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Epstein-Files Sex, Macht und Missbrauch: Das System von Jeffrey Epstein

Ein verhafteter Prinz, ein Ex-Präsident, der sich erklärt und Amtsträger, die abtreten – die Veröffentlichung der Ermittlungsakten zum Fall Jeffrey Epstein sorgen weltweit für Wirbel.

Ende Januar veröffentlichte das US-Justizministerium drei Millionen Akten: Bilder, Videos, Emails, sowie Bank- und Flugdaten. Die «Epstein-Files» geben Einblick in die Welt des Multi-Millionärs. Er umgab sich mit Prominenten, verkehrte mit den Reichsten. «Man konnte ihm immer schreiben, wenn man ein Problem hatte», sagt die Journalistin Anne McElvoy, die sich seit Jahren mit dem Fall befasst. Sie ist eine Ex-Kommilitonin von Ghislaine Maxwell, der langjährigen Partnerin und Komplizin von Epstein. «Wenn man einen Rat brauchte, war er da. Wenn man etwas Manipulatives brauchte, war er da. Und wenn man etwas mit Sex wollte, war er auch da», so McElvoy. Epstein reiste im Privatjet, kaufte Luxusimmobilien: ein Stadthaus in Manhattan, eine Wohnung in Paris, eine Villa in der Nachbarschaft von Donald Trumps Mar-a-Lago, eine Ranch in New Mexiko und eine Karibikinsel.

Das System des Missbrauchs

Über hundert junge Frauen soll Epstein mithilfe von Maxwell rekrutiert und missbraucht haben, darunter viele Minderjährige. Vielfach hätte der Missbrauch mit einer Massage begonnen und in sexueller Nötigung geendet, den Mädchen wurde Geld oder eine Ausbildung versprochen. Aus den Akten geht hervor, dass Epstein die Mädchen weitervermittelt hat. Doch viele Stellen sind teils oder komplett geschwärzt. Gemäss Behörden diene dies dem Schutz der Opfer. Es gibt aber die Kritik, dass dies potenzielle Täter schütze.

Erste Anzeigen gegen Epstein gab es bereits in den 90er Jahren. In dieser Zeit pflegte Epstein den Austausch mit Donald Trump. 2008 wird Jeffrey Epstein verurteilt: Wegen Anwerbung einer Minderjährigen zur Prostitution. Epstein kann mit dem Staatsanwalt einen Deal machen: Er muss nur 13 Monate ins Gefängnis – und darf tagsüber gar zur Arbeit gehen. 2018 kommen neue Vorwürfe ans Licht. Wieder kommt es zur Anklage, doch nie zur Verurteilung. 2019 wird Epstein tot in seiner Zelle gefunden: Tod durch Erhängen. Die Behörden gehen von Suizid aus. Da die Kameras in der Zelle ausfielen, bleibt aber Raum für Verschwörungstheorien. Ghislaine Maxwell wird wegen Sexhandels mit Minderjährigen zu zwanzig Jahren Haft verurteilt.

Vorwürfe gegen Trump

Mindestens 17 Männer sind bisher wegen ihren Verbindungen zu Epstein zurückgetreten: Darunter der britische Botschafter in den USA, Peter Mandelson, Harvard-Professor Larry Summers oder WEF-CEO Borge Brende. Andrew Mountbatten-Windsor wurde wegen des Epstein-Skandals unter anderem der Prinzentitel entzogen.

Und was ist mit den Verbindungen zu Trump? Letzte Woche veröffentlichte das US-Justizministerium weitere Akten: FBI-Rapporte, in denen eine Frau erzählt, im Alter von vierzehn Jahren sei sie über Epstein zu Trump gebracht worden, welcher sie gemäss ihren Aussagen zu Oralsex zwingen wollte. Bestätigt wurden die Vorwürfe nicht; das Weisse Haus weist sie als haltlos zurück.

Der Rechtsprofessor Andrew Weissmann war jahrelang Staatsanwalt im US-Justizministerium und FBI-Berater. Er kritisiert, dass das Justizministerium trotz Verpflichtung noch nicht alle Akten veröffentlicht hätte. Weissmann sieht das politisch motiviert: verlässliche Berichte würden zeigen, «dass das FBI angewiesen wurde, alles anzuschauen, was Präsident Trump betrifft. Also können wir sicher sein, dass sie genau wissen, wo die Leichen begraben liegen.» Noch sind nicht alle Akten zum Fall Epstein veröffentlicht.

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In einer ersten Version des Artikels stand, dass «der ehemalige Prinz des Vereinigten Königreichs seines Titels enthoben wurde». Dies wurde korrigiert in «Andrew Mountbatten-Windsor wurde wegen des Epstein-Skandals unter anderem der Prinzentitel entzogen».

Rundschau, 11.03.2026, 20:10 Uhr

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