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USA streichen UNWRA-Gelder «Palästinenser könnten sich radikalisieren»

Legende: Audio USA stoppen Hilfe für Palästinenser abspielen. Laufzeit 05:13 Minuten.
05:13 min, aus Echo der Zeit vom 01.09.2018.

Nun haben die USA also ihre Drohung wahrgemacht: das Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge – UNWRA – bekommt keinen Dollar mehr aus Washington. Bisher beteiligten sich die USA mit einem Drittel an der UNRWA, das heisst pro Jahr mit rund 360 Millionen Dollar.

Das Hilfswerk wurde 1949 geschaffen für Palästinenser, die im Krieg um die Staatsgründung Israels flohen oder aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Sie leben seit Jahrzehnten in Flüchtlingscamps ausserhalb der Palästinensergebiete. Die UNO schätzt, dass über fünf Millionen Menschen in diesen Camps leben. Die UNWRA unterstützt sie und betreibt unter anderem Spitäler und Schulen.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahostkorrespondentin

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Susanne Brunner ist seit 2018 Nahostkorrespondentin für Radio SRF. Zuvor hatte sie zwölf Jahre lang die Sendung «Tagesgespräch» moderiert.

SRF News: Nun also streichen die USA die Unterstützung mit der Begründung die UNWRA sei eine Fehlkonstruktion. Was meinen die USA mit Fehlkonstruktion?

Susanne Brunner: Damit meinen die USA, dass es heute rund fünf Millionen Flüchtlinge gibt, denen man verspricht, sie können eines Tages in von Israel kontrollierte Gebiete zurückkehren. Nicht einmal die Palästinenser selbst glauben noch daran. Auch nicht, dass es eine Zweistaatenlösung gibt. Das meinen die USA mit Fehlkonstruktion.

Jetzt bekommt das Hilfswerk deutlich weniger Geld. Was bedeutet dies für die UNWRA?

Die UNWRA muss entweder neue Geldgeber suchen oder Programme streichen, Schulen schliessen. Die 300 Millionen sind ein Drittel des gesamten Budgets und ob man so schnell andere Geldgeber auftreibt, ist fraglich.

Gibt es potente und willige Geldgeber?

Diese gibt es schon. Die USA hat ja bereits in diesem Jahr die Zahlungen weitgehend eingestellt. Es fehlen bereits 200 Millionen Dollar. Es gibt Länder, die sagen, sie bezahlen jetzt mehr, darunter etwa Deutschland oder Katar.

Welche Probleme hat die UNWRA abgesehen von den finanziellen?

Die UNWRA hat seit Jahrzehnten rund eine Milliarde Dollar jährlich erhalten. Trotzdem fehlt es in den Lagern am Allernotwendigsten. Man hat der Organisation bereits Missmanagement vorgeworfen oder der PLO Korruption. Es besteht auch der Vorwurf, die UNWRA hetze gegen Israel.

Hunderttausende Palästinenser leben noch in den Flüchtlingslagern. Wie geht es mit ihnen weiter?

Viele Palästinenser, die regulär in Jordanien leben, haben einen jordanischen Pass, sind dort integriert. Die Menschen, die noch in den Lagern leben, sind abhängig von den Geldern. Wenn jetzt keine Gelder mehr kommen, geraten sie in eine Notlage. Es gibt weniger Nahrungsmittel und ohne Schulbildung können sie nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden. Oft wenden sich die Menschen dann radikalen Organisationen zu. Und wenn sie sich radikalisieren, hat Jordanien ein grosses Problem.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Da wird noch einiges mehr auf internationale Institutionen zukommen: Für ein UNO-Problem finanzieren die USA 30% des Gesamtbetrages. Unglaublich! Da müssen dem Trump, als Unternehmer, ja die Haare zu Berge stehen. Künftig werden wohl noch einige Missstände ans Tageslicht kommen, welch die Vorgänger von Trump wortlos geschluckt haben. Warten wir ab, was in den nächsten Jahren noch Alles korrigiert wird.
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Einewaegs, diese Unterstuetzung hat ja wohl mitgeholfen die notwendigen Sachen zu kaufen um einen permanenten Raketenkrieg von Ghaza aus zu fuehren.. oder!
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  • Kommentar von Manohar Züger (regüz)
    alle die meinen die arabischen Staaten könnten ja einspringen, ja könnten sie aber es ist wohl eher eine politische Frage. Wir dürfen nicht vergessen dass sie mit Israel im Kern verfeindet sind. Kommt dazu, dass Israel die grösste militärische Kraft ist. Glaube eher, dass diese Staaten damit einer offenen Konfrontation mit ihnen aus dem Weg gehen wollen, da eine unterstützung auch einer direkten Kriegs-/Feindserklärung nahe kommen könnte
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Diese reichen Ölstaaten tun das genau nicht, obwohl sie es könnten. - Die mögen die PLO nicht.
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