Wenn Geopolitik Schach ist, dann weiss María Corina Machado, wie man spielt. Die venezolanische Oppositionsführerin, 2025 für ihren Einsatz für Demokratie und Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, setzt mit einer symbolträchtigen Geste ein Signal: Bei einem Treffen im Weissen Haus überreicht sie US-Präsident Donald Trump ihre Friedensnobelpreis-Medaille – als Anerkennung für dessen Rolle im internationalen Druck auf das Maduro-Regime.
Die Inszenierung war perfekt: Machado trat im weissen Hosenanzug auf, einer Farbe, die für Hoffnung steht und historisch mit der Frauenwahlrechtsbewegung der Suffragetten in den USA verbunden ist. Die Botschaft war klar: Machado ist bereit, alles zu geben – für demokratischen Wandel in Venezuela oder für das Präsidentenamt.
Komplexe Rollenverteilung innerhalb der venezolanischen Opposition
Bei den letzten Präsidentschaftswahlen 2024 erklärte die regimenahe Wahlbehörde Nicolás Maduro zum Sieger, obwohl internationale Beobachter und Oppositionskräfte schwere Manipulationen und fehlende Transparenz kritisierten. Viele Staaten erkannten Oppositionspolitiker Edmundo González als rechtmässigen Präsidenten an. María Corina Machado selbst durfte wegen eines Gerichtsurteils nicht antreten, weshalb González kandidierte. Trotzdem blieb Maduro im Amt, bis zu seiner spektakulären Gefangennahme durch US-Spezialkräfte am 3. Januar 2026.
Innerhalb der Opposition ist die Rollenverteilung seither komplex. Um Edmundo González ist es politisch ruhig geworden, und auch Machados Forderungen, ihn als Präsidenten einzusetzen, sind inzwischen leiser. González, der im spanischen Exil lebt, scheint das Scheinwerferlicht nicht zu suchen, anders als Machado, die Trump mit dem Nobelpreis umgarnte.
Riskantes Spiel mit offenem Ausgang
Der Friedensnobelpreis bleibt unübertragbar. Das norwegische Nobelkomitee stellte klar, dass Titel und Auszeichnung nicht weitergegeben werden können. Politisch versucht Machado, sich mit dieser Geste gegenüber Trump jedoch geschickt als Option für später zu positionieren – für den Moment, in dem das Regime von innen heraus so weit dekonstruiert ist, dass freie Wahlen möglich werden.