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International UNO-Klimakonferenz beschliesst Fahrplan: Trump unter Beschuss

Am Ende waren viele Konferenzteilnehmer erleichtert. Das UNO-Klimatreffen in Marrakesch konnte den lang ersehnten Durchbruch vermelden. Der Fahrplan zur Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris ist unter Dach und Fach. Aber keineswegs alle Probleme vom Tisch.

Legende: Video Klimagipfel endet ohne wichtige Beschlüsse abspielen. Laufzeit 01:32 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.11.2016.

Bei der Klimakonferenz in Marrakesch haben die Delegierten am späten Freitagabend einen Fahrplan zur Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris beschlossen. Die Teilnehmerstaaten verpflichten sich, 2017 ihre Fortschritte beim Klimaschutz zu «überprüfen».

Aktivisten unzufrieden

Im Mittelpunkt der knapp zweiwöchigen Gespräche in Marokko stand die Ausgestaltung des Pariser Klimaschutzabkommens. Dazu zählten auch Finanzhilfen reicher Staaten für die Bewältigung des Klimawandels in armen Ländern. Die Weltgemeinschaft hatte sich in der französischen Hauptstadt im Dezember 2015 darauf verständigt, die Erderwärmung auf ein beherrschbares Mass von deutlich unter zwei Grad und möglichst unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Die bisher vorliegenden nationalen Zusagen zur Verringerung des Treibhausgasausstosses reichen dazu allerdings bei weitem nicht aus. Aktivisten beklagten nach Abschluss der Konferenz, dass die Regierungen keine klaren und konkreten Zusagen für eine Erhöhung der finanziellen Mittel im Kampf gegen den Klimawandel gemacht worden seien. Das Abkommen beinhalte weit mehr als die Reduktion des CO2-Ausstosses. Es gehe auch um Finanzierung und Technologie zur Unterstützung der Anstrengungen.

Trump: «Erfindung der Chinesen»

Überschattet wurden die Verhandlungen vom Wahlsieg des Republikaners Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl in der vergangenen Woche. Trump hatte im Wahlkampf gesagt, er werde als US-Präsident das Pariser Klimaschutzabkommen aufkündigen. Die Klimaerwärmung nannte er in einer Twitter-Mitteilung einen «Scherz», bei anderer Gelegenheit bezeichnete er sie als Erfindung der Chinesen.

Der Vorsitzende der Konferenz in Marrakesch, Salaheddine Mezouar, hatte Trump am letzten Verhandlungstag zu «Pragmatismus» in der Klimapolitik aufgefordert. Die internationale Gemeinschaft stehe in einem «grossen Kampf für die Zukunft unseres Planeten», sagte der marokkanische Aussenminister. Es gehe dabei um «die Würde von Abermillionen Menschen». Die Botschaft der Konferenz an Trump laute: «Wir zählen auf Ihren Pragmatismus und Ihren Geist der Verpflichtung.»

Zwiespältige Bilanz der Schweiz

«Das vorgelegte Tempo war langsam», hielt auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in einer Mitteilung zum Abschluss der Konferenz fest.

Die Schweizer Delegation zog eine zwiespältige Bilanz. Bei den Verhandlungen in Marrakesch sollte unter anderem ein Regelwerk aufgegleist werden, mit dem Fortschritte einzelner Länder im Bereich der Klimapolitik gemessen und überprüft werden können. Doch nicht alle Länder würden dieselben Prioritäten verfolgen. Das gelte sowohl für die Ziele in den einzelnen Bereichen als auch für die Geschwindigkeit der Lösungsfindung.

Bereits zuvor hatte die Delegation bedauert, dass Länder wie China, Indien und Saudi-Arabien versuchten, bei der Reduktion von Treibhausgasen wieder wie vor der Pariser Konferenz an unterschiedlichen Verpflichtungen der Industrie- und der Entwicklungs- beziehungsweise Schwellenländern festzuhalten.

Erfolge aus Bundesberner Sicht

Die Schweizer Delegation listet auch Teilerfolge auf. So seien die nächsten Schritte der Verhandlungsstränge aufgegleist. 2018 sollen die Verhandlungen zum Regelwerk «Paris Rules Books» abgeschlossen sein. Positiv sei zudem die «Roadmap» der Geberländer, die ab 2020 jährlich 100 Mrd. Dollar zur Unterstützung der Klimapolitik in den Entwicklungsländern bereitstellen wollen.

Schliesslich würdigte die Delegation den «Climat Action Day», der «das grosse Engagement nichtstaatlicher Akteure» sichtbar mache.

Nächster Gipfel in Bonn

Das UNO-Klimaabkommen war am 4. November in Kraft getreten und wurde inzwischen von 110 Staaten ratifiziert, darunter die grössten Treibhausgas-Verursacher USA und China. Da das Abkommen inzwischen in Kraft ist, wäre eine nachträgliche Annullierung des US-Beitritts ein kompliziertes und langwieriges Manöver.

Die nächste Klimakonferenz wird 2017 von den Fidschi-Inseln ausgerichtet. Da sich das Pazifik-Archipel jedoch ausserstande sieht, die zu erwartenden 15'000 bis 20'000 Teilnehmer auf seinem Territorium an einem einzigen Ort zu versammeln, wird die Konferenz aus logistischen Gründen in Bonn stattfinden.

Zentrale Ergebnisse

Das zweiwöchige Mammut-Treffen in Marrakesch hat eine Vielzahl von Resultaten hervorgebracht. Hier eine kurze Zusammenfassung. Die offizielle Internetseite der Konferenz finden Sie hier.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Ich finde es bedauerlich, dass Trump (vor den Wahlen) das Klimaproblem anscheinend ignoriert hat. Aber nun einfach mit dem Finger auf Trump zu zeigen, ist nicht lösungsorientiert. Jedes Land, zumindest die Industrieländer, haben hier mehr Mitverantwortung zu tragen. Hierzulande hört man oft die Ausrede, die andern sollen doch mal etwas tun. Aber Klima- und Umweltschutz beginnt schon vor der eigenen Haustür. Wenn einem die Natur am Herzen liegt, so ist materieller Opportunismus fehl am Platz.
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    1. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Sie haben recht, Natur- und Umweltschutz beginnt vor der eigenen Haustür. Angenommen Trump könnte sich in Sachen Globalisierung und Kriegstreiberei wie angekündigt tatsächlich zurückzuhalten, glauben Sie nicht auch, er hätte damit die Klimamassnahmen anderer Länder längst wettgemacht, zumal die ja mit oder ohne Abkommen eh nichts umsetzen? Kriege, Freihandel und sonstige Verflechtungen, Luft- Wasser- und Strassenverkehr richten gesamthaft enorme Schäden an.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Trump passt hinten und voere nicht ins Bild aller gängigen Wertvorstellungen - er gehört nicht zum Machtzirkel, der die Medienlandschaft kontrolliert. Deshalb wird er entsprechend "behandelt". Dazu gehören hingegen die Saudis, Katar, Bahrain, dazu gehören ebenso Merkel, Obama, Bush Jr und Sen, die Clintons, die Zentralbanken, die neue, noch korruptere Regierung in Brasilien, die grossen Konzerne, etc. Das sind eben die Guten.
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    1. Antwort von Tom Meier (T. M.)
      So ein Blödsinn. Wenn sie wüssten, mit wem Trump alles Geschäfte macht. Oder verschliessen sie davor einfach die Augen?
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Die Guten sind diejenigen, die auf die menschengemachte Umweltbelastung aufmerksam machen und warnen. Ihr Trump gehört definitiv nicht dazu.
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    3. Antwort von Sandro Tanner (Sandro)
      Ja genau, eine riesen Verschwörung gegen uns armen Bürger. Aber zum Glück haben wir Leute wie Sie, die immer den Durchblick haben und sofort die Bösen erkennen. Dank diesem Machtzirkel geht es und so schlecht, dass wir den ganzen Tag Zeit haben Onlinekommentare zu schreiben und argumentlos so einleuchtende Behauptungen zu posten. Wieso passt Rassismus, Sexismus, Abschottung, Hassparolen und Diskriminierung nicht in eine (jedenfalls teils) aufgeschlossene, humanistische und globalisierte Welt?
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Ich möchte um keinen Preis in der Haut des Donald Trump stecken! Alles und jedes politische Geschäft wird jetzt in den Medien als negative Arbeit kritisiert und schlecht gemacht! Der neu gewählte Präsident wird nun (bis zu seinem Rücktritt) tagtäglich "in die Pfanne gehauen"! Nichts macht er richtig und zukunftsgerecht! Alles wird von seiner "Hasser-Gilde" und deren Wasserträger zum vornherein als schlecht, rassistisch und populistisch verunglimpft! Lasst doch die neue Crew zuerst mal arbeiten!
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