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Heftiger Beschuss «Drohnen und Raketen kamen in Wellen» – die Nacht in Kiew

Die Ukraine hat eine weitere Nacht mit heftigen russischen Luftangriffen hinter sich. Kiew und andere Orte waren Ziel Hunderter Drohnen und Raketen. Die ukrainischen Behörden sprechen von landesweit mindestens zehn Toten und über 100 Verletzten. SRF-Korrespondentin Judith Huber ist zurzeit in Kiew und sagt, wie sie die letzte Nacht erlebt hat.

Judith Huber

Osteuropa-Korrespondentin

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Vor ihrer Tätigkeit als Osteuropa-Korrespondentin war Judith Huber als Sonderkorrespondentin für die Ukraine und als Auslandredaktorin tätig. Sie war zudem jahrelang Produzentin der Sendung «Echo der Zeit» von Radio SRF. Judith Huber befasst sich seit Jahren mit Osteuropa und Russland und mit anderen Ländern des postsowjetischen Raums. Sie spricht sowohl Russisch als auch Ukrainisch.

Wie haben Sie und die Menschen in Kiew die letzte Nacht überstanden?

Es war beängstigend. Die Drohnen und Raketen kamen wie meistens in mehreren Wellen, und die Explosionen waren sehr laut. Für Menschen, die in ihren Wohnungen ausgeharrt haben, war es schlimm. Allerdings kam dieser Angriff nicht unerwartet. Präsident Selenski hatte explizit davor gewarnt, und deshalb haben mehr Menschen als auch schon Schutz gesucht. Sehr viele haben in den Metrostationen übernachtet. Ohne diese Vorkehrungen hätte es wahrscheinlich noch mehr Tote und Verletzte gegeben.

Stösst die ukrainische Flugabwehr an ihre Grenzen?

Ja und Nein. Nein, weil es die ukrainischen Streitkräfte schaffen, einen sehr grossen Teil der Drohnen und der Marschflugkörper abzufangen. Ja, weil den ukrainischen Streitkräften die Patriot-Systeme ausgehen. Nur mit denen kann man ballistische Raketen abfangen. Russland weiss um diese Notlage und hat wohl genau deshalb heute Nacht so viele ballistische Raketen auf die Ukraine abgeschossen. Der ukrainische Präsident Selenski hat letzte Woche die USA darum gebeten, der Ukraine Patriot-Systeme zu verkaufen oder der Ukraine zumindest zu erlauben, solche selbst zu bauen. 

Wie geht die ukrainische Bevölkerung damit um, dass ein Ende des Krieges nicht absehbar ist?

Es scheint fast paradox: Die Menschen, die in der Ukraine geblieben sind, haben sich darauf eingestellt, dass der Krieg weitergeht. Und sie versuchen, diese Angriffe irgendwie durchzustehen. Gleichzeitig sieht man, dass die Lage an der Front für die Ukraine besser ist als auch schon und dass vor allem die vielen Drohnenangriffe der Ukraine auf russische Logistik und Ölanlagen Wirkung zeigen. Man fühlt sich deshalb weniger ohnmächtig. Das stärkt den Durchhaltewillen. Und ich beobachte, dass sich das militärische und zivile Leben zunehmend vermischen. Es sind immer mehr Soldatinnen zu sehen, und manche Männer, die sich bisher vor dem Militärdienst gedrückt haben, haben ihre Meinung geändert. Sie wollen ihren Beitrag zur Verteidigung leisten, oder sie haben eine Brigade gefunden, die ihnen einigermassen angemessene Bedingungen bietet. Das sind aber Einzelfälle. Die ukrainische Armee hat nach wie vor ein riesiges Personalproblem.

Gibt es noch gelebten Alltag in Kiew?

Von der schrecklichen Nacht ist in dem Stadtteil, in dem ich bin, auf den ersten Blick nichts zu sehen, die Cafés sind geöffnet und die Menschen gehen zur Arbeit. Aber die Ukrainerinnen und Ukrainer sind auch sehr gut darin zu überspielen, wie erschöpft sie sind. Für viele ist das Hierbleiben bereits eine Art Widerstand gegen die russische Invasion. Da gehört es dazu, den Alltag so gut wie möglich zu leben. Und auch Kulturveranstaltungen sind ein Teil davon. Letztes Wochenende fand hier eine grosse Buchmesse statt, mit vielen Lesungen und Konzerten. Die war sehr gut besucht. Bei Alarm wurden die Lesungen in einen Schutzraum im Keller verlegt. Man versucht sich so gut wie möglich zu schützen und zu organisieren, damit so etwas wie Alltag weiterhin stattfinden kann.

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Mehrere Feuerwehrleute bekämpfen ein brennendes Auto in einer städtischen Umgebung.
Legende: Grosse Schäden nach den russischen Angriffen in Kiew. Reuters / State Emergency Service of Ukraine in Kyiv Region

Rendez-vous, 2.6.2026, 12:30 Uhr ; 

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