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Der Wahlkrimi in den USA geht in die Schlussphase
Aus Info 3 vom 06.11.2020.
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US-Wahlen 2020 Kann sich Biden schon zurücklehnen, Isabelle Jacobi?

Joe Biden hat laut US-Medien im Bundesstaat Pennsylvania inzwischen mehr Stimmen als Amtsinhaber Donald Trump. 98 Prozent aller Wahlzettel sind gemäss AP in Pennsylvania ausgezählt. Bleibt es dabei, hätte Biden die erforderlichen 270 Elektorenstimmen zusammen – und würde neuer Präsident der Vereinigten Staaten. SRF-Korrespondentin Isabelle Jacobi zum Herzschlagfinale um die US-Präsidentschaft.

Isabelle Jacobi

Isabelle Jacobi

USA-Korrespondentin, SRF

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Nach dem Studium in den USA und in Bern arbeitete Jacobi von 1999 bis 2005 bei Radio SRF. Danach war sie in New York als freie Journalistin tätig. 2008 kehrte sie zu SRF zurück, als Produzentin beim Echo der Zeit, und wurde 2012 Redaktionsleiterin. Seit Sommer 2017 ist Jacobi USA-Korrespondentin in Washington.

SRF News: In den zwei heftig umkämpften Bundesstaaten Georgia und Pennsylvania hat Biden Trump überholt. Kann sich Biden schon ein wenig zurücklehnen?

Isabelle Jacobi: Das Rennen ist sehr eng. Man muss also sehr vorsichtig mit Prognosen sein. Der Trend ist aber klar, und das freut natürlich die Biden-Kampagne und Joe Biden selber. Es werden immer noch Stimmen ausgezählt, diese dürften eher an Biden gehen, weil sie aus demokratischen Städten wie Philadelphia, Pittsburgh oder Atlanta kommen. Hier wird Biden seinen Vorsprung auf Präsident Trump wohl noch vergrössern können.

Georgia war lange eine republikanische Hochburg. Warum konnte Biden hier Trump den Rang ablaufen?

Die Demokraten haben den konservativen Südstaat seit 1992 nicht mehr gewonnen. Das schaffte zuletzt Bill Clinton. Zu verdanken hätten die Demokraten diesen Sieg dem demographischen Wandel und einer beispiellosen Mobilisierung der afroamerikanischen Wählerschaft. Diese macht über 30 Prozent aus in Georgia.

Anders verläuft die Dynamik in Arizona. Dort liegt Biden zwar auch vorne, aber Trump holt auf. Könnte Arizona zurück zu Trump kippen?

Der Staat steht tatsächlich auf der Kippe. Präsident Trump holt dort auf, weil überraschend viele Republikaner per Brief gewählt haben. Wie es aussieht, braucht Biden den Südwesten gar nicht, um die nötigen Elektorenstimmen zu sammeln. Wenn er in Pennsylvania siegt, hat er die 270 Elektorenstimmen beisammen.

Trump hat Heerscharen von Anwälten in Stellung gebracht und will das Land mit Klagen überziehen. Können sie noch ausschlaggebend sein?

Wohl kaum. Zumindest bisher hat die Trump-Kampagne keine Beweise für einen vermeintlichen Wahlbetrug geliefert. Sie äussern einen generellen Verdacht – das schürt zwar Proteste, vor Gericht wird eine blosse Vermutung aber nicht standhalten. Da müsste es einen konkreten Betrugsfall geben.

Es wird lange dauern, bis wir wissen, wer wie viele Elektorenstimmen erhält, und wer schliesslich Präsident wird oder bleibt.

Es wird aber fast sicher zu Nachzählungen kommen, zum Beispiel in Georgia oder auch in Wisconsin. Dort kann die Trump-Kampagne erst am 1. Dezember klagen, wenn das Resultat zertifiziert ist. Es wird lange dauern, bis wir wissen, wer wie viele Elektorenstimmen erhält, und wer schliesslich Präsident wird oder bleibt.

Das Gespräch führte Danièle Hubacher.

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Donald Trump macht happige Vorwürfe – ohne Belege vorweisen zu können
Aus SRF News vom 06.11.2020.
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Info3 vom 06.10.2020, 17 Uhr;

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Mit der Bitte um Verständnis: bereits vor den Wahlen hat das TRUMP-Team mehr als 100 Verfahren angestrengt. Nun wird mehr als genau gezählt, geprüft und letztlich nochmals geprüft. Keiner will sich dem Vorwurf aussetzen man habe gemauschelt.
    Deswegen dauert es länger als üblich.
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    1. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Oder es dauert länger, weil die fehlenden Stimmen für Biden erst aus dem Nichts hervorgezaubert werden. Auffällig ist, dass am Wahlabend Trump in den Swing States vorne lag, als aufgehört wurde zu zählen und am nächsten Morgen (ca. 04:00 Uhr) hatte Biden in Michigan, Wisconsin aus dem Nichts 100% mehr Hunderttausende Stimmen und Trump keine Einzige (s. FiveThityEight, Source ABC News). Auch die Dominion Software in manchen Staates, die fehlerhaft ist, wird wohl noch korrigiert werden müssen.
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  • Kommentar von Michael Geissbühler  (Socrates)
    Was fü ein Trauerspiel! Die selbsternannte Weltmacht Nr. 1 ist auch Tage nach der Schliessung der Wahllokale nicht in der Lage, ein verbindliches Wahlresultat bekannt zu geben. Es scheint nicht nur die Zählmethode, sondern vor allem das (resp die vielen verschiedenen) Wahlreglement(e) aus dem dunkelsten Mittelalter zu stammen. Höchste Zeit für den neuen Präsidenten, hier für Abhilfe zu sorgen, damit sich in vier Jahren das Trauerspiel nicht wiederholt.
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    1. Antwort von Paul Wagner  (päule)
      Ja, die USA sind in vielen Bereichen bestenfalls Mittelmass und nicht Gottes auserkorene Nation (wie viele Amis das sehen).
      Aber, die Auszählung dauerte immer sehr lange. Nur wurden die Resultate oft frühzeitig kommuniziert, weil das Resultat klar war. Danach wurde dann noch fertiggezählt und überprüft, in jedem einzelnen Staat (unklare Stimmzettel, Stimmen von Ausland-Amis, Militär etc.).
      Unterschiedliche Wahlgesetze sind absolut legitim und kein Problem. Da gäbe es viele andere Baustellen.
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  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Die Antworten von Frau Jacobi sind extrem dürftig. In Georgia hat die Gouverneurs-Kandidatur 2018 von Stacey Abrams viel Vorarbeit geleistet. Ausserdem gibt es dort einen Strukturwandel, wodurch viele neue Firmen und damit neue junge Mitarbeiter in die Atlanta-Region gezogen sind. In Arizona werden die Briefwahl-Stimmen gleich mitgezählt, darum holt Biden nicht auf - im Gegensatz zu PA, GA wo diese Stimmen erst nach den persönlich abgegebenen Stimmen gezählt werden. Das sollte man wissen.
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