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«Die Taliban zeigen sich von der Butterseite»
Aus Echo der Zeit vom 16.08.2021.
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Umbruch in Afghanistan «Die Taliban zeigen sich im Moment von der Butterseite»

Die Taliban greifen nach der Macht. In ersten Aussagen zeigen sie sich gemässigt. Ist dieses Verhalten glaubwürdig?

Die Taliban greifen nach der Macht. Mit einem rasanten Vorstoss haben sie Afghanistan zurückerobert. Was heisst das für das Land und die Bevölkerung? Antworten hat der Konfliktforscher Conrad Schetter.

Conrad Schetter

Conrad Schetter

Konfliktforscher

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Conrad Schetter beschäftigt sich mit Fragen zur Interventionspolitik, mit besonderem Fokus auf Afghanistan. Er ist Professor für Friedens- und Konfliktforschung am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie am International Center for Conversion in Bonn.

SRF News: Wie glaubwürdig ist das konziliante Auftreten der Taliban?

Conrad Schetter: Die Taliban zeigen sich im Moment von der Butterseite. Aber sie bemühen sich schon seit ein, zwei Jahren darum, Vertrauen aufzubauen. Schon während der Verhandlungen mit den Amerikanern zeigten die Taliban stark, dass sie zu ihren Punkten stehen. So ist seit der Vereinbarung kein US-amerikanischer Soldat gefallen.

Man will zum Ausdruck bringen, dass man regierungsfähig ist.
Autor:

Immer wieder bestätigen die Taliban, dass sie bereit sind, ihre Verpflichtungen einzuhalten. Sie wollen das Vertrauen der Bevölkerung und noch stärkeres Vertrauen der internationalen Gemeinschaft gewinnen. Man will zum Ausdruck bringen, dass man regierungsfähig ist.

Sind die Taliban regierungsfähig?

Man muss die Taliban wahrscheinlich mal machen lassen, um zu sehen, inwieweit sie überhaupt regieren können. Geht man zurück in die Geschichte, in die 90er-Jahre, war die Herrschaft der Taliban ein Schreckensregime. Die Taliban müssen sich in einer gewissen Weise neu erfinden. Bemühen tun sich die Taliban auf jeden Fall.

Werden die Taliban eine Regierung mit anderen Parteien eingehen?

Eher nicht. Die Taliban sind eine Bewegung, die immer und überall den Alleinanspruch gehabt und neben ihrer Macht keine andere geduldet haben. Ein autoritäres System ist vorgespurt. 

Ein autoritäres System ist vorgespurt.
Autor:

Die Warlords, die regionalen Kriegsfürsten sind auch noch da. Droht ein Bürgerkrieg?

Die Taliban haben in den letzten Wochen unter einer Partei das gesamte Land eingenommen, mit einem geringen Mass an Blutvergiessen. Ich hätte eher damit gerechnet, dass das Land zerfällt, weil es viele starke Kommandeure gibt. Einen militärischen, gewaltsamen Widerstand sehe ich im Moment nicht.

Die Taliban wollen zeigen, dass sie regieren können. Worauf kommt es an, dass sie diese Haltung durchhalten können?

Es kommt stark auf die innere Verfasstheit der Partei an. Die Frage ist, inwieweit die Führung der Taliban ihre Fusssoldaten bei Laune und unter Kontrolle halten kann. Es gibt sehr viele Rivalitäten und Gedanken der Rache. Bisher vermochten die Taliban das unter dem Deckel zu halten. 

Legende: Nach so vielen Jahren Krieg sei nun für viele der Moment, um Rachegedanken auszuleben, so Schetter. Reuters

Sie sagen, die Taliban bestehen aus unterschiedlichen Fraktionen. Sehen Sie eine gemeinsame Strategie?

Darin sehen die Taliban-Forscher immer wieder das grosse Rätsel der Gruppierung. Die Taliban haben es über 25 Jahre geschafft, diese Einheit nach aussen darzustellen. Natürlich hat auch eine Bewegung wie die Taliban gewisse Flügel, aber bisher ist es nie gelungen, diese inneren Kreise der Taliban aufzubrechen.

Was soll der Westen nun tun? Wäre die Aufnahme von Beziehungen der richtige Weg?

Es ist für den Westen eine enorme Kränkung und Darlegung einer der teuersten Interventionen überhaupt, die gescheitert ist. Da fällt es schwer, den Taliban zu signalisieren, dass man mit ihnen kooperiert.

Wichtig ist, dass der Westen Kommunikationskanäle zu den Taliban aufrechterhält.
Autor:

Wichtig ist dennoch, dass der Westen Kommunikationskanäle zu den Taliban aufrechterhält und zeigt, dass man, wenn die Taliban sich an die internationalen Regeln halten, bereit ist, mit ihnen zu sprechen.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Echo der Zeit, 16.08.2021, 18:00 Uhr;

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Gotteskrieger mit Maschinengewehren! Welcher Gott braucht so was?
  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Wenn Aliens die Erde angreifen würden, würden wir vermutlich auch alle zusammen halten und den gemeinsamen Feind bekämpfen. Scheint bei den Taliban ähnlich zu sein.
    1. Antwort von Andi Briner  (RoyalFlush98)
      Im Kino! Aliens, Terrorismus, Pandemien, die Menscheheit überwindet die grössten Übel gemeinsam! Im Kino...
  • Kommentar von Jörg Wombacher  (Dr. Fritz)
    Wieder einmal das übliche USA Bashing in den Kommentaren. Der Truppenabzug ist richtig. Die USA und der Westen haben in diesem Lamd nichts verloren. Genausowenig wie damals die Russen. Es war auch nie das Ziel, nation building zu betreiben, sondern einen Antiterroreinsatz durchzuführen. Und auch der ging in die Hose. Was hätten man mit den Billionen USD für diesen Einsatz nicht alles Sinnvolles anstellen können.