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IS-Terrorchef al-Baghdadi ist tot
Aus Tagesschau vom 27.10.2019.
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US-Kommando-Aktion Baghdadi ist tot – der IS nicht

Der Tod ihres Anführers trifft die Terrormiliz «Islamischer Staat» zwar durchaus hart – denn die Dschihadisten hatten gerade begonnen, sich nach dem überhasteten Rückzug der US-Truppen aus dem nordöstlichen Syrien und dem sich daraus ergebenden Durcheinander wieder zu gruppieren.

Der Tod von al-Baghdadi wird die Moral des IS treffen sowie den immer noch hochgehaltenen Narrativ des siegreichen Islamischen Staates.

Doch erstens war al-Baghdadi bei weitem nicht der grosse Anführer des IS. Er war zwar gegen aussen der Kopf, aber er war weder einer seiner wichtigsten Ideologen noch Strategen. Und zweitens sind die Gründe, die das Wachstum der Terrororganisation überhaupt ermöglicht haben, keineswegs verschwunden. Im Gegenteil.

Machtvakuum schafft Raum für Konflikte

Im Nordosten von Syrien hat der Rückzug der Amerikaner Raum geschaffen für eine Mischung aus ethnischen, religiösen und ideologischen Konflikten, welche auf lange Zeit hinaus eine Garantie sind für Krieg und Terror.

Indem die syrische Regierung die Kontrolle über das Gebiet übernimmt, halten auch wieder die Repression des syrischen Machtapparates, Korruption und Vernachlässigung bis aktives Kaltstellen von unliebsamen Bevölkerungsteilen Einzug.

Im Irak droht seit dem Ausbruch der jüngsten Proteste in Bagdad eine bürgerkriegsähnliche Situation. Die jungen Demonstranten im Zentrum von Bagdad begehren auf gegen eine kleine Elite, welche das Land nach dem Sturz von Saddam Hussein unter sich aufgeteilt hat und es als sein Eigentum ansieht, das es auszusaugen gilt.

Politische Strategie versagt

Die irakischen Sicherheitskräfte reagieren konfus, vom Iran unterstützte schiitische Milizen sind für den Tod von mehr als hundert Demonstranten verantwortlich.

Es sind genau diese unsicheren, die Bedürfnisse der Menschen vernachlässigenden Zustände, die den Raum schaffen, in dem die ideologisch verblendeten Terroristen sich ausbreiten können.

Seit dem Beginn des «Kriegs gegen den Terror» vor beinahe 20 Jahren haben Politiker immer wieder davon gesprochen, die dem Terrorismus zugrunde liegenden Ursachen bekämpfen zu wollen. Doch die gewählten politischen Strategien haben diese Gründe mehrheitlich ignoriert oder gar verstärkt.

Bin Laden ist tot. Al-Baghdadi ist tot. Der Islamische Staat, oder wie auch immer seine Nachfolgeorganisation sich nennen wird, ist es nicht.

Pascal Weber

Pascal Weber

Nahost-Korrespondent, SRF

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Seit 1999 arbeitet Weber für SRF. Als Redaktor und Produzent war er zunächst in der Sportredaktion tätig, danach bei «10vor10». Seit September 2010 ist er Korrespondent im Nahen Osten. Folgen Sie ihm auf Twitter, Link öffnet in einem neuen Fenster.

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk  (Joseph ernst)
    Baghdadi war ein fanatischer Massenmörder. Sicher ist mit seinem Tod der IS nicht besiegt. Auch wen er kein Ideologe und Stratege war, so war er mit seinem mörderischen Fanatismus der moralische Garant dieser ideologisch verblendeten Terroristen.
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  • Kommentar von Sebastian Mallmann  (mallmann)
    In der Analyse fehlt der Hauptgrund, weshalb der IS entstehen und sich ausbreiten konnte. Die völkerrechtswidrige Irak-Invasion durch die USA und ihre Verbündeten, welche einen zwar repressiven, aber einigermassen funktionierenden Staat ins Chaos stürzte. Dazu kommt die Syrien-Politik des Westens, der die Ausbreitung des IS willkommen war, weil das Assad zusätzlich schwächen würde.
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    1. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      Nachtrag: Dass die Ausbreitung des IS dem Westen gelegen kam, belegt ein 2015 freigeklagter DIA-Geheimdienstbericht von 2012: "If the situation unravels there is the possibility of establishing a declared or undeclared Salafist principality in Eastern Syria and this is exactly what the supporting powers to the opposition want in order to isolate the Syrian Regime..." Und weiter oben: "The West, Gulf countries and Turkey support the opposition."
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    2. Antwort von kurt trionfini  (kt)
      Herr Mallmann: Für mich gilt nach wie vor: Ich verzichte gerne auf Herrn Assad und ich verzichte genau so gerne auf Radikal- Islamisten! Lassen wir den angeprangerten "Westen" beiseite und beschränken uns auf die Schweiz: Wer hat die Trittbrettfahrenden Radikal- Islamisten als notwendiges "Mittel zum Zweck" gut geheissen? Der Bundesrat? Die Parteien? Irgendwelche politische Meinungsmacher? Die Medien? Die öffentliche Meinung?
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  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    Ohne Terroristen und ohne die "Mächte des Bösen" und Ähnliches, wie die Politiker der USA sich seit Generationen gerne ausdrücken, wäre die USA in der Rolle des Weltdominators gefährdet. Der Terror oder ein "Schurkenland" fernab ist eine willkommene Legitimation der Aufrüstung und der Fortführung dieses Titels. Demnach wird die US-Admin. dafür sorgen, dass weiter Terroristen existieren und sie nach Belieben Länder als Schurkenstaaten benennen können, egal wer US-Präsident ist.
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