Auf dieses Urteil hat man lange gewartet: Nun hat das höchste Gericht der USA am Freitag entschieden, dass die von der US-Regierung verhängten Zölle gegenüber den wichtigsten Handelspartnern nicht rechtens sind. SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Bonanomi erklärt.
Was hat das Gericht genau entschieden?
Die von Donald Trump eingeführten Zölle sind rechtswidrig. Das Gericht kommt zum Schluss, dass der Präsident seine Kompetenzen überschritten habe, indem er unter Berufung auf einen «nationalen wirtschaftlichen Notstand» Zölle eingeführt habe, ohne dafür vorgängig die Zustimmung des Kongresses, also des US-Parlaments, einzuholen.
Werden die Zölle von 15 Prozent gegenüber der Schweiz, den EU-Staaten und anderen Ländern hinfällig?
Wohl kaum. Fachleute erwarten, dass Präsident Trump versuchen wird, die Zölle weiterzuführen, einfach gestützt auf eine andere rechtliche Grundlage. Für die Unternehmen, die Waren in die USA liefern wollen, dürfte die Unsicherheit also andauern.
Welche Folgen hatten die US-Zölle für die Schweizer Exportwirtschaft?
Für einzelne Branchen waren die US-Zölle sehr einschneidend. Insbesondere die extrem hohen Zölle von 39 Prozent, die von August bis Dezember galten. Am stärksten betroffen war die Tech-Industrie: Laut dem Branchenverband Swissmem sanken die Exporte aus der Schweiz in die USA im dritten Quartal 2025 um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, im vierten Quartal nochmals um 14 Prozent. Mit den seither geltenden Zöllen von immer noch 15 Prozent hat die Schweiz nun immerhin keinen Wettbewerbsnachteil mehr gegenüber den Konkurrenten aus der EU. Auch die Uhrenindustrie ist betroffen, ihre Exporte in die USA sanken im Januar 2026 um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die grösste Schweizer Exportindustrie, die Pharmabranche, ist von den 15-Prozent-Zöllen nicht betroffen. Sie hat stattdessen Milliardeninvestitionen in den USA und Preissenkungen für ihre Medikamente versprochen.
Was bewirkten die Zölle in den USA selber?
Die Auswirkungen sind durchzogen. Laut einer neuen Untersuchung der Federal Reserve Bank of New York trugen die Importeure und die Kunden in den USA in der zweiten Hälfte des letzten Jahres 80 bis 90 Prozent der zusätzlichen Kosten, die durch die Zölle verursacht wurden. Anderseits ist die Inflation in den USA nicht so stark angeheizt worden wie von Fachleuten befürchtet. Insbesondere tiefere Erdölpreise sorgten dafür, dass im Januar die Jahresteuerung «nur» 2.4 Prozent betrug. Die Arbeitslosenrate lag Ende Januar bei 4.3 Prozent, etwas höher als vor Jahresfrist. Bislang sind also noch kaum positive Effekte auf die Beschäftigung in den USA spürbar.