Zum Inhalt springen
Inhalt

US-Wahlen Vom Hedge Fonds zur eigenen Bank: Die reichen Reformer in den USA

«Good food, good money, good energy», das ist das Mantra von Kat Taylor. Sie und ihr Ehemann wollen mit ihrem Vermögen viel bewegen: das Bankensystem und die Landwirtschaft revolutionieren und die Klimaerwärmung bekämpfen.

Geld ist Macht – und Macht bringt Verantwortung mit sich. So sehen es Kat Taylor und ihr Ehemann Tom Steyer. Mit einem Hedge Fonds sind sie Milliardäre geworden. Vor vier Jahren stiegen sie aus und verkauften ihre Anteile am Fonds.

Seither setzen sie ihre Zeit und ihr Geld dafür ein, um das Wirtschaftssystem fairer und nachhaltiger zu machen. So gründeten sie eine Bank, die «Beneficial State Bank». Kat Taylor übernahm die Direktion. Sie sitzt regungslos am Sitzungstisch, Ellbogen aufgestützt, beide Hände vor ihr übereinandergelegt. «Wir haben drei Ziele: Wir wollen soziale Gerechtigkeit und den Umweltschutz fördern und gleichzeitig rentabel arbeiten. Und wir wollen das Bankensystem grundlegend verändern.»

Die gute Bank für die Kleinen

Die Bank gehört einer Stiftung, und ihre Verwaltungsräte werden von anderen wohltätigen Stiftungen ernannt. Das soll sie vor kurzfristigem Renditedenken bewahren. Drei Viertel ihrer Kredite vergibt die Bank für sozialen Wohnungsbau, erneuerbare Energien oder nachhaltige Landwirtschaft. Ebenso bedient sie in erster Linie soziale Unternehmungen, Genossenschaften sowie Kleinunternehmen in Städten und Quartieren, die von Banken gemieden werden.

Das Finanzsystem sei ein wichtiges öffentliches Gut, erklärt Taylor. Es habe aber viel Schaden angerichtet. Die Banken verfolgten zu oft eigene Interessen und nicht jene der Kundschaft oder der Gesellschaft. «Seit der Finanzkrise haben die grossen Banken in den USA 255 Milliarden Dollar an Bussen bezahlt, weil sie ihre Kunden hintergangen haben. Viele schreiben diese Kosten aber einfach ab und ändern ihr Verhalten nicht.»

Auch Zwerge können etwas bewegen

Die «Beneficial State Bank» ist mit etwas mehr als 200 Angestellten und 800 Millionen Dollar verwaltetem Vermögen ein Zwerg. Doch auch eine kleine Institution könne zum Wandel inspirieren, hofft die 57-jährige Sozialunternehmerin: «Wir möchten, dass die grossen Regionalbanken auf uns aufmerksam werden und unsere Geschäftspraktiken übernehmen. Sie könnten damit den Grossbanken Marktanteile streitig machen und sie dazu bringen, ihre Praktiken auch zu ändern.»

Früher spendeten Taylor und Steyer Geld an wohltätige Institutionen. Sie unterzeichneten den «Giving Pledge» von Bill Gates und Warren Buffet. Schwerreiche Menschen weltweit verpflichten sich damit öffentlich, die Mehrheit ihres Vermögens für wohltätige Zwecke auszugeben. Taylor und Steyer reichte das aber nicht aus. Sie wollten wirksamer sein und beschlossen, das System von innen her anzugehen, erklärt Taylor. «Wir müssen die fundamentalen Institutionen der Gesellschaft reformieren, wenn wir das System verändern wollen.»

Sie wählten drei Bereiche: Finanzmarkt, Landwirtschaft und Energie. Den Bereich Finanzen wollen sie mit der Bank beeinflussen. In der Landwirtschaft probieren sie neue, nachhaltigere Anbaumethoden – und haben zu diesem Zweck einen Landwirtschafts-Modellbetrieb aufgebaut. Und bei der Energie unterstützen sie gezielt Politikerinnen und Politiker, die sich für saubere Energie und Klimaschutz einsetzen. Denn hier seien genügend innovative und gute Lösungen da, erklärt Taylor. Es sei die Politik, die die Energiewende verhindere. Taylors Ehemann führt deshalb das politische Spendevehikel «NextGen Climate».

Grösste Spender der demokratischen Partei

Er lässt sich nicht lumpen. Bei den Zwischenwahlen vor zwei Jahren war er mit rund 80 Millionen der grösste Einzelspender auf Seiten der Demokraten. Präsident Barak Obama war in seinem Haus in San Francisco für Fundraising-Anlässe zu Gast. Nun spendet er der Präsidentschaftskampagne von Hillary Clinton Geld. Das alles entbehrt nicht der Ironie, denn eigentlich ist das Ehepaar dagegen, dass es das überhaupt kann. «Wir bedauern sehr, dass es so viel Geld hat in der Politik. Es ist undemokratisch. Aber solange es viel Geld auf der konservativen Seite fliesst, müssen wir auf der progressiven Seite auch investieren, bis wir den politischen Prozess reformieren und zu einer wahren Demokratie zurückkehren können.»

Kritiker werfen Kat Taylor und Tom Steyer Heuchlerei vor. Der Hedge Fonds Farrallon Capital, mit dem sie ihr Vermögen machten, hat auch in fossile Energie investiert und profitierte vom Finanzsystem, das sie heute reformieren wollen. Kat Taylor lässt sich nicht beirren. «Ja, wir waren Teil der fossilen Wirtschaft wie alle anderen auch. Aber als wir begriffen hatten, dass sie nicht nachhaltig ist, sind wir ausgestiegen und haben unsere Zeit und Ressourcen in die neue Wirtschaft gesteckt, die nachhaltig ist und an der alle teilhaben.»

Tattoos als Zeichen der Offenheit

Es könnte auch anders sein. Anstatt als Bankendirektorin lange Arbeitstage im Büro abzusitzen, könnte Taylor dem Luxusleben frönen und Golf spielen. Bei dieser Vorstellung lacht die sonst ruhige und kontrollierte Frau. «Sie haben mich offenbar nie Golf spielen gesehen!» Taylor will keine typische High-Society-Dame sein. Deshalb hat sie sich tätowieren lassen, als sie bereits 39 Jahre alt war und schon vier Kinder hatte. Ihre fünf Tattoos sollen signalisieren, dass sie offen ist für anderes: «Wenn Sie meinen, dass ich konventionell denke oder den Status Quo beibehalten will, so sollen Ihnen meine Tattoos einen zweiten Blick ermöglichen, mir eine Chance geben, um auszudrücken, wer ich wirklich bin.»

Geld bedeutet ihr sehr wenig, sagt sie. «Geld ermöglicht es, Dinge zu verändern. Aber Werte sind für mich wichtiger als Geld.» Werte wie Respekt vor anderen Menschen, den Lebewesen und dem Planeten.

Taylor und Steyer halten es für ihre moralische Pflicht, ihren Reichtum zu investieren, um die Gesellschaft zu verbessern. «Wir haben den Luxus, Zeit und Geld in den Dienst dieser grossen Ziele stellen zu können. Es macht Spass und wir werden weiter machen, so lange wir können.» So wird das Ehepaar weiter daran arbeiten, sein Milliardenvermögen in eine progressive Reform-Maschinerie zu verwandeln, um seine Vision zu realisieren. Eine USA mit fairen Banken, nachhaltiger Landwirtschaft und einem Wirtschaftssystem, dass es weiteren Generationen erlaubt, auf unserer Weltkugel zu leben.

Kat Taylor

Porträt Kat Taylor
Legende: SRF

Die Direktorin der «Beneficial State Bank» verfolgt neben der Rendite auch soziale und ökologische Ziele. Taylor investiert mit ihrem Ehemann Tom Steyer in den wirtschaftlichen Wandel im Bereich Energie, Landwirtschaft und Finanzen. Sie gehören zu den grössten einzelnen Geldgebern der demokratischen Partei.

Gemeinsamer Nenner gesucht!

Im US-Wahlkampf driften die Kandidaten, aber auch das Land und die Gesellschaft stark auseinander. Unter dem Titel «Divided We Stand» porträtiert das «Echo der Zeit» sechs Amerikaner, die für diese Polarisierung stehen. Alle setzen sich mit Herzblut für ihr Land ein, haben aber völlig verschiedene Vorstellungen davon, wie die USA aussehen sollen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    Frau Imboden - wir kriegen das Schlottern. Die Bank hat 366 Mio. Bilanzsumme - zum Vergleich die Alternative Bank Schweiz hat 1.6 Milliarden. Wir wollen jetzt nicht mit der ZKB, J.P Morgan oder Wells Fargo vergleichen. Aber dass sind bestenfalls "Erbsen" im US Bank Geschäft.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bruno De Bona (Bdb)
    Ihre Korrespondentin, Priscilla Imboden, sollte nicht alles glauben, was man ihr in den USA erzählt. Und vor allem sollte sie nie vergessen: Es ist Wahlkampf! Die Multimilliardärin Kat Taylor wurde von Imboden gleichsam als Erlöserin dargestellt: Kämpft gegen die bösen Banken, will die Landwirtschaft ökologisieren und kämpft für saubere Energien. Das tut in der Schweiz heute schon jede zweite Hausfrau. Bloss hat Taylor viel mehr Geld, um damit auch die CH-Korrespondentin zu beeindrucken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Meier (Cello)
      Und wenn nur die Hälfte des Artikels wahr ist, bin ich immer noch froh um solche Leute, wie die Taylors. Ich hoffe auch Ihre Behauptung, dass jede zweite Hausfrau sich hier so engagiert, ist wenigstens zur Hälfte wahr.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen