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Japan produziert einen Grossteil seines Stroms mit Kohle
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.03.2021.
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Umstrittener Kohlestrom Japans kleine Schritte in Richtung Energiewende

Die japanische Regierung erwägt, die Unterstützung zum Bau von Kohlekraftwerken in Schwellenländern einzustellen. Das meldete die japanische Wirtschaftszeitung «Nihon Keizei Shimbun». Dies wäre zwar ein erster Schritt, doch von einer eigentlichen Energiewende in Japan könne weiterhin keine Rede sein, meint Journalist und Japan-Kenner Martin Fritz.

Martin Fritz

Martin Fritz

Freier Journalist

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Der Journalist Martin Fritz arbeitete als Radio-Korrespondent für die ARD in Tokio. Als freier Journalist berichtet er auch über Nord- und Südkorea. Vorher war er fünf Jahre lang Südasien-Korrespondent in Neu-Delhi.

SRF News: Was sind die Beweggründe, dass Japan jetzt aus der Förderung von Kohlekraftwerken aussteigen will?

Martin Fritz: Das Land steht wegen seiner Kohle-Politik schon seit Längerem am Klimapranger. Zunächst hatten NGOs dagegen protestiert, inzwischen herrscht auch bei zahlreichen Industrieländern grosses Unverständnis für diese Praxis. Seit Juli 2020 fördert Japan – als Reaktion auf die Kritik – immerhin nur noch Kohlekraftwerke der neusten Generation. Jetzt hat US-Präsident Joe Biden Japans Premierminister Yoshihide Suga als ersten ausländischen Regierungschef ins Weisse Haus eingeladen, ausserdem plant Biden am 22. April einen Online-Klimagipfel.

Japan steht unter Druck zahlreicher Industrieländer.

Japan fühlt sich unter Druck, die USA in ihrer neuen Klimapolitik zu unterstützen. Schliesslich sind die USA Japans einziger Sicherheitspartner. Entsprechend will Japan mehr zur Lösung des weltweiten Klimaproblems beitragen. Da bietet sich als schnelle Lösung die Einstellung der Kohle-Förderung an. Zudem haben auch japanische Privatunternehmen wie Toshiba bereits früher angekündigt, aus dem Kohlekraftwerkbau auszusteigen.

Zeitungsmeldung dürfte stimmen

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Zeitungsmeldung dürfte stimmen
Legende: Japans Prmier Suga muss etwas tun gegen den hohen CO2-Ausstoss seines Landes Reuters

Die japanische Regierung hat die Meldung der Wirtschaftszeitung «Nihon Keizei Shimbun» zwar noch nicht bestätigt. Doch Martin Fritz geht schwer davon aus, dass die Nachricht stimmt. «Die Kritik an Japans Kohlepolitik hört nicht auf, deshalb halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass die Meldung richtig ist», so der in Japan lebende Journalist.

Was würde denn Japan drohen, wenn es weiterhin im Ausland Kohlekraftwerke subventioniert?

Es geht vor allem ums Image. Premier Suga hat im Herbst 2020 erstmals versprochen, dass Japan bis 2050 klimaneutral wirtschaften will und er die Ziele des Pariser Klimaabkommens unterstützt. Da kann er nicht weiterhin Kohlekraftwerke fördern – bloss, um den japanischen Kraftwerkherstellern zu helfen. Kritik an der Förderung kam etwa von Bidens Klima-Beauftragtem John Kerry und dem britischen Premier Boris Johnson, der bald die G7 präsidieren wird.

Wie wichtig ist die Kohleindustrie für Japan heute noch?

Japan fördert seit 20 Jahren keine Kohle mehr im eigenen Land, hat sich aber riesige Kohlevorkommen in anderen Ländern gesichert. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 erzeugen jetzt Kohlekraftwerke rund einen Viertel des Stroms, welchen die 126 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Japans verbrauchen. Ohne Kohle hätte Japan akute Probleme, seinen Energiebedarf zu decken.

In Japan befinden sich mehr als ein Dutzend neuer Kohlekraftwerke im Bau.

Um die Klimaziele zu erreichen, müsste Japan eigentlich von der Kohle wegkommen, doch davon ist bislang nichts zu sehen. Derzeit befinden sich mehr als ein Dutzend neue Kohlekraftwerke in Japan im Bau, mehrere neue Riesenmeiler sind in den letzten Jahren bereits ans Netz gegangen. Dabei kämen nur die allerneusten Techniken zur Anwendung, redet sich die Regierung heraus. Ausserdem plant sie, das ausgestossene Kohlendioxid unter dem Meer zu speichern.

Japan hat derzeit den fünfthöchsten Pro-Kopf-Ausstoss an CO2 aller Länder. Wie schnell macht Japan vorwärts, um das zu ändern?

Von einer Energiewende kann hier keine Rede sein. Tokio setzt voll auf fossile Energie, die Wasserkraft macht bloss zehn Prozent der Energieproduktion aus. Wenn Japan den Worten nicht bald Tagen folgen lässt, wird es seine Klimaziele nicht erreichen.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

Länder mit grösstem CO2 Ausstoss

SRF 4 News aktuell vom 30.3.2021, 06.20 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Japan macht das einzig sinnvolle - es setzt auf moderne Kernkraftwerke der neuesten Generation. Alte KKW werden ausgemustert, bei den neuen Planungen werden speziell die Tsunami- und Erdbebensicherheit mehr berücksichtigt.
    Man lernt aus den Fehlern und verbessert - typisch für Japan.
    1. Antwort von Christoph Rebholz  (Charlie Romeo)
      In Japan sind gerade mal 2 AKW im Bau-mit Baubeginn 2006, Siedewasserreaktoren. Die als neueste Generation zu bezeichnen, ist etwas gar weit hergeholt.
    2. Antwort von Martin Haber  (Martinowitsch)
      @Herrn Frei: Die Schweiz wird früher oder später ebenso verfahren wie Japan, die neuen Reaktorkonzepte evaluieren und die entsprechenden Kraftwerke auch bauen. Spätestens dann, wenn die Windmüllerei im "Grossen Kanton" die Glühbirnen flackern lässt. Dann wird vielen noch ein Lichtlein aufgehen...
    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Effektiv setzt Japan auf "moderne" Kohlekraftwerke. Das ist keineswegs "das einzig sinnvolle". Das einzig Sinnvolle für Japan wäre auf erneuerbare Energie und Effizienz zu setzen.
    4. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      @M. Haber: Es ist mir nur völlig schleierhaft für welchen MArkt in der CH neue AKW'e gebaut werden sollen: Etwa für Italien? Jedenfalls in der CH selbst wird es kaum einen Absatzmarkt geben.
  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Vielen Dank für die Grafik. Sie zeigt den weltweiten - nicht vorhandenen - Einfluss der Schweiz auf die CO2 Emissionen. Selbst wenn wir ab morgen null Emissionen ausstossen, ändert sich nur etwas, wir alle verlieren jede Menge Geld. Besser wären Massnahmen, die uns hier in der Schweiz etwas bringen: Begrünung der Städte, Renaturierungen von Flüssen, wenn man möchte, Beschneiung der Gletscher u.s.w.
    1. Antwort von Thomas Hanhart  (Thomas63)
      Das eine tun, das andere nicht lassen Herr Bucher. Ich denke wir müssen einfach aufhören, ständig irgendetwas zu verbrennen, um an nutzbare Energie zu gelangen. Weil es wird dabei ja nicht nur CO2 in die Luft freigesetzt sondern auch Stickoxyde und jede Menge Feinstaub. Und das belastet ganz direkt unsere lokale Umgebung und unsere Atemwege. Und so viel teurer wird das sauberere Leben nicht, im Gegenteil. Viele werden sogar von den Rückzahlungen aus der CO2-Abgaben profitieren,
    2. Antwort von Patrick Louis  (patricklouis)
      Ja, und wenn Sie die USA auf Gemeindeebene anschauen, dann ist der CO2-Ausstoss jeder einzelnen Gemeinde wahrscheinlich auch verschwindend gering. Man sollte den Hebel überall wo möglich ansetzen; sich damit herauszureden, dass es eh keinen Unterschied macht, gilt nicht. Dann könnten wir überall weitermachen wie immer, weil "ist ja nicht meine Schuld".
    3. Antwort von Markus Hunziker  (MH1)
      CO2 kennt keine Landesgrenzen. Deshalb ist es wichtig, dass jeder Mensch auf seinen CO2 Ausstoss achtet. Egal in welchem Land er lebt oder wie gross dass das Land ist. @SRF: wenn wir Werte vergleichen wollen, dann ist der Pro-Kopf-Ausstoss interessant. Die Grafik mit dem absoluten Ausstoss ist absolut nichtssagend!
    4. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Aktive Waldbewirtschaftung in CH mit ständiger Verjüngung, damit Baumwuchs sich nicht gegenseitig behindert, aktive Aufforstung von Brachflächen, alles andere als heutiges moderne "Natur-romantische" Nichtstun. CH-Wald speichert pro hektare rund 10t CO2, allein mit Sonnenenergie, um Grössenordungnen effizienter als jegliche Versuche, mit massivem Aufwand CO2 in Boden zu pumpen versuchen . Bedeutete aber, CO2 Abgaben direkt an Waldbesitzer zu geben, und nicht über NGOs Ausland zu schenken.
    5. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Es gibt keinen Grund anzunehmen dass wir in der CH wirtschaftlich Schaden nehmen wenn wir das Richtige tun. Im Gegenteil, Durch den massiven Ausbau erneuerbarer Energiequellen sparen wir beim Import von fossilen Energieträgern eine Menge Geld.