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Rettung von US-Soldat im Iran Beliebte Armee, verhasster Krieg

Kollektives Aufatmen in den USA: Der vermisste Offizier, dessen Kampfjet vom Iran abgeschossen wurde, konnte gerettet werden. Die US-Armee wurde damit einem zentralen Ehrenkodex gerecht: «Niemand wird zurückgelassen». Allerdings waren die Risiken enorm, zumal sich die Rettungsteams selbst der Gefahr aussetzten, in iranische Hände zu geraten.

Das Regime in Teheran hätte alles versucht, um Geiseln bei Verhandlungen mit den USA als Druckmittel einzusetzen. Dies haben die USA vorerst abgewandt, doch das Risiko bleibt. Und der Vorfall lieferte einen weiteren Beleg für die geringe Halbwertszeit gewisser Aussagen des US-Präsidenten. Nur zwei Tage vor dem Abschuss eines US-Kampfjets hatte Donald Trump behauptet, man verfüge im Krieg über die komplette Lufthoheit. Zweifel sind angebracht.

Heldengeschichte statt Worst Case

Die Trump-Regierung wird alles versuchen, diese Hollywood-reife Heldengeschichte zu ihren Gunsten zu nutzen. Und tatsächlich schien die Suche nach dem vermissten Offizier die tiefen politischen Gräben für einen kurzen Moment zu überdecken, wenngleich es starke Unterschiede in der Tonalität der medialen Berichterstattung gab.

Während beim rechtskonservativen Fernsehsender «Fox News» Moderatorinnen und Experten betonten, wie wichtig es jetzt sei, für die Armeeangehörigen zu beten, überwog beim linksliberalen Konkurrenten CNN die kritische Analyse des aktuellen Kriegsverlaufs.

«Danke für Ihren Dienst»

In einem Punkt sind sich Parteien, Medien und Öffentlichkeit aber weitgehend einig: Armeeangehörige verdienen den grösstmöglichen Respekt.

Eine Wertschätzung, die sich im Alltag auf unterschiedliche Weise zeigt. So geniessen Armeeangehörige an Flughäfen Vorrang beim Boarding, während unzählige Geschäfte spezielle Rabatte für Veteranen anbieten. Und wenn US-Amerikaner in der Öffentlichkeit einem Mitbürger in Uniform begegnen, wird dies oft von den Worten begleitet: «Thank you for your service».

Ein kleines Dankeschön von grossem symbolischem Wert. Es bringt zum Ausdruck, welche Bedeutung die Bevölkerung ihrer Armee auch heute noch beimisst, wenn es darum geht, den Status als Supermacht zu bewahren oder durch Militäraktionen im Ausland die «nationale Sicherheit» zu verteidigen.

Ablehnende Haltung zum Iran-Krieg

Zwar hat das Image der Streitkräfte durch Auslandseinsätze wie im Irak und in Afghanistan gelitten. Dennoch geniesst die Armee in der Bevölkerung laut Umfragen noch immer ein deutlich höheres Vertrauen als andere Institutionen wie Parlament, Medien oder Grosskonzerne.

Wenn Kritik laut wird, trifft diese meist die politischen Verantwortlichen und damit in erster Linie den Präsidenten als Oberbefehlshaber der Armee. Und im Falle des Iran-Kriegs bräuchte Donald Trump wohl noch zahlreiche weitere solcher Heldengeschichten, um einen Meinungsumschwung herbeizuführen. Denn im Gegensatz zu früheren Kriegen sprach sich bereits zu Beginn des Iran-Abenteuers eine Mehrheit gegen das militärische Vorgehen aus. Und die Geschichte zeigt: Je länger ein Krieg dauert, umso grösser wird die Ablehnung innerhalb der Bevölkerung. Und umso grösser das Risiko, dass Trumps Republikaner bei den Zwischenwahlen im November vom Wahlvolk die Quittung erhalten.

Roger Aebli

USA-Korrespondent

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Roger Aebli ist seit Sommer 2025 USA-Korrespondent. Zuvor moderierte und produzierte er die «Tagesschau»-Ausgaben am Mittag und am Vorabend. Von 2015 bis 2022 arbeitete er für Radio SRF 4 News und moderierte unter anderem die Sendungen «HeuteMorgen» und «Politikum».

Tagesschau, 05.04.2026, 19:30 Uhr

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