Der Dokumentarfilm begleitet Melania Trump in den 20 Tagen vor Donald Trumps zweiter Amtseinführung, sie ist auch Co-Produzentin des Films. Für den Erwerb und die Rechte des Films hat Jeff Bezos, beziehungsweise sein Tech-Konzern Amazon 40 Millionen US-Dollar hingeblättert. Zusammen mit den Kosten für die Vermarktung soll Amazon insgesamt 75 Millionen US-Dollar in den Film investieren, schreiben verschiedene Medien.
«Melania» verrate einiges über die Beziehung von Jeff Bezos und Donald Trump, sagt Martin Lüthe, er befasst sich mit der Kultur und Geschichte Nordamerikas.
SRF News: Der Film wird als Dokumentation verkauft, was will das Trump-Umfeld damit erreichen?
Martin Lüthe: Ich glaube, dass der Film gar nicht so eine grosse Rolle spielt. Ich glaube, dass die Transaktion mit der Privatwirtschaft eine grosse Rolle spielt: Dass mit Amazon und Jeff Bezos sich jemand gefunden hat, der bereit ist, eine auf Spielfilmlänge gezogenen Promotionsfilm zu drehen. Ich bin mir auch sicher, dass er insgesamt als Flop dastehen wird. Aber das wird den Trumps insgesamt egal sein.
Der Inhalt ist egal, es geht eigentlich um die finanziellen Beziehungen hinter dem Film?
Zwar gibt es wahrscheinlich eine ästhetische Aspiration seitens Melania und sicherlich auch der Filmemacher. Aber ich glaube nicht, dass es ein Film ist, in dem dezidiertes Politisches passiert. Melania ist ja eigentlich eine Frau, über die wir bisher nicht viel wissen. Sie scheint auch nicht so sehr in der Rolle der First Lady aufzugehen, wie das andere First Ladies getan haben. Der Fokuspunkt des Trumpismus ist und bleibt Donald Trump. Eigentlich ist es ein Donald Trumpismus.
Bezos versucht weiterhin, durch nur halb versteckte Zahlungen Trump auf seiner guten Seite zu halten.
Der eigentliche Nutzen ist, dass sich die Tech-Konzerne und Donald Trump weiter verbandeln?
Ich glaube bei Jeff Bezos ist die Kalkulation klar. Es gibt natürlich eine Vehemenz seitens Amazons zu betonen, dass sie hinter diesem Film stehen und dass sie sich von dem Film viel versprechen. Aber es ist nahezu sicher davon auszugehen, dass der Film nicht annähernd das einspielen wird, was er gekostet hat. Es ist sehr davon auszugehen, dass Jeff Bezos sich weiterhin Trump als Freund halten will.
Was ist konkret problematisch daran?
Das Problematische ist, dass sich ein Trend fortsetzt. Elon Musk hat ja auch eine Zeit lang Millionen in Trump gesteckt. Mark Zuckerberg tut das und Bezos versucht weiterhin, durch nur halb versteckte Zahlungen an Donald Trump, ihn auf seiner guten Seite zu halten.
Doch wenn dem wirklich so ist, wird man das nie nachweisen können. Ich glaube, das ist der Argwohn, den wir gerade verspüren: Dass hier im Prinzip Bestechungsgeld gezahlt wurde auf anderen Wegen und es damit erklärt wird, dass man einen Film gemacht hat über die First Lady.
Das Gespräch führte Isabelle Maissen.