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Legende: Video Putins Rentenreform: Wenn Arbeitern vor der Pension der Tod droht abspielen. Laufzeit 08:59 Minuten.
Aus Rundschau vom 13.02.2019.
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Umstrittene Rentenreform Russische Arbeiter gegen Putin

Mit der Rentenreform weckt Putin den Volkszorn. Weitum in Russland liegt die Lebenserwartung tiefer als das neue Rentenalter.

Die jahrelange Arbeit in der Fabrik ging an Sergej Bolschakow nicht spurlos vorbei: «Bei uns sagt man: Tut dir der Rücken am Morgen nicht weh, dann weisst du, dass du tot bist.» Sergej arbeitet seit 23 Jahren in einer Autokran-Fabrik in der Stadt Iwanowo, einer russischen Provinzstadt, 300 Kilometer nördlich von Moskau.

Legende: Video Bolschakow: «Mein Alter macht sich jeden Morgen bemerkbar.» abspielen. Laufzeit 00:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.02.2019.

In fünf Jahren hätte der heute 55-Jährige pensioniert werden sollen. Doch mit der Rentenreform, die ab 2019 in Kraft tritt, wird das nun anders sein. Statt fünf muss der Fabrikarbeiter zehn Jahre weiterarbeiten. «Selbst Präsident Putin hat früher gesagt, dass eine Erhöhung des Rentenalters keine Option sei, denn sie bedeutet, dass wir von der Werkbank direkt in den Sarg steigen», sagt der Arbeiter.

Putins Kehrtwende

Nachdem der russische Präsident Wladimir Putin sich vor Jahren gegen eine Rentenerhöhung ausgesprochen hatte, kam es im August 2018 zur Kehrtwende. Bei einer Fernsehansprache sagte er: «Eines ist jetzt klar: Der Staat muss früher oder später das Rentenalter erhöhen.»

Legende: Video Putin: «Jetzt können wir es nicht länger vor uns herschieben.» abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.02.2019.

Die Reform wird nun seit Anfang 2019 schrittweise umgesetzt. Im Laufe der nächsten zehn Jahre wird das Rentenalter für Männer von 60 auf 65 und für Frauen von 55 auf 60 Jahre erhöht. Statistisch gesehen trifft die Reform die russischen Männer besonders.

Im Schnitt sterben in einer Mehrheit aller Regionen Russlands die Männer vor ihrem 65. Geburtstag – auch wenn sich die Zahlen in den vergangenen Jahren vor allem in Moskau und St. Petersburg laufend verbessert haben. In der Stadt Iwanowo liegt die Lebenserwartung für Männer zum Beispiel bei 64 Jahren.

Vor der Rente sterben?

Mit seinem Entscheid hat Putin die Wut vieler auf sich gezogen. 2018 protestierten Tausende in St. Petersburg und Moskau gegen die Reform. Auch Fabrikarbeiter Bolschakow aus Iwanowo war an lokalen Protestaktionen der Gewerkschaft dabei, denn er befürchtet die eigene Rente nicht mehr zu erleben.

Legende: Video Bolschakow: «Ich werde nicht bis zur Rente leben.» abspielen. Laufzeit 00:18 Minuten.
Aus News-Clip vom 13.02.2019.

Wegen der Reform kam es auch zu Protest-Austritten aus Putins Partei «Einiges Russland». Ein Beispiel ist der 36-jährige Alexander Krjutschenkow, der in der Region von Iwanowo als lokaler Sekretär für «Einiges Russland» gearbeitet hat.

Er galt als Nachwuchshoffnung, doch im vergangenen Sommer verkündete er auf Twitter seinen Parteiaustritt. Gegenüber der Rundschau findet er deutliche Worte: «Mein Vater hat Jahrgang 1964 – die Rentenreform trifft ihn mit voller Wucht. Da ich als Parteimitglied nichts dagegen machen konnte, sah ich es als meine moralische Pflicht, die Partei zu verlassen.»

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Peter Auer  (Ural620)
    @Frank Henchler: Im Grundsatz sind alle Ihre Argumente korrekt, doch das wiederum wuerde fuer die regierende Elite zu Moskau erheblichen Machtverlust bedeuten und dies ist natuerlich fuer jene ein absolutes No Go! Eigentlich traurig aber leider die wahre Realitaet zu Lasten der teilweise unterjochten Bevoelkerung!
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Die Bevölkerung Russlands ist arm aber nicht Unterjocht. Es sei denn sie nennen alle Unzufriedenen ( In jedem Staat gibt es solche auch in der Schweiz ) Unterjochte.
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    2. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @Konrad Schläpfer: Bedeutung fuer "unterjochen ": in Schach halten, nicht hochkommen lassen sind doch typische Merkmale der russischen Regierung indem man der Bevoelkerung kein Mitbestimmungsrecht bzw. Selbstbestimmung zugesteht. Auch gut zu erkennen am unterdruecken und im Keime ersticken der Opposition.
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    3. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      Herr Auer, welche Opposition wünschen sie sich als Regierung in Russland? Die Kommunistische Partei der Russischen Föderation" (KPRF), die nationalistische "Liberal-Demokratische Partei Russlands" (LDPR)?
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  • Kommentar von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
    @Hans Peter Auer, sie schiessen ständig gegen die russische Regierung, was ja auch ihr gutes Recht ist. Wenn man ständig etwas oder jemanden kritisiert wäre es doch das mindeste Alternativen aufzeigen zu können was man denn besser machen könnte. Was haben Sie den für konkrete Vorschläge? Was für eine Regierung wäre den gut für das russische Volk? Ich sehe im Moment nur negativere und für uns gefährlichere Varianten als die zur Zeit bestehende.
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    1. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @D.Neuhaus: Es ist falsch, dass ich gegen die russische Regierung schiesse, sondern ich beschreibe lediglich den IST- Zustand. Verbesserung durch die Regierung: Waere m. E. das Volk endlich als muendig anzuerkennen. Dem Volk mehr Mitspracherecht und Selbstbestimmung eingestehen. Hr. Putin bsbw. spricht stets von Demokratie doch im Hintergrund wird diese durch Ihn und sein Team bekaempft (Gouverneurswahlen, Wahlen bspw. der Stadtpraesidenten usw.). Alleine diese beiden Faktoren, waeren Gold wert.
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    2. Antwort von Frank Henchler  (Fränki)
      1. Russland müsste lernen zu akzeptieren, dass die ehemaligen Länder der Sowjetunion nicht mehr zu Russland gehören wollen. 2. es müsste ein Gorbatschow Klon her, der vermitteln konnte und nicht als oberstes Ziel ausgibt, Europa mit allen verfügbaren Mitteln zu schwächen. 3. Ein Präsident der die Probleme im Land angeht (Korruption, Armut, Rückständigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Diskriminierung von Minderheiten, Meinungsfreiheit, mangelnde Bildung).
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    3. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      @Auer, danke für die Antwort."Das Volk endlich als muendig anzuerkennen. Dem Volk mehr Mitspracherecht und Selbstbestimmung eingestehen" Dass wünscht sich das Volk sämtlicher EU Staaten auch, ich persönlich denke in den EU-Länder geht es seit einiger Zeit leider genau in die entgegengesetzte Richtung. @Henchler, Behauptungen aufstellen die sich bei nur wenig Recherche als falsches Narrativ herausstellen? Nicht einmal das Leiden der Russen in der Gorbatschov/Jelzin Ara scheint bekannt zu sein?
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    4. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Frank Henchler, auch ein Gorbatschow müsste gegen die Bedrohung aus dem Westen vorgehen und Aufrüsten. Die NATO hat sich bis an die russische Grenze vorgearbeitet.
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    5. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      @David Neuhaus 17:37: Ich gehe mit Ihrer Ansicht betreffed EU Staaten und fehlendes Mitspracherecht und nur geringe Selbstbestimmung voellig einig. Doch bezieht sich dieser Online - Artikel nun einmal auf Russland und demzufolge kommentiere ich zur und ueber die Situation in Russland, zumal ich seit nun bald 14 Jahren permanent in Russland lebe und taeglich mit den verschiedensten Situationen im Positiven, wie aber auch im Negativen konfrontiert werde und bin. Danke auch Ihnen fuer die Antwort.
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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Vielleicht sollte die russische Regierung nicht ihr Augenmerk auf neue Waffen und kriegerische Aktivitäten setzten sondern sich um seine Bevölkerung kümmern. Aber ja klar, der Westen ist an allem schuld.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Wer hat denn durch die Osterweiterung und die schnelle Aufrüstung in den Oststaaten - sogar mit Raketen ( Abwehr? ) Schirm die Rüstungsspirale wieder in Gang gesetzt??
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    2. Antwort von Frank Henchler  (Fränki)
      Die ehemaligen Staaten der Sowjetunion wollten der NATO beitreten, weil sie sich eigenständig entwickeln wollen. Den Ländern geht es heute um ein vielfaches besser, als zu Sowjet Zeiten.
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    3. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Frank Henchler, Natürlich sind die Oststaaten in die NATO und die EU freiwillig eingetreten. Man hat ihnen ja auch sehr viel Geld geboten, wenn sie mitmachen. Dass sie lieber selbstständige Politik machen würden sieht man deutlich an ihrem Verhalten Brüssel gegenüber. Aber wer zahlt befiehlt halt. Übrigens ist die Bevölkerung gar nicht so Russen feindlich wie man es im Westen gerne hätte.
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