Auch in diesem Jahr sind in Pakistan seit Beginn der Monsunzeit Ende Juni knapp 800 Menschen ums Leben gekommen. Besonders schwer betroffen war die Berg-Region Khyber Pakhtunkhwa im Norden des Landes.
Derzeit ist die Provinz Punjab im Osten des Landes von erneuten Überschwemmungen betroffen. Das weckt Erinnerungen an 2022, als fast 1700 Menschen nach heftigem Monsunregen starben, der ein Drittel des Landes überschwemmte.
Mariam Zachariah ist Expertin für Wetterkatastrophen am King's College in London. Die gebürtige Inderin ist Teil des globalen Forschungsnetzwerks «World Weather Attribution Initiative», das die Rolle der Klimaerwärmung bei den auffällig heftigen und immer häufigeren Monsunregen untersucht.
Mit jedem Grad Celsius Klimaerwärmung nimmt die Luft sieben Prozent mehr Feuchtigkeit auf.
In einer eben publizierten Studie von «World Weather Attribution» wird der Klimawandel als entscheidender Faktor genannt. «Mit jedem Grad Celsius Klimaerwärmung nimmt die Luft sieben Prozent mehr Feuchtigkeit auf», erklärt Mitautorin Mariam Zachariah, die am King's College in London lehrt.
Laut der Studie hat sich das Klima seit Beginn des industriellen Zeitalters schon um 1.3 Grad Celsius erwärmt. Darum sei es nicht überraschend, dass der Monsunregen in Asien bereits um 10 bis 15 Prozent zugenommen habe, so Zachariah.
In den betroffenen Regionen in Pakistan fiel im Juli gar bis zu 50 Prozent mehr Regen als im Monatsvergleich mit dem vorindustriellen Zeitalter. Und der Regen hat noch nicht aufgehört.
Indien öffnete die Dämme
Für die bevölkerungsreiche Provinz Punjab im Osten Pakistans gilt derzeit die höchste Alarmstufe. Auslöser für die Überschwemmungen sind neben dem Starkregen die überlaufenden Flüsse jenseits der Grenze in Indien. Indien war gezwungen, die Dämme zu öffnen. Das Wasser fliesst stromabwärts in Richtung Punjab, wo 130 Millionen Menschen leben.
Auch wenn den Klimawandel vor allem die reichen Industrieländer zu verantworten haben – so sind laut Studie vor allem die Armen betroffen. «Am meisten leiden die Menschen in Slums und informellen Behausungen in Pakistan», stellt Zachariah fest.
Waldrodungen als grosses Problem
Ihre Hütten sind oft aus Lehm und Reisstroh gebaut, oft illegal in Flussbetten, an Berghängen oder rund um Städte. Die meisten Menschen seien von zusammenstürzenden Bauten erschlagen worden, sagt die Klimaforscherin.
Zugleich sei laut Zachariah in den Überschwemmungsgebieten mit der stark wachsenden Bevölkerung viel Wald abgeholzt worden: Wald, der zuvor Wassermassen und Landrutsche noch etwas bremsen konnte. Heute sind nur noch fünf Prozent der Fläche Pakistans von Wald bedeckt – so wenig wie in keinem anderen Land Südasiens.
Empfehlungen an Behörden verhallen
Die Studie warnt, dass Faktoren wie Abholzung, wuchernde städtische Slums und zu lasche Bauvorschriften zu einer grösseren Anfälligkeit gegenüber Klimakatastrophen führen. Aufforsten, strengere Bauvorschriften und mehr Frühwarnsysteme seien unabdingbar.
Ob Regierung und Behörden die Empfehlungen ernst nehmen, ist eine andere Frage: Sie stehen seit Jahren in der Kritik, weil sie den Bau von Hotels und Restaurants selbst in Flussbetten genehmigen. Auch haben sie es bisher versäumt, städtische Slums mit Abwassersystemen auf die heftiger werdenden Monsunregen vorzubereiten. Denn das würde viel Geld kosten, das Pakistan nicht hat.