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Venezolanisches Öl für China USA kapern russischen Tanker nach wochenlanger Jagd im Atlantik

Die USA haben bei Island einen Tanker mit venezolanischem Öl beschlagnahmt, ebenso einen Tanker in der Karibik.

Die USA haben nach einer mehr als zweiwöchigen Verfolgung über den Atlantik einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker nahe Island beschlagnahmt. Das Schiff mit Bezug zu Venezuela wurde von einem russischen U-Boot begleitet, teilte die US-Regierung mit. Die Aktion ist Teil der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump, die venezolanischen Ölexporte zu blockieren und für eigene Interessen zu nutzen.

An der Operation waren die US-Küstenwache und das Militär der USA und Grossbritanniens beteiligt. Das europäische Kommando des US-Militärs (Eucom) bestätigt die Beschlagnahmung auf X und begründet sie mit einem Verstoss gegen US-Sanktionen.

Russland bezeichnet die Aktion als Rechtsbruch. Der ranghohe russische Abgeordnete Andrej Klischas sprach gemäss der Nachrichtenagentur Tass von einem «Akt offener Piraterie».

Flucht aus der Karibik

Bei dem Schiff handelt es sich um die «Marinera», die früher als «Bella-1» registriert war. Sie war zuvor einer US-Blockade in der Karibik entkommen und wurde daraufhin unter russische Flagge gestellt und umbenannt. US-Beamte bestätigten, dass die Schiffsbesatzung eine russische Flagge auf den Schiffsrumpf gemalt hatte. Am früheren Mittwochmorgen wurde das Schiff zwischen Schottland und Island geortet und von Spezialflugzeugen und einem U-Boot verfolgt.

Blick auf den russischen Öltanker von einem Schiff der US-Küstenwache aus gesehen.
Legende: Der Öltanker mit neuem Namen «Marinera», der früher als «Bella-1» registriert war, ist im Nordatlantik vor Island von Schiffen der USA und mit Unterstützung durch die Briten unter Kontrolle gebracht worden. Reuters / US EUROPEAN COMMAND via X

«Die Vereinigten Staaten setzen die Blockade gegen alle Schiffe der Schattenflotte fort, die unerlaubterweise venezolanisches Öl transportieren, um illegale Aktivitäten zu finanzieren und das venezolanische Volk zu bestehlen», teilte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth mit. «Nur legitimer und rechtmässiger Energiehandel – wie von den USA festgelegt – wird zugelassen.»

Grossbritannien hat die USA bei der Beschlagnahmung des Öltankers im Nordatlantik unterstützt. Britische Streitkräfte hätten auf Wunsch der USA operative Unterstützung geleistet.

Nach Bekanntwerden der Beschlagnahmung bestätigte das russische Verkehrsministerium die Aufbringung des Tankers in einer Erklärung und wies darauf hin, dass «kein Staat das Recht hat, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die im Hoheitsgebiet anderer Staaten ordnungsgemäss registriert sind», und berief sich dabei auf das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen von 1982.

Weiterer Tanker aufgebracht

Die US-Küstenwache hat zudem in lateinamerikanischen Gewässern einen anderen mit Venezuela in Verbindung stehenden Tanker unter Kontrolle gebracht. Der unter der Flagge Panamas fahrende Supertanker «M Sophia» werde zur endgültigen Verfügung in die USA eskortiert, teilt das Südkommando des US-Militärs (Southcom) mit. Das Schiff habe venezolanisches Öl mit abgeschaltetem Transponder nach China bringen sollen.

Die Beschlagnahmungen erfolgen nur wenige Tage, nachdem die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen genommen und in die USA gebracht hatten. US-Präsident Donald Trump fordert von der neuen Führung in Caracas «vollständigen Zugang» für US-Firmen zur Ölindustrie des Landes.

Hintergrund der Spannungen sind die seit 2019 geltenden US-Sanktionen gegen den venezolanischen Energiesektor. Um diese zu umgehen, greifen Händler auf eine sogenannte Schattenflotte zurück. Dabei handelt es sich um Tanker, die ihren Standort verschleiern oder bereits wegen des Transports von iranischem oder russischem Öl sanktioniert sind.

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SRF 4 News, 7.1.2026, 17:00 Uhr ; 

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