Zum Inhalt springen

Header

Video
Die Ukraine-Affäre spaltet das Land
Aus Tagesschau vom 27.09.2019.
abspielen
Inhalt

Ukraine-Affäre in den USA Die Meinungen zu Trump sind längst gemacht

Was denkt die Wählerschaft über ein mögliches Amtsenthebungsverfahren? Ein Augenschein im Swing-State Pennsylvania.

In einem Punkt herrscht weitgehende Einigkeit an der Landwirtschaftsmesse im Städtchen Ephrata in Pennsylvania: Der Cheeseburger mit Toast-Brot ist der kulinarische Höhepunkt der Messe. Die «Ephrata Fair» ist die grösste Veranstaltung dieser Art im ganzen Bundesstaat. Nutztiere werden versteigert, Kinder kreischen vergnüglich auf dem Rummelplatz.

Doch wenn es um Trump geht, ist die friedliche Einigkeit vorbei. Ein Amtsenthebungsverfahren wegen der Ukraine-Affäre? «Auf keinen Fall», sagt Carl Brossman, der mit Enkelkind und Schwiegertochter an die Messe gekommen ist. «Müssen wir denn wirklich alles wissen, was hinter verschlossenen Türen zu anderen Ländern gesagt wird? Alle Parteien machen doch solche Dinge. Aber auf diesem Präsidenten hacken immer alle rum.»

Geteilte Lager

Die Details der komplexen Affäre scheinen die meisten Menschen hier nur bedingt zu interessieren. Die Meinungen sind weitgehend gemacht. Nancy Heist hat vor drei Jahren Hillary Clinton ihre Stimme gegeben. Es kann ihr kaum schnell genug gehen mit dem Impeachment: «Trump hat gezeigt, dass er nicht vertrauenswürdig ist. Und er hat die Grenzen des Erlaubten für einen Präsidenten überschritten.»

Was die Menschen hier in Pennsylvania denken, kann bei den Wahlen in gut einem Jahr entscheidend sein. 2016 gewann Trump den Bundesstaat mit hauchdünner Mehrheit gegen Hillary Clinton. Das war mitentscheidend für seine Wahl. Die Demokraten wollen Pennsylvania für sich zurückgewinnen. Dazu brauchen sie die Stimmen der Arbeiterschaft.

Doch die Ukraine-Affäre scheint die bestehenden Lager bisher nur in ihren jeweiligen Ansichten zu bestätigen. Wer Trump liebt, ist gegen ein Impeachment, wer ihn hasst, ist dafür. «Das Impeachment ist absolut lächerlich», sagt zum Beispiel Landwirtin und Trump-Wählerin Char Nolt. Die Demokraten seien doch nur neidisch, weil Trump so viel Gutes für Amerika tue.

Alltagssorgen interessieren mehr

Abwartende Stimmen, wie jene der zweifachen Mutter Leslie Houck, sind die Ausnahme. Leslie informiert sich vor allem über den öffentlich-rechtlichen Radiosender NPR. Die Informationen, die sie dort erhalten hat, reichen ihr noch nicht: «Ich habe noch nicht genug Beweise gesehen, um mich zu entscheiden, ob Trumps Taten ein Impeachment rechtfertigen. Es ist mir noch etwas zu früh.»

Häufiger hingegen hören wir pauschale Kritik an den Politikern im fernen Washington. Diese sollten gemeinsam an Lösungen für die Menschen arbeiten, statt Geld und Energie in solche Streitigkeiten zu investieren. Krankenversicherung, Jobs, Sicherheit – das beschäftigt die Menschen hier stärker als ein Telefonat zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten.

Vor allem aber vertieft die Impeachment-Diskussion die Gräben zwischen den Menschen weiter. Unversöhnlich stehen sich Demokraten und Republikaner gegenüber, in Washington ebenso wie in Ephrata, Pennsylvania. Den «Toasted Cheeseburger» gibt es allerdings nur hier.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

33 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Die Amerikaner sind ein anderes Volk. Es ist für uns schwer diese Geschichte zu beurteilen. Beim Frühstück im Restaurant sitzen 15 Golfkollegen zusammen und diskutieren, über was denn. Ums Himmelswillen nicht über Politik, oder Wirtschaft, oder Religion, oder irgend ein gesellschaftlichersThema, auch nein nur über die Zeit in der Armee, die letzte Kreuzfahrt,
    das Football Spiel oder Baseball. Der politische Konsenz macht Angst.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno Bär  (Wahrheitssucher)
    Unbegreiflich ist, dass es immer noch Leute gibt, die zu Trump halten, der sich als Diktator aufspielt, wenn er sagt: "Ich bin Präsident, ich darf alles tun."
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Walter Wieser  (Walt)
      Bei welcher Gelegenheit Herr Baer hat Trump so etwas gesagt? Ich schaue (hoere) mir die meisten seiner Reden an, habe das noch nie gehoert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von werner zuercher  (Werner Zuercher)
    Was hat Trump getan? In einem Video prahlt Joe Biden, dass er und Obama den ukrainischen Präsidenten und dessen Ministerpräsidenten 6 Stunden Zeit gegeben hätten, den Generalstaatsanwalt Victor Shokin, der gegen die dubiose Energiefirma Burisma, in der Bidens Sohn Hunter nach dem Regimewechsel in Kiev 2014 installiert wurde, wegen Korruption ermittelte, zu entlassen! Ansonsten eine Milliarde Hilfsgelder nicht ausbezahlt würden. Trump will diese Prahlerei Bidens untersuchen! Was ist da schlimm?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von S. Borel  (Vidocq)
      ... Ermittelt HATTE, muss es heissen... die Untersuchungen waren bereits ergebnislos abgeschlossen. Und nochmals. Wäre da was faul um Biden‘s Sohn, Trump und seine Leute hätten längst Untersuchungen angestrebt und zwar hochoffiziell... Ist nach wie vor nicht verboten. So hoffte Trump auf Hilfe Selenskyi‘s ein Dossier „zu erstellen“ um es gegen den Senior im Wahlkampf verwenden zu können. Ist nun mal gesetzeswidrig.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      Genau: Bei Trump wird alles untersucht, wollen die Dems alles wissen. Aber wehe jemand will etwas genauer hinschauen, wo es bei ihnen nicht so sauber aussieht. Dann sind entweder die Russen dahinter (Russlandaffäre) oder es handelt sich um Amtsmissbrauch (Ukraineaffäre).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @S. Borel: "So hoffte Trump auf Hilfe Selenskyi‘s ein Dossier „zu erstellen“ um es gegen den Senior im Wahlkampf verwenden zu können." Wenn sich Biden nichts zu Schulden hat kommen lassen, hat er davon nichts zu befürchten, ausser Sie unterstellen, Trump habe Selenski dazu gedrängt, ein gefälschten Bericht zu erstellen. Entweder haben Sie dafür zumindest gute Hinweise oder es ist heisse Luft. Und: solch ein Vorgehen könnte Trump natürlich die Präsidentschaft kosten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen