Zum Inhalt springen

Header

Audio
Der Umsturz in Mali könnte mehr Unsicherheit in die Sahelzone bringen
Aus SRF 4 News aktuell vom 19.08.2020.
abspielen. Laufzeit 05:23 Minuten.
Inhalt

Umsturz im afrikanischen Staat Was wir über den Militärputsch in Mali wissen – und was nicht

Malis Präsident Keïta hat seinen Rücktritt erklärt. Zuvor hatten Teile der Armee ihn und den Premier festgenommen.

Das ist passiert: Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keïta ist nach einem Putschversuch des Militärs zurückgetreten. Seinen Rücktritt verkündete er um Mitternacht in einer live im Staatsfernsehen ausgestrahlten Ansprache. «Ich habe mich entschieden, meinen Posten zu verlassen», sagte er. Stunden zuvor hatten Soldaten Keïta und Mitglieder seiner Regierung festgenommen.

Von Meuterei zu Putsch: Lange hat man von einer Meuterei gesprochen, weil auf den Videos vom Dienstag nur einzelne Militärfahrzeuge in der Hauptstadt Bamako zu sehen waren. «Das sah zunächst nicht nach einem grossen Aufstand aus», sagt SRF-Korrespondent Samuel Burri. Weil der Eingriff des Militärs aber dazu geführt hat, dass der Präsident seinen Rücktritt erklärt hat, könne man nun von einem Putsch sprechen.

Opposition seit Juni auf den Strassen: «Es war wohl die letzte Möglichkeit, um Präsident Keïta abzusetzen», schätzt Burri. Seit zwei Monaten gab es regelmässig Demonstrationen der Opposition gegen die Wahlresultate vom März. Die Opposition kritisiert, dass die Parlamentswahl manipuliert worden sei und wirft dem Präsidenten Korruption vor.

Zudem habe Keïta das Land nicht im Griff: Den Menschen gehe es wirtschaftlich nicht gut und die Sicherheitslage sei schlecht, so die Opposition. Vermittlungsversuche durch die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft schlugen fehl. «Die Opposition forderte den Abgang des Präsidenten – und nun hat die Stimmung im Land dazu beigetragen, dass die Militärs Keïta abgesetzt haben.»

So reagiert das Ausland: Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft, die Afrikanische Union, die EU und die UNO verurteilen den Putsch. Das sei nicht erstaunlich, sagt der Korrespondent: «Man darf nicht vergessen: Frankreich ist in Mali mit Truppen präsent, die EU ebenfalls, zudem gibt es eine UNO-Mission – sie alle haben mit der Regierung zusammengearbeitet.» Mit dem Putsch seien auch sie gewissermassen gescheitert und wüssten nun nicht, an wen sie sich wenden sollen. «Die internationale Gemeinschaft hat immer ein Interesse an Stabilität und nicht an einem gewaltsamen Machtwechsel», so Burri.

Peacekeeper in Mali
Legende: Die UNO hat rund 15'000 «Peacekeeper» in Mali stationiert, Frankreich ist mit 5000 Mann präsent. Keystone

So geht es nach dem Putsch weiter: Die Militärs haben auf dem staatlichen Fernsehsender ein Übergangskomitee angekündigt. Dann soll ein ziviler Machtwechsel stattfinden. «Im Detail weiss man aber noch nicht, wie es weitergeht», sagt Burri.

Folgen des Putschs für die Region: «Solche gewalttätigen Umstürze bringen kurzfristig einerseits Hoffnung, aber oft auch mehr Instabilität», so der Korrespondent. In Mali kommt es immer wieder zu Überfällen von bewaffneten Banden. Der Umsturz sei kein gutes Signal, weil es möglicherweise mehr Unsicherheit bringe, sagt Burri. «Und das nicht nur für Mali, sondern für die gesamte Sahelzone, die von solchen Terrorangriffen betroffen ist.» Der international unterstützte Kampf gegen den Terror sei ein Katz-und-Maus-Spiel ohne wirklichen Erfolg. «Die Unsicherheit in der Region hat in den letzten Jahren laufend zugenommen. Das wird sich durch den Putsch in Mali sicher nicht gleich ändern.»

Video
Meuterei in Mali
Aus Newsflash vom 18.08.2020.
abspielen

SRF 4 News, 19.8.2020, 6.40 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Eigentlich wäre der Auftrag der Armee Malis, die Terrorbanden des IS aufzustöbern und zu bekämpfen. Stattdessen leistet man sich den Luxus, die Regierung zu stürzen und Unruhe zu stiften. Das ist schon unsäglich, v.a. für die Zivilbevölkerung. Wie will man da in Ruhe etwas zukunftsträchtiges aufbauen? Da verstehe ich die Flüchtling, die lieber in einem Boot übers Mittelmeer nach Europa fliehen.
  • Kommentar von Andrea-Michael Vecchio  (A-M.V.)
    «Die internationale Gemeinschaft hat immer ein Interesse an Stabilität und nicht an einem gewaltsamen Machtwechsel»

    Ich sage nur ein Wort: Syrien

    Ich hoffe dass der Machtwechsel nicht noch mehr Unglück bringt. Militärregierungen sind leider nicht bekannt für Frieden und Gerechtigkeit.
  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Mali ist nur ein Beispiel von vielen in Afrika. Seit diese Länder langsam "unabhängig" werden, werden sie von ehemaligen Kolonialmächten oder deren Feinden in in Abhängigkeit gehalten. Es geht um Ausbeutung, um Ausbeutung, um A... Dabei scheint es billiger zu sein, "Rebellen" und Diktatoren zu unterstützen, als Länder nachhaltig zu fördern. Clan-Strukturen unterstützen dabei diese skrupellosen Strategien. Die meisten Entwicklungshilfen dienten als Show für die 1. Welt und deren Bewohner.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Christian Szabo: Das ist jetzt eine sehr pauschale Analyse, die uns auch nicht weiterbringt. Von wem werden denn die Islamisten in Mali unterstützt? Diese haben Chaos und Leid ins Land gebracht und werden vor allem von der französischen Armee bekämpft.