aufs heftigste traktierten.
  • Die Fälle lösen eine breite Empörung innerhalb der französischen Bevölkerung aus und dürften politische Konsequenzen haben.

Solche Bilder zeigt das französische Fernsehen in seinen Nachrichten selten: Drei Polizisten verprügeln einen Mann. Mindestens zwei Dutzend Faustschläge, dazu Tritte mit den Füssen. Die Szene spielt am Samstagabend im 17. Arrondissement von Paris.

Musikproduzent Michel Z. legt im Studio eine Arbeitspause ein und geht vors Haus, ohne dass er die obligatorische Maske überzieht. Drei Polizisten sehen ihn, Michel Z. zieht sich ins Studio zurück, die Polizisten folgen ihm – offenbar ohne, dass Z. dies merkt. Es kommt zu einem Handgemenge. Das Ganze wird von einer Überwachungskamera im Studio festgehalten.

Video
Michel Z.: «Diejenigen, die mich schützen sollten, verprügelten mich»
Aus News-Clip vom 27.11.2020.
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Am Donnerstag hat Michel Z. bei der Polizei Klage eingereicht und schildert vor dem Kommissariat Reportern seine Sicht der Dinge: «Ich habe nicht einmal gemerkt, dass die Männer Polizisten sind. Sie haben mich geschlagen und wiederholt als Neger beschimpft.» Die Szene kursiert nun auch im Internet.

Diese Polizeibeamten haben die Uniform beschmutzt.
Autor: Gérald DarmaninFranzösischer Innenminister

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat auf die Veröffentlichung des brutalen Polizeivideos reagiert. Er sei «sehr schockiert», heisst es aus Kreisen des Präsidentenpalasts.

Auch Innenminister Gérald Darmanin zeigte sich schockiert. Er habe umgehend die Suspendierung der beteiligten Beamten gefordert, sagte er in der französischen Tagesschau. Sobald die Fakten erwiesen seien, würden sie aus dem Polizeikorps ausgeschlossen: «Denn sie haben die Uniform beschmutzt.»

Vier Beamte wurden heute Nachmittag in Polizeigewahrsam genommen und sollen befragt werden, wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilt.

Umstrittenes Sicherheitsgesetz

Der Film bringt aber auch den Innenminister selber unter Druck. Als oberster Polizist decke er das brutale Vorgehen der Polizei, wird ihm vorgeworfen. Dies nicht zuletzt mit dem neuen Sicherheitsgesetz, das in Frankreich seit Wochen für Emotionen sorgt.

Im umstrittensten Artikel geht es um ein Publikationsverbot von Bildern, bei denen Ordnungshüter erkennbar sind. Solche Szenen sind in den sozialen Medien häufig zu sehen, nicht selten verbunden mit Namen und Adressen der Beteiligten. Innenminister Darmanin will seine Leute vor solchen Bedrohungen schützen.

Französische Polizisten vor dem Eiffelturm in Paris.
Legende: Das neue Sicherheitsgesetz soll Polizisten auch vor Verfolgung in den sozialen Medien schützen. Kritiker fürchten, dass Übergriffe unter den Teppich gekehrt werden könnten. Keystone

Gleichzeitig fürchten aber auch die Medien, dass ein Bilderverbot ihre Arbeit einschränkt. Das Video über die brutale Polizeiaktion im Studio von Michel Z. befeuert diese Befürchtungen. Es beeinflusst auch den politischen Prozess.

Anfangs dieser Woche hat die Nationalversammlung in Paris das neue Sicherheitsgesetz in erster Lesung verabschiedet. Nun hat Premierminister Jean Castex angekündigt, dass er den umstrittenen Artikel noch einmal umschreiben will.

Rendez-vous vom 27.11.2020, 12:30 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris  (zombie1969)
    Bei solchen Aktionen wird sich immer beschwert, die Gesellschft bewege sich wieder Richtung Mittelalter. Das trifft in der Tat zu, liegt aber ganz bestimmt nicht am Vorgehen der Polizei.
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  • Kommentar von John Livers  (John Livers)
    Wer sich etwas informiert merkt schnell, dass in Europa eine - ich nenn es mal Anti Polizei Kampagne- läuft. Ob in Frankreich, in Deutschland, in Polen ja sogar in Österreich wird die Polizei bei ihren Einsätzen scharf kritisiert. Aber wer lässt sich schon gerne mit Flaschen und Steinen bewerfen, sich anspucken und anpöbeln, nur weil für Ordnung gesorgt werden muss. Ein Dank an alle Polizeiorgane die tagtäglich den Kopf für uns hinhalten!
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    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      "Ein Dank an alle Polizeiorgane die tagtäglich den Kopf für uns hinhalten!"
      Da gebe ich Ihnen Recht.
      Ich ich gehe auch davon aus, dass (europaweit) die meisten Polizisten sich korrekt verhalten.
      Leider wirft es ein falsches Licht auf die Ordnungsorgane, wenn Missstände vertuscht werden. Oder Polizei-Opfer zu "Tätern" erklärt werden. Und wenn dann der Innenminister für ein Gesetz ist, dass die Dokumentation von Straftaten der Polizei verbietet, dann läuft da ganz oben was schief.
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  • Kommentar von Arthur Meili  (Arthur Meili)
    Die Polizei, dein Freund und Helfer. Das war frueher, als die Polizei noch respektiert wurde. Aber heute, jeder Bengel meint, dass man die Polizei anpoebeln koenne.
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    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Wenn Polizisten als Wächter und Gesetzeshüter gesehen werden wollen, dann dürfen sie nicht willkürlich Gewalt anwenden.
      Schläger bekommen keinen Respekt.
      Respekt bekommt, wer sich vorbildlich verhält, auch ich schwierigen Situation.
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    2. Antwort von Riitta Bislimi  (ribi)
      Michel Z. hat die drei Polizisten nicht angepoebelt.
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