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Universitäten in Afghanistan Taliban verkünden geschlechtergetrennten Unterricht

  • An Afghanistans Universitäten wird es nach einer Ankündigung der neuen Taliban-Machthaber künftig nur noch getrennten Unterricht für Frauen und Männer geben.
  • Frauen sollten wo immer möglich auch von Frauen unterrichtet werden.
  • Die militant-islamistischen Taliban hatten Mitte August in Afghanistan wieder die Macht übernommen.
Audio
Aus dem Archiv: Ein Ministerium gegen die Laster in Afghanistan
04:23 min, aus Echo der Zeit vom 10.09.2021.
abspielen. Laufzeit 04:23 Minuten.

Der neue Hochschulminister Abdul Baki Hakkani kündigte an, Frauen dürften auch unter der Herrschaft der Taliban studieren, sie sollten aber streng voneinander getrennt unterrichtet werden.

«Die Koedukation steht im Widerspruch zu den Grundsätzen des Islam sowie zu den nationalen Werten, Sitten und Gebräuchen», sagte Hakkani in Kabul. Auch auf den Geländen der Universitäten solle es künftig eine Trennung nach Geschlechtern geben. Falls dies nicht möglich sei, sollen Hochschulen zunächst abwechselnde Unterrichtszeiten einrichten oder eine Trennung in den Klassenräumen sicherstellen.

Legende: Unterricht nach neuen Regeln: Ein Bild aus der Avicenna University in Kabul vom 6. September 2021. (Social-Media-Bild) Reuters

Für Studentinnen wollen die Taliban Dozentinnen einstellen – aber auch Männer sollen Frauen unterrichten dürfen, solange der Unterricht nach den Regeln der Scharia erfolgt. Dazu zählten auch islamische Kleidungsvorschriften, so der Minister. Ob Frauen Kopftücher oder Gesichtsbedeckungen tragen müssen, liess er offen.

Minister: Wollen Uhren nicht um 20 Jahre zurückdrehen

In Afghanistan hatten die Islamisten bereits während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 mit einer extrem strikten Auslegung des islamischen Rechts regiert. Frauen und Mädchen hatten damals kaum Rechte. 20 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September sind die Taliban nun wieder an der Macht, nachdem sie das Land innerhalb weniger Wochen erobert hatten.

Eine zentrale Frage nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan ist, wie es die radikalislamische neue Führung mit den Rechten und insbesondere der Bildung von Mädchen und Frauen hält. Der Minister betonte, die neue Regierung werde das «Land aufbauen auf Grundlage dessen, was heute existiert». Sie wolle nicht die Uhren um 20 Jahre zurückdrehen in eine Zeit, in der die Taliban früher einmal Afghanistan regierten. Damals durften Frauen dort grösstenteils nicht studieren und nicht ausserhalb von Zuhause arbeiten.

Echo der Zeit vom 10.09.2021, 18 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Keine finanzielle Unterstützung und Anerkennung für die Taliban!
    Nur Nothilfen für die leidende Bevölkerung. Wenn die Taliban weiterhin ihre Unfähigkeit beweisen, wird der Widerstand in der Bevölkerung zunehmen und sie wird früher oder später revoltieren. Zwar unter Opfern, aber der Reformwille muss von innen kommen.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Karl Kirchhoff: Wie bringen Sie die Nothilfe im grossen Stil an die Bevölkerung? Ohne die Kooperation mit den verhassten Taliban läuft dort zur Zeit gar nichts mehr.
    2. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @ leu. Richtig, ohne Kooperation mit den Taliban geht’s nicht. Entweder die beweisen, dass die Hilfe dorthin kommt wo sie benötigt wird (zum Beispiel durch westliche Beobachter, die die Auslieferung begleiten), oder es gibt nichts.
  • Kommentar von Mirjam Hoss  (Snipsnapper)
    "Der Minister betonte, die neue Regierung werde das «Land aufbauen auf Grundlage dessen, was heute existiert»."

    Betont der Minister - während die Regierung, wie dieser Artikel zeigt, bereits fleissig am Zurückdrehen der Uhr ist. Zurück ins 7. Jahrhundert, zum Ursprung der Scharia, welche die Taliban zur Rechtsgrundlage ihres Gesellschaftsmodells erklärt hat.

    Mir tut die Bevölkerung unendlich leid.
  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    Als Kind im Tessin in der Kirche, da gab es damals auch das Hauptkirchenschiff für die Frauen und Kinder, und die Männer sassen in einem Seitenflügel von wo man die Frauen nicht sehen konnt. - Keine Ablenkung !
    Noch gar nicht so lange her ...
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Peter Belmi: Das war auch in der katholischen Innerschweiz und überall so. Aber die Schulklassen waren schon immer gemischt und heute ist es nicht mehr so und niemand kommt auch nur auf die Idee, wieder dorthin zurückzukehren.