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UNO-Bericht zur Rohingya «Die Ermittler sehen Anzeichen von Völkermord»

Legende: Audio Rohingya: Welchen Einfluss hat die Uno? abspielen. Laufzeit 05:32 Minuten.
05:32 min, aus Echo der Zeit vom 27.08.2018.

In Burma gibt es Anzeichen für einen Völkermord an der muslimischen Minderheit der Rohingya. Dies steht in einem Bericht von unabhängigen Ermittlern im Aufrtag des UNO-Menschenrechtsrats. Es geht um Morde, Folter, Gewalt gegen Kinder, Massenvergewaltigungen und Versklavung, wie Korrespondentin Karin Wenger berichtet.

Karin Wenger

Karin Wenger

Südostasien-Korrespondentin, SRF

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Karin Wenger ist seit Frühling 2016 Südostasien-Korrespondentin von SRF in Bangkok. Sie berichtet über Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Burma, Vietnam und weitere südostasiatische Länder. Wenger lebte zuvor sechs Jahre lang in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Früher berichtete sie als freie Journalistin aus dem Nahen Osten.

SRF News: Burma rechtfertigte sich immer mit Terrorbekämpfung und Angriffen von Rohingya-Rebellen. Was sagt der UNO-Bericht?

Karin Wenger: Laut Bericht der UNO hat die burmesische Armee bei ihrer Reaktion unverhältnismässige Gewalt ausgeübt. Ebenso sei die muslimische Minderheit der Rohingya seit Jahrzehnten diskriminiert worden. Das Hauptproblem dabei ist, dass sie bis heute nicht als Staatsbürger anerkannt werden.

Sie wurden zudem nach Gewaltwellen in Lager eingesperrt. Der Bericht spricht zugleich von einer geplanten Vertreibung. Selbst der Chef der burmesischen Armee hatte bereits früher von einer «Säuberungsaktion» gesprochen. Das «bengalische Problem» müsse für immer gelöst werden.

Gibt die Armee also zu, dass eine systematische Vertreibung geplant war?

Das kann so interpretiert werden. Die von der UNO-Kommission zusammengetragenen Beweise gehen jedoch sehr viel weiter. Die Kommission spricht von ganz klaren Anzeichen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und von Kriegsverbrechen und dass die Armee die «Absicht von Völkermord» gehabt habe.

Können die Rohingya unter diesen Umständen je zurück nach Burma?

Das bezweifle ich sehr. Das Ziel der Generäle war, die Rohingya für immer aus dem Land zu vertreiben. Zwar gibt es jetzt ein Abkommen zwischen Burma und Bangladesch, um Rohingya zurückzuführen. Dieses ist aber meines Erachtens nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben worden ist.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Flüchtlinge auf viele Jahre in diesen Lagern im mausarmen Bangladesch bleiben.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Flüchtlinge auf viele Jahre in diesen Lagern im mausarmen Bangladesch bleiben. Eine andere Möglichkeit wäre, sie in andere Länder umzusiedeln. Doch man kann sich vorstellen, welchen Widerstand eine solche Lösung im Westen auslösen würde.

Können die Vereinten Nationen oder allgemein die internationale Gemeinschaft jetzt Einfluss nehmen?

Das Problem ist, dass die UNO blockiert ist. China als alter Alliierter von Burma hat immer betont, man werde sofort ein Veto einlegen, falls der UNO-Sicherheitsrat beispielsweise Sanktionen beschliessen würde.

Die westlichen Länder ihrerseits erscheinen in vielem orientierungslos. Sie hofften jahrzehntelang auf eine demokratische Öffnung in Burma. Doch der UNO-Bericht sagt ganz deutlich, dass die stille Diplomatie nichts gefruchtet habe. Der Bericht spricht von Völkermord.

Wie wahrscheinlich ist es, dass es zu einem Völkermord-Tribunal kommt, wie das jetzt vorgeschlagen wird?

Die Kommission fordert, dass die Täterschaft zur Rechenschaft gezogen wird – durch eine Klage gegen Burma vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag oder durch die Einrichtung eines Sondertribunals. Aber beides stösst natürlich bei Burma auf heftigen Widerstand.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

Legende: Video UNO wirft Burma Völkermord vor abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.08.2018.
Legende: Video Völkermord vor Internationalem Strafgerichtshof abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 27.08.2018.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Wieder wird verschwiegen, dass die letzte Vertreibung der Rohingyas von radikalen muslimischen Kreisen (Afgh. Sicherheitschef und der Anführer der Salv. Armee) ausgelöst worden ist. Unter deren Führung sind burmesische Einrichtungen angegriffen und zerstört worden. Der Friedensplan des verstorbenen Kofi Annan ist von den beiden sabotiert worden !
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  • Kommentar von Erich Singer (liliput)
    Wo ist eigentlich die einst so gefeierte Friedensnobelpreis- Trägerin San Suu Kyi? Ist sie so unter der Fuchtel der Militärs und hat oder getraut sich nichts mehr zu sagen weil sie befürchten muss wieder unter Hausarrest gestellt zu werden. Schade um diese einst so mutige Frau!!
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Wundert mich überhaupt nicht. Europäer verstehen Indochina nicht. Selbst ich habe Mühe die Dinge da zu verstehen und kenne Indochina nun schon sehr lange, mehr als nur 10 Jahre und kann nicht behaupten, Indochina wirklich verstehen zu können. - In Indochina wird man mit "europäischer Gesinnungs-Optik" auch nichts erreichen können. Mir scheint, dieser Bericht ist von jemanden, der kaum länger in Indochina gelebt hat, geschrieben worden. Was da verlangt wird, wird hier anders verstanden.
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