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Ein guter Zeitpunkt, um in den USA eine Gesetzesregelung zu fordern
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.06.2020.
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Umstrittene Gesichtserkennung US-Technologie-Firmen drängen auf ein Gesetz

IBM hat das Geschäft beendet, Google hält sich ganz raus, Amazon verfügt ein Moratorium. Alle wollen endlich Regeln für den Einsatz der Software.

Amazon will seine Gesichtserkennungs-Software ein Jahr lang nicht der Polizei zur Verfügung stellen. Man hoffe, dass der US-Kongress sich in dieser Zeit auf einen regulierenden Rechtsrahmen für die Technologie einigen könne, teilte der Technologiekonzern mit.

Man werde die Software mit dem Namen «Amazon Rekognition» aber weiterhin zum Beispiel für Organisationen verfügbar machen, die nach vermissten Kindern suchen, die Opfer von Menschenhändlern geworden sein könnten, hiess es weiter.

Umstrittene Gesichtserkennung

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Bei der Gesichtserkennung durch Behörden werden zur Identifizierung von Personen Kamerabilder mit Datenbanken abgeglichen. Befürworter entgegnen, dank Gesichtserkennung könnten in vielen Fällen Straftaten schneller aufgeklärt werden. Kritiker warnen vor falschen Identifizierungen und Racial Profiling.

Zuletzt verstärkte sich in den USA die Kritik am breiten Einsatz von Software zur Gesichtserkennung, weil damit eine Überwachung von Menschen und die Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen möglich sei. Einige Städte in den USA wie etwa San Francisco haben den Einsatz solcher Technologien untersagt.

IBM zieht sich zurück, Google machte nie mit

Erst vor wenigen Tagen hatte IBM angekündigt, sich ganz aus dem Geschäft mit Gesichtserkennungs-Software zurückzuziehen. Der Computerkonzern erklärte, er wolle nicht zulassen, dass Technologie für Massenüberwachung, rassistische Diskriminierung oder Menschenrechtsverletzungen verwendet wird.

Bildschirm mit Gesichtserkennungs-Software.
Legende: In China wird Gesichtserkennungs-Software bald standardmässig im öffentlichen Raum eingesetzt. Reuters

Google scheut wegen solcher Bedenken schon seit Jahren davor zurück, Technologie für Gesichtserkennung anzubieten oder öffentlich zugänglich zu machen.

Kritik am System von Amazon

Für Amazon – die Gesichtserkennungs-Technologie wird unter dem Dach der Cloud-Tochter AWS entwickelt – ist das Moratorium eine Kurswende. Bisher verteidigte der Konzern stets den Einsatz von «Amazon Rekognition» bei der Polizei – auch nachdem Forscher nach einer Testreihe kritisiert hatten, dass die Software mehr Fehler bei Gesichtern mit einer anderen Hautfarbe als der weissen mache.

Amazon konterte, bei den Tests seien falsche Methoden angewandt worden, während die Technologie korrekt funktioniere. Zugleich hatte sich Amazon-Chef Jeff Bezos bereits im Herbst für eine Regulierung der Technologie ausgesprochen.

Auch andere Firmen bieten Dienste an

Auch Microsoft fordert seit 2018 ein Gesetz über die Anwendung von Gesichtserkennungs-Software. Zugleich ist der Konzern aber auch ein relevanter Lieferant solcher Systeme.

Ausserdem haben die US-Polizeibehörden weitere Alternativen. So sorgte Anfang des Jahres die Firma Clearview AI für Aufsehen, die einfach eine Datenbank aus Millionen öffentlich zugänglicher Fotos von Online-Diensten zusammentrug und unter anderem Polizeibehörden darauf zugreifen lässt.

Das sagt SRF-Digitalredaktor Jürg Tschirren

Amazon war bisher eine der wenigen grossen Technologiefirmen, die ihre Gesichtserkennungs-Software auch der Polizei verkaufte. So wurde «Rekognition» bereits bei einigen US-Polizeieinheiten getestet. Doch der Einsatz der Software war stets auch innerhalb von Amazon umstritten, vor allem, weil dadurch die Privatsphäre verletzt werden und so Gerichtsklagen drohen könnten. Der Zeitpunkt gerade jetzt ist sicher günstig, um die Forderung nach einer gesetzlichen Regulierung der Technologie ins politische System der USA einzuspeisen.

SRF 4 News aktuell, 08.06.2020, 10:50 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Meier  (Danimeier)
    Handys ohne Frontkamera werden wohl in den nächsten Jahren hoch im Kurs stehen. Hoffentlich liest Huawei mit.
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  • Kommentar von Kurt Looser  (Dremel)
    Den Überwachungsstaat gibt es schon längst bei uns, im Gegensatz zu China gibt man ihn nur nicht zu.
    Es könnten hunderte Snowdens kommen, wir würden es weiter verdrängen, denn es soll doch nicht sein im freien Westen.
    Vor zig Jahren wollte Google die Technik aufschalten, ist dann aber zurückgekrebst. Bei Facebook werden doch Personen auf Fotos erkannt und als Freunde vorgeschlagen, oder bin ich falsch informiert?
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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Ähnlich wie bereits beim Android-Entscheid von Trump, können sich die Chinesen über diese Entwicklung freuen. Dort hat man keine Skrupel, solche Techniken zu entwickeln und auch einzusetzen. Damit werden die Chinesen einen weiteren Know How-Vorsprung entwickeln und werden uns später die Techniken verkaufen können.
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    1. Antwort von Thomas Trefzer  (ttre)
      @ Thomas Leu
      Das gibt es dort (vermutlich ab Stange) schon länger. Es können auch schon anhand des Gesichtsausdrucks Stimmung oder Befinden herausgelesen werden. Der Zug, von wegen "Know-How" ist schon weg. Great again.... (Habe fertig ;-))
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    2. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Zuerst muss die Grundsatzfrage beantwortet werden, OB und/oder WIE wir so eine Technik nutzen wollen oder nicht.

      Wer einen Know How-Vorsprung besitzt und ob wir sie von diesem Anbieter kaufen wollen oder nicht, kann man danach anschauen. Nur mitmischen, weil die anderen sonst einen Entwicklungsvorsprung haben, überspringt die Grundsatzfrage.
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