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Russlands Angriffskrieg Die Ukraine bringt die Besatzer auf der Krim in Bedrängnis

Seit mehr als vier Jahren führt Russland Krieg gegen die Ukraine. An der Front, so scheint es, kommen die Russen kaum voran. Dafür spürt der Aggressor die Folgen seiner Invasion zunehmend im eigenen Land. So attackiert die Ukraine Ölanlagen in Russland und Versorgungswege – etwa auf die besetzte Halbinsel Krim. Dort wird jetzt Benzin knapp. Täuscht der Eindruck, oder greift die Ukraine derzeit verstärkt Ziele auf der Krim an? Ukraine-Korrespondentin Judith Huber ordnet ein.

Judith Huber

Osteuropa-Korrespondentin

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Vor ihrer Tätigkeit als Osteuropa-Korrespondentin war Judith Huber als Sonderkorrespondentin für die Ukraine und als Auslandredaktorin tätig. Sie war zudem jahrelang Produzentin der Sendung «Echo der Zeit» von Radio SRF. Judith Huber befasst sich seit Jahren mit Osteuropa und Russland und mit anderen Ländern des postsowjetischen Raums. Sie spricht sowohl Russisch als auch Ukrainisch.

Greift die Ukraine bewusst Ziele auf der Krim an?

Seit Monaten greift die Ukraine gezielt russische Militärlogistik und Infrastruktur an, die russische Flugabwehr wurde systematisch dezimiert. Besonders intensiv geschieht das derzeit tatsächlich in der besetzten Südukraine. Dort verläuft die wichtige Strasse von Südrussland bis auf die Krim – es ist die Lebensader der russischen Besatzer auf der Halbinsel, neben der Kertsch-Brücke. Die sozialen Medien sind voll mit Aufnahmen von zerstörten russischen Armeefahrzeugen und Tanklastwagen, die die Strasse säumen. Auf gewissen Teilstrecken wurde sogar der Privatverkehr verboten. Gleichzeitig brennt nach wie vor fast jede Nacht eine neue russische Raffinerie oder Ölanlage.

«Krim ist unsicher geworden»

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Der ukrainische Verteidigungsminister hat diese Woche von einer Kampagne gesprochen, die zu einem sogenannten «logistischen Lockdown» führen soll. Damit meint er, dass Russland nicht mehr in der Lage sein soll, seine Truppen auf der Krim und in der besetzten Südukraine zu versorgen. Mit dem Ziel, dass dies die russischen Truppen schwächt.

Die Krim ist unsicher geworden, und das ist auch von grosser symbolischer Bedeutung. Denn die Krim ist ein zentraler Pfeiler in Putins Projekt der Unterwerfung der Ukraine, die Annexion der Krim war sein grösster Triumph. Droht Putin die Krim zu verlieren, dann schadet ihm das auch politisch.

Geraten die Russen an der Front in Bedrängnis?

Tatsächlich hat die Ukraine vielerorts an der Front die Initiative zurückgewonnen. Aber das Bild ist gemischt, an gewissen Orten machen die Russen Geländegewinne. Doch es zeigt sich, dass die Russen einen immer höheren Preis für jeden eroberten Quadratkilometer zahlen. Und, wie gesagt, die Ukraine schafft es, die Versorgungswege im Hinterland anzugreifen. All das zusammen heisst, dass sich das Blatt gewendet hat: Die Zeit spielt nicht mehr so eindeutig für Russland wie bisher. Russland kann nicht einfach weitermachen wie bisher und warten, bis die Ukraine erschöpft ist.

Wie wirkt sich das auf die Stimmung der Bevölkerung aus?

Man ist selbstbewusster als auch schon, vielleicht sogar optimistischer. Allerdings erwartet niemand ein schnelles Ende des Krieges. Man sieht die Schwäche Russlands, aber auf diese reagiert der Kreml mit verstärkten Drohungen, mit verstärkter Aggression: So werden die Angriffe auf die ukrainischen Städte noch brutaler – wie man das letztes Wochenende in Kiew gesehen hat. Ausserdem erweitert der Kreml den Radius der Aggression, so etwa auf Rumänien, da gab es ja diese Woche einen Drohnenangriff auf ein Wohnhaus in der rumänischen Grenzregion. Und Russland droht auch ganz explizit nicht nur den Ukrainern und Ukrainerinnen, sondern auch westlichen Staatsbürgern, die sich in der Ukraine aufhalten, mit Vernichtung.

Wird die Drohung in Kiew ernst genommen?

Ich beobachte, dass sich bei Alarm mehr Menschen in die Schutzräume begeben oder in der Metro übernachten als auch schon. Auch Präsident Selenski hat die Bevölkerung eindringlich gebeten, den Sirenenalarm ernst zu nehmen. Dies auch, weil die Ukraine kaum mehr Patriot-Raketen hat. Nur die amerikanischen Flugabwehr-Systeme können die ballistischen Raketen abfangen, die Moskau abfeuert. Selenski hat die USA dieser Tage eindringlich um neue Patriot-Systeme gebeten. Interessant dabei ist, dass die westlichen Diplomaten trotz der russischen Drohungen in Kiew geblieben sind. Das ist ein deutliches Zeichen, dass man sich nicht vom Kreml erpressen respektive beeindrucken lässt – und es ist ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit der Ukraine.

Echo der Zeit, 31.5.2026, 18 Uhr ; 

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