Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Cambridge sorgt sich wegen Brexit abspielen. Laufzeit 05:25 Minuten.
05:25 min, aus Echo der Zeit vom 05.04.2019.
Inhalt

Universitäten und der Brexit Cambridge fürchtet um seinen Ruf

Noch gehört Cambridge zu den zehn besten Universitäten der Welt. Viele befürchten, dass sich das nach dem Brexit ändert.

In einem alten Lift mit Gittertüren geht's ins Untergeschoss des Zoologischen Instituts, mitten in der Altstadt von Cambridge. Matthias Landgraf sitzt an einem Mikroskop und seziert Fliegeneier. Der Deutsche ist Dozent für Neurobiologie an der Universität Cambridge. Er forscht, wie sich im Embryo Nervensysteme bilden.

Landgraf arbeitet präzise und wirkt ruhig. Das sei in letzter Zeit nicht immer so gewesen, sagt er. Das Ja zum Brexit habe ihn mitgenommen. «Ich bin in gleichen Massen verärgert und deprimiert. Es ist in den ersten zwei Jahren nach der Abstimmung keine Woche vergangen, in der ich nicht darüber geheult habe.»

Matthias Landgraf am Mikroskop
Legende: Nach dem Ja zum Brexit hat sich der Neurobiologe Matthias Landgraf ernsthaft überlegt, Grossbritannien zu verlassen. Christoph Kellenberger/SRF

Der Brexit mache alles kaputt, was Grossbritannien ausgemacht habe, findet Landgraf. Das Land habe in den 30 Jahren, in denen er hier lebe, einen phänomenalen Aufschwung erlebt, habe sich stark geöffnet, Europa und der Welt gegenüber.

Davon habe auch die Universität Cambridge profitiert: Dank Forschungsgeldern aus EU-Töpfen sei in den letzten Jahren langfristige Forschung möglich gewesen – das Geld aus britischen Kassen reiche nur für kurzfristige Projekte.

Wenn wir reaktionär in die Vergangenheit zurückgehen, ist das kein Land, in dem ich alt werden möchte.
Autor: Matthias LandgrafNeurobiologe an der Universität Cambridge

Was also, wenn die Gelder aus der EU nach dem Brexit nicht mehr fliessen? Ein Drittel der Forschungsgelder in Landgrafs Institut kommen aus der EU-Kasse. «Fällt das weg, sieht es ganz übel aus. Das wird sich auf die ganze britische Forschungslandschaft auswirken», so der Neurobiologe. Schon jetzt hätten wegen der Unsicherheiten rund um den Brexit Professoren aus EU-Ländern die Uni verlassen. Und andere wollten nicht mehr kommen – trotz lukrativer Angebote.

Landgraf habe sich auch schon ernsthaft überlegt, Grossbritannien zu verlassen. Der Brexit habe das Land zum Schlechteren verändert: «Ich schaue in die Zukunft und frage mich: Was für eine Gesellschaft bauen wir hier auf? Die Ausländerfeindlichkeit ist in schockierendem Masse gewachsen. Wenn wir reaktionär in die Vergangenheit zurückgehen, ist das kein Land, in dem ich alt werden möchte.»

Innenhof der Cambridge University
Legende: Die Universität Cambridge ist stark vom Ausland abhängig: 20 Prozent der Angestellten und 25 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland. Ein Achtel der Einnahmen stammt aus der EU. Christoph Kellenberger/SRF

Catherine Barnard ist Vorsteherin des Trinity College mit rund 1000 Studentinnen und Studenten und rund 160 Lehrenden. Sie hat viel zu tun – und kommt sofort auf den Punkt: Die Zeit nach dem Brexit gebe ihr zu denken. Sie mache sich grosse Sorgen, dass Cambridge Mühe haben werde, weiterhin ausgezeichnete Studenten und Professoren aus EU-Ländern anzuziehen.

Studiengebühren in den Sternen

Sie könnten den Studenten wegen des Brexit ja gar nicht sagen, wieviel Studiengebühren sie in Zukunft zahlen müssten – und das sei ein zentraler Punkt, wenn Studenten eine Universität im Ausland auswählten. «Es macht ja auch einen grossen Unterschied, ob eine Studentin 9000 oder 20'000 Pfund Studiengebühren pro Jahr bezahlen muss.» Sie müssten darum in Zukunft wohl auch versuchen, noch mehr Gelder von Privaten zu beschaffen, sagt Barnard.

Vor dem Haupteingang stehen Touristen – Sie machen Fotos und Videos. Auf diesen wird das Trinity College aussehen wie immer. Hinter der Fassade aber deuten sich Entwicklungen an, die die Universität Cambridge stark verändern könnten.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

51 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Kann mich ja täuschen, aber soviel ich weiss, haben sich die engl. Universitäten ihren guten Ruf erarbeitet, da lag die EU noch nicht mal in den Windeln. Ergo kam von dort auch kein Steuergeld. Im Gegenteil, Europa hat massiv von diesen Unis profitiert.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      Ja Herr Brauchli, früher war alles besser, auch wenn es das früher nicht mehr gibt und sich die Zeiten unaufhörlich ändern. Ich gehe lieber vorwärts als rückwärts.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Die Welt ist in den letzten 30-40 Jahren ein Dorf geworden. Die besten Köpfe an die besten Unis! Sehen Sie mal wieviele 'Ausländer' an den ETHs und Schweizer Unis sind. Zum Glück gibt es Horizon und das Bologniaabkommen, den nur so können Lösungen, für Europa und die Welt im weiteren Sinne, gefunden werden! Ich Frage mich ob all die ewig Gestrigen und Nationalisten einfach überfordert, frustriert sind oder prinzipiell Chaos verursachen wollen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Andreas Müller (Hugh Everett)
      Das Bologna Abkommen hat in erster Line das Studium um ein Jahr verlängert und ein fragwürdiges System mit Kreditpunkten eingeführt. So kann ich heute jedem Mumpitz als Kreditpunkt anrechnen lassen, der ein Studium absolut irrelevant ist. Die Resultate lassen können sich sehen lassen. Ich habe selber ganze Hundertschaften von Studenten in Praktika (Chemie) betreut. Nicht wenige von ihnen sind nicht mehr in der Lage einen Graphen mit Excel zu zeichnen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Andreas Müller (Hugh Everett)
      Die Situation eskalierte bei den Vordiplomprüfungen. Ich kann mich gut erinnern als der Prüfungsleiter sagte, entweder falle fast der ganze Jahrgang kollektiv durch diese Prüfung oder das Noten Niveau werde nach unten korrigiert, nur um noch Studenten in den höheren Semestern zu haben. Bologna sei Dank. Beim Niveau das wir ewig Gestrigen abliefen mussten, können diese Studenten schlicht nicht mithalten und diese Leute werden Morgen und Übermorgen Dozenten sein....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von S. Borel (Vidocq)
    Du liebe Zeit... hauptsache EU Bashing... den meisten Kommentatoren geht es einmal mehr nicht um die Sache... gebt Euch doch wenigstens die Mühe den Artikel ZUERST ZU LESEN... damit Ihr wenigstens wisst um was es geht...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen