Der Himmel über Kaiserslautern ist ein Pulsfühler der Geopolitik. «Man merkt es erst, wenn irgendwo in der Weltlage sich etwas verändert, wo die Amerikaner ihre Finger im Spiel haben», sagt Dennis Matheis, der hier aufgewachsen ist. Dann nehme der Flugbetrieb auf einmal deutlich zu. «Viele denken dann: ‹Oh je, was kommt denn jetzt schon wieder?›»
Kaiserslautern liegt nur wenige Kilometer von der Airbase Ramstein entfernt. Die Amerikaner sind hör- und sichtbar, auch im Alltag: weniger deutsches Schnitzel auf der Karte im Restaurant, dafür amerikanisches Steak – 400 Gramm Rib-Eye, 700 Gramm T-Bone und ein sagenhaftes Kilo Tomahawk.
Von Kaiserslautern geht es weiter Richtung Airbase Ramstein. Auf dem Marktplatz wirkt vieles wie in einer normalen deutschen Kleinstadt. Unterwegs ist nur eine alte Frau. «An sich ist Ramstein schon gut. Wo ich vorher gewohnt habe, gab es nicht einmal Einkaufsmöglichkeiten.»
Die Infrastruktur ist top: Kitas, Schulen, Schwimmbad, alles dank der 50’000 Amerikanerinnen und Amerikaner in der Region.
Ralf Hechler ist Bürgermeister in Ramstein. Er zeigt seine ID-Karte: «Damit kann ich bis zu vier Personen auf die Airbase mitnehmen, sofern keine Krise oder Intervention läuft.» Aktuell kommt man nicht auf die Airbase. Wenn US-Präsident Trump einen Tweet über den Abzug von Truppen absetzt, hat Ralf Hechler Puls.
Er ist zweisprachig aufgewachsen – und mit Marshmallows und «Ice Cream». Die Glace kam im Karton: «Schoko, Vanille und Erdbeere. Diesen Geschmack hat sonst keiner hinbekommen.»
Läden, Vermieter, Hotels, Restaurants, aber auch Handwerker und Bauunternehmen. Alles hängt am US-Militär. Laut Fiskus bringen die Amerikaner der Region rund zwei Milliarden Euro Wertschöpfung.
Und doch gibt es auch Negatives. «Es gibt den Spruch: Gier frisst Hirn», sagt Hechler. Viele investierten gezielt ins Geschäft mit den Amerikanern, in Wohnraum, Kurzzeit-Apartments und Vermietungen zu «horrenden» Preisen. Für Deutsche, die in die Region ziehen möchten, sei bezahlbarer Wohnraum schwer zu finden.
Wenn das US-Geld fehlt
Wie es ohne die Amerikaner und ihr Geld wäre, dafür gab es einen Vorgeschmack im sogenannten Shutdown. Letzten Herbst zahlten die USA vorübergehend keine Löhne aus. «Da hat man gemerkt, wie vieles plötzlich nicht mehr stattfindet. So kann man sich das vorstellen, wenn von heute auf morgen ein Teil einfach nicht mehr da ist.»
Gerade bauen die USA hier ein riesiges Spital für fast zwei Milliarden Euro. Das spricht nicht für Rückzug. Aber wer weiss das schon. Die Sorgen bleiben.
«Wenn die Amerikaner hier weggehen, wäre das für die Deutschen eine Katastrophe», sagt die alte Frau. Diese Katastrophe schwingt hier immer ein bisschen mit.