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International Verfechter der Meinungsfreiheit oder des Anti-Islams?

Der attackierte «Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb» wurde von einer Organisation lanciert, die in den USA höchst umstritten ist. Ein genauerer Blick auf die Veranstalter zeigt, dass es ihnen um mehr geht als nur um die Redefreiheit.

Legende: Video Anschlag in Texas abspielen. Laufzeit 01:30 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 04.05.2015.

«Schüsse gefallen an unserer Veranstaltung über die Redefreiheit» – so reagierte Pamela Geller am Sonntagabend auf Twitter auf den gestoppten Angriff in Texas. Geller ist Mitbegründerin der «Amerikanischen Initiative zur Verteidigung der Freiheit» (AFDI). Die Organisation initiierte die «Veranstaltung über die Redefreiheit», die mit Provokation nicht sparte: Im Rahmen eines Wettbewerbs wurde die beste Mohammed-Karikatur mit einem Preisgeld von 10'000 US-Dollar gekürt.

Die Veranstaltung sah auch einen Publikums-Preis für die beliebteste Mohammed-Karikatur vor. Die für den Wettbewerb eingereichten Karikaturen wurden ausgestellt.

Tweet von Veranstalterin Pamela Geller

Meinungs-, Religions- und Pressefreiheit werden in den USA besonders gross geschrieben. Fundament hierfür ist das sogenannte «First Amendment», der erste Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten. Es gehe beim «Karikaturen-Wettbewerb» denn auch primär um die Verteidigung des «First Amendments», gaben mehrere Karikaturisten und Besucher der Veranstaltung zu Protokoll.

Der AFDI geht es jedoch nicht nur um die Verteidigung der Redefreiheit und des Humors. Bei der Organisation sind explizit auch rechtspolitische Anti-Islam-Motive erkennbar.

In ihrer politischen Ausrichtung unterscheidet sie sich damit von der ebenfalls im Zusammenhang mit Mohammed-Karikaturen von Anschlägen betroffenen Redaktion des Satire-Magazins «Charlie Hebdo» in Paris und der Diskussionsveranstaltung über Meinungsfreiheit in Kopenhagen.

Pamela Geller bei ihrer Rede an der Veranstaltung am Sonntagabend.
Legende: Spricht nach dem Anschlagsversuch von einem «Krieg gegen die Redefreiheit»: Die Politikaktivistin Pamela Geller. Reuters

AFDI in den USA «hoch umstritten»

Ein Blick auf die Ziele der Organisation verdeutlicht, dass die Islam-Kritik eine tragende Rolle einnimmt. Die Organisation gehe gegen staatliche Vertreter und Massenmedien vor, welche in ihrer Kapitulation vor dem globalen Dschihad und der islamischen Vorherrschaft, der amerikanischen Bevölkerung Sozialismus und Marxismus aufzwinge — so heisst es auf der offiziellen Internetseite der AFDI.

Laut SRF-Korrespondent Arthur Honegger ist die AFDI in den USA «hoch umstritten». Gegner würden sie als «hate group» bezeichnen, sprich als Organisation, die Hass schürt.

Unterstützung für Rechtspopulist Geert Wilders

Unter anderem erklärt die AFDI auf ihrer Internetseite auch namentlich die Unterstützung für den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders «und allen anderen, die gegen die Attacken auf die Redefreiheit der linken/islamischen Allianz ankämpfen.»

Wilders trat denn auch als Gastredner bei der Veranstaltung auf. In seiner Rede unterstrich er seinen Ruf als scharfer Islam-Gegner: Islam und Freiheit seien absolut inkompatibel. Es gelte, westliche Gesellschaften zu «de-islamisieren», so Wilders.

Pamela Geller ist zudem eine lautstarke Kritikerin von US-Präsident Barack Obama, den sie als «Islamophiliac», also als Islam-Liebhaber, bezeichnet. Zusammen mit dem Mitbegründer von AFDI, Robert Spencer, veröffentlichte sie 2010 ein Buch über den «Krieg der Obama-Administration gegen Amerika».

Redefreiheit missbraucht?

Die Redefreiheit erlaube in den USA sehr viel, so könne die AFDI beinahe alles sagen, was sie wolle, erklärt SRF-Korrespondent Arthur Honegger. Mit dem sogenannten Karikaturen-Wettbewerb sei die Organisation jedoch für viele Amerikaner zu weit gegangen: «Heute Morgen fragen sich nicht wenige Amerikaner, ob diese Gruppe die Redefreiheit nicht gezielt missbraucht hat.»

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Die Situation lässt sich nur verstehen, wenn man miteinbezieht, dass nach dem Fall der Mauer der 'Westen' ein neues Feinbild brauchte und sich der Islam angeboten hat. Das erstaunt nicht, denn die grössten Ölvorkommen liegen nun einmal in islamischen Ländern. Kommt dazu, dass der Islam traditionell Israels Feindbild markiert und Israel (warum auch immer) mehr als erstaunlich grossen Einfluss auf die amerikanische Politik hat. Aktionen wie in Texas sollen das Feuer weiter anfachen, was ja klappt
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Haben Sie sich auch mal mit der Geschichte Europas befasst? Der erste Versuch des Islams Europa zu unterwerfen, geht auf das Jahr 711 zurück und daurte bis nach der zweiten Belagerung Wiens 1683, als wir haarscharf am Desaster vorbeischlitterten. Der Islam war dem Westen schon immer feindselig gesinnt - da müssen doch Leute wie Sie nicht kommen und Weltverschwörer-Märchen in Umlauf bringen, der Islam würde von uns als neues Feindbild herangezogen, um an arabisches Öl etc. heranzukommen.
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    2. Antwort von Hans Weiler, St. Gallen
      @Christen. Ich hoffe Ihnen ist schon klar, dass Ihre Argumentation auf Krieg hinausläuft. Das ist immer der Moment, wo die weisse Ritterrüstung dreckig wird. Versetzen Sie sich einmal in die gegnerische Position. Dann sehen Sie vielleicht die geschichtlichen Greueltaten, die vom 'Christentum' ausgingen. Wenn alle so funtionieren wie Sie, wird niemand in Frieden leben können. Und orientieren Sie sich doch als ausgewiesener Christ an den echten Leitmotiven des Christentums: Mitgefühl, Verzeihen.
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    3. Antwort von C. Szabo, Thal
      @B. Christen: Die Bekehrungen der restlichen Welt durch europäische Christen hat Tod und Leid auf allen Kontinenten gebracht. Ausrotung oder Dezimierung der dortigen Bevölkerung (Amerika, Ozeanien, Versuche in Südostasien). Die Christen waren und sind keinen Deut besser als Moslems. Nur verkaufen sie i"hre westlichen Werte" besser. Täuschung, Unterdrückung und Raub beherrschen die Christen perfekt.
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  • Kommentar von Loris Brühl, Nyon
    Herr Christen: Islam weist zahlreiche rückständige und barbarische Facetten auf. Man sollte aber immer darauf achten, sich pluralistisch mit Informationen auseinanderzusetzen. Bei Ihnen scheint das Motto jedoch zu sein: Ich informiere mich nur darüber, was ich auch finden will...Und zusätzlich für Sie zur Information: Ich bin äusserst religions- und islamkritisch, bin aber im Gegensatz zu Ihnen fähig, breit zu denken.
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    1. Antwort von Stanic Drago, Delemont
      Ich habe noch nie einen äußerst Religiösen Mensch getroffen, welche breit denkt. Und ist klar, dass äußerst Religiöse Christen sind seit Kreuzzüge Islamkritisch.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      Nun, "äußerst religiöse Christen" sind nicht erst seit den Kreuzzügen islamkritisch. Immerhin fand der 1. islamische Kreuzzug gegen Europa fast 400 Jahre früher statt und schon im Jahr 846 AD hätten es jihadistische Horden beinahe geschafft, Rom zu erobern (es bleib beim Plündern und Niederbrennen von 2 Basiliken). Leider wird in der heutigen links-medial dominierten Multikulti-Zeit bewusst ausgeblendet, dass unsere Vorfahren den Islam 1000 Jahre lang bekämpften, um ihn sich vom Hals zu halten.
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  • Kommentar von S. Filler, Spreitenbach
    Unglaublich - hier wird für solch einen Anschlag auch noch Verständnis entgegengebracht? Gehts noch? Egal wie provokativ solch eine Ausstellung ist, wenn jeder einfach zu schiessen beginnt, nur weil ihn etwas provoziert, dann gute Nacht! Ich werde auch durch linke Ansichten provoziert... Meinungsfreiheit ist UNANTASTBAR!
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    1. Antwort von M. Fischer, Buchs
      Die Schlange sticht nicht ungereizt. - Friedrich Schiller
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    2. Antwort von Loris Brühl, Nyon
      Verständnis für die Terroristen? Sicher nicht. Aber: diese Anschläge lassen sich empirisch erklären..Meinungsfreiheit ist unantastbar, sollte aber in einem bestimmten Kontext nicht in allen Formen (Schrift, Zeichnung, Vortrag..) verwendet werden. Eine Botschaft übermitteln kann man immer, speziell bei islamkritischen Äusserungen sollte aber mehr in Form von Schrift und nicht Karikaturen gearbeitet werden.
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    3. Antwort von S. Beerli, Zürich
      L. Brühl, ...speziell bei islamkritischen Äusserungen sollte aber mehr in Form von Schrift und nicht Karikaturen gearbeitet werden." Das heisst dann aber schon, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird.
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    4. Antwort von Loris Brühl, Nyon
      Nein. Denn: man kann seine freie Meinung immer ausdrucken via Malerei oder Schrift. Die Botschaft wird durch beide Medien ausgedrückt. Meinungsfreiheit ist immer gewährleistet, die Art und Weise, wie man dies tut, ist entscheidend.
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