Worum soll es bei dem Treffen in Washington gehen? Der dänische Aussenminister Lars Løkke Rasmussen und die für Aussenpolitik zuständige grönländische Ministerin Vivian Motzfeldt wollen den Amerikanern klarmachen, dass die USA keinen Anspruch auf Grönland haben und dass die Insel nicht zum Verkauf steht. Ursprünglich war ein Gespräch nur mit US-Aussenminister Marco Rubio geplant. Kurzfristig wurde nun mitgeteilt, dass auch US-Vizepräsident J.D. Vance daran teilnehmen wird. Vance gilt als Hardliner und als deutlich wenig diplomatisch.
Warum will Trump Grönland kontrollieren? Trump begründet sein Interesse mit der strategischen Bedeutung der grössten Insel der Welt. Das weitgehend autonome, aber zu Dänemark gehörende Grönland mit seinen rund 57'000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist unter anderem wegen seines Rohstoffreichtums und als Basis für die militärische Kontrolle der Arktis interessant. Zudem könnten sich mit dem Klimawandel neue Schifffahrtsrouten ergeben. Trump verweist zudem auf die zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Region und behauptet, Dänemark sei nicht in der Lage, Grönland ausreichend zu schützen.
Kann die Nato, die Sicherheit Grönlands garantieren? Das ist eine der Ideen, um die aktuelle Diskussion zu entschärfen. Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen «Arctic Sentry» (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Er soll den Amerikanern das Argument nehmen, dass die Sicherheit in der strategisch wichtigen Region nicht ausreichend gewährleistet werden kann.
Hat der Vorschlag Aussichten auf Erfolg? Das ist unklar. Für einen Nato-Einsatz müssten alle Alliierten zustimmen. Es stellt sich auch die Frage, ob es den USA bei ihrem Interesse an Grönland weniger um Sicherheit als um Rohstoffe geht. In diesem Fall dürfte ein Nato-Einsatz die Grönland-Debatte nicht beenden. Dafür spricht, dass die Dänen nichts gegen eine US-Militärpräsenz auf der Insel haben. So betreiben die USA schon heute auf Grundlage von Abkommen mit Dänemark die Pituffik Space Base auf der Insel. Dieser Stützpunkt unterstützt unter anderem Raketenwarnsysteme sowie Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsmissionen.
Was bedeutet der Konflikt für die Nato? Für die Nato ist die Grönland-Debatte höchst brisant. Das Verteidigungsbündnis muss um seine Glaubwürdigkeit fürchten, wenn ein führendes Mitglied androht, sich durch Zwang Gebiete eines anderen Nato-Staates einzuverleiben – auch mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas Ansprüche auf Taiwan.
Was würde das Ausscheiden der USA aus der Nato bedeuten? Für das westliche Verteidigungsbündnis wäre dies ein Super-GAU, weil die Abschreckungskraft der Nato vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der Stärke der konventionellen Streitkräfte der USA beruht.
Was, wenn die USA sich Grönland mit Gewalt einverleiben sollten? Was dann passieren würde, ist unklar. Sicher ist nur, dass Dänemark nicht den Nato-Bündnisfall ausrufen könnte, weil da auch die USA zustimmen müssten. Dänemark könnte vermutlich auch nicht um die Aktivierung der in den EU-Verträgen enthaltenen Beistandsklausel bitten. Dies wäre nach Einschätzung von ranghohen EU-Beamten nur möglich, wenn Grönland selbst EU-Mitglied wäre. Die Grönländer hatten 1982 für den Austritt aus der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) gestimmt.