Mehrmals täglich verlässt eine Kampfboot-Einheit der ukrainischen Marine den Hafen von Odessa und dringt in die Gewässer des Schwarzen Meeres vor. Sie hat den Auftrag, die Küste – und somit auch die Häfen und Handelskorridore – vor russischen Angriffen zu schützen.
Die Einheit achtet auf mögliche Aktivitäten der russischen Flotte, sichtet und entschärft Seeminen oder wehrt unbemannte Drohnenboote ab. Aber vor allem schützt sie die Streitkräfte auf dem Festland bei der Luftabwehr.
Konkret heisst das: Sie schiesst Drohnen ab, die übers Meer kommen und den Grossraum Odessa ansteuern. Das geschieht vermehrt auch tagsüber, nicht mehr nur nachts.
«Sobald eine Drohne in Reichweite ist, muss es sehr schnell gehen», erklärt ein Maschinengewehr-Schütze, der seit acht Jahren bei der Marine ist. «Bei starkem Wind oder hohen Wellen ist es schwieriger, das Ziel zu treffen. Vor allem wenn eine Drohne mit Hochgeschwindigkeit unterwegs ist. Du hast sie gerade erst gesehen und hast dann zwei Sekunden Zeit, zu schiessen und dann auch noch zu treffen.» Die Drohnen würden oft so nah an der Wasseroberfläche entlangfliegen, dass man sie kaum sehe.
Patrouillenfahrt auf dem Schwarzen Meer
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Bild 1 von 5. Sobald eine Drohne in Reichweite ist, hat die Einheit nur wenige Sekunden Zeit, diese abzuschiessen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 5. Die ukrainische Marine leistet einen wichtigen Beitrag zur Luftverteidigung der Küste von Odessa. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 5. Der Kommandant hält während der Patrouille auch Ausschau nach Seeminen. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 5. In ruhigen Momenten wartet ein Teil der Besatzung unter Deck. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 5. Solche Patrouillenboote sind gut manövrierbar und mit schweren Maschinengewehren ausgestattet. Bildquelle: SRF.
Die ukrainischen Seestreitkräfte verfügen über eine Flotte schwedischer CB90-Kampfboote, die speziell für schnelle Truppeneinsätze, Küstenschutz und Spezialoperationen entwickelt wurden. Die Boote sind mit schweren Maschinengewehren ausgestattet und gut manövrierbar. Das ist gerade dann notwendig, wenn sie selbst zum Ziel werden – etwa wenn die Marineeinheit von Drohnen verfolgt wird, die mit einer Kamera ausgestattet sind und ferngesteuert werden.
«In solchen Fällen müssen wir den Angriffsbereich so schnell wie möglich verlassen», informiert uns der Kommandant. «Am Besten man begibt sich in Deckung der am Hafen stationierten Feuerkräfte. Von dort können sie das Ziel besser treffen.»
Für die Verteidigung hat die Stadt Odessa eine schwierige Ausgangslage, sagt der Sprecher der ukrainischen Marine Dmytro Pletenchuk. Und zwar aufgrund ihrer Lage am Meer und ihrer geografischen Nähe zur Halbinsel Krim, die Russland seit 2014 völkerrechtswidrig besetzt hält und von der aus das russische Militär Raketen und Drohnen auf die ukrainische Küstenregion abfeuert.
«Die Flugzeit der Raketen ist sehr kurz – anderthalb bis zwei Minuten – und schon ist die Rakete da.» Das bedeute: weniger Frühwarnzeit und ständige Abwehr in letzter Minute. Umso wichtiger sei die Arbeit der Marine und die Nutzung kleinerer Boote, wenn es um die Verteidigung der Hafeninfrastruktur gehe. «Unsere Einheiten sind die ersten, die die vorbeifliegenden Luftgeschosse sehen und bereits auf See reagieren können.»
Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die Häfen von Odessa die Lebensader der ukrainischen Exportwirtschaft sind. Ein Grossteil der Ausfuhren – insbesondere Getreide – läuft über diese Handelsroute. Alternative Wege über die Donau oder per Landverkehr könnten die Seehäfen nur zu einem Bruchteil ersetzen. Das macht die Hafeninfrastruktur zu einem strategischen Angriffsziel von Russland – und Odessa zu einer exponierten Stadt.
Auf dem Schwarzen Meer sieht Marine-Sprecher Pletenchuk allerdings die Ukraine in der stärkeren Position. «Wir können die russischen Kriegsschiffe ganz einfach mit Raketen angreifen. Mittlerweile meidet die russische Flotte grosse Teile des nordwestlichen Schwarzen Meers. Es ist zu gefährlich für sie.»