Die Vereinbarung: Kenia hat sich nach Angaben seines Aussenministers Musalia Mudavadi mit Moskau darauf verständigt, dass Staatsangehörige des afrikanischen Landes nicht mehr für Russland in der Ukraine kämpfen werden. Mudavadi teilte dies nach Gesprächen mit dem russischen Aussenminister Sergei Lawrow in Moskau mit.
Die Söldner: Der kenianische Geheimdienst geht davon aus, dass auf russischer Seite rund 1000 Kenianer in der Ukraine kämpfen. Die Regierung in Kiew spricht von gesamthaft mehr als 1700 Afrikanern im Ukraine-Krieg auf russischer Seite. Analysten gehen jedoch von einer höheren Zahl aus. Rekrutiert wurden Söldner unter anderem auch in Kamerun, Ägypten, Ghana und Südafrika. Russland hatte auch bereits mehrere tausend Soldaten aus Nordkorea eingesetzt.
Wie afrikanische Männer an die ukrainische Front kommen
Die Lüge: Medienrecherchen hatten gezeigt, dass die Kenianer unter falschem Vorwand mit Jobangeboten nach Russland gelockt wurden und dann zum Kampfeinsatz gezwungen wurden. Kenianische Politikerinnen und Politiker beschrieben ein Netzwerk aus korrupten Staatsbeamten, die mit Menschenhändlerringen zusammengearbeitet hätten. Oft sollen den Menschen über Dritte lukrative zivile Arbeitsplätze angeboten worden sein, bevor sie dann in Russland plötzlich an die Front mussten. Russland bestreitet diese Vorwürfe bisher.
Die Kritik: Die russische Rekrutierung sorgte in Ländern wie Kenia, Ghana und Südafrika für Empörung. Die Familien fordern ein stärkeres Engagement für die Heimkehr der Rekruten. Doch die afrikanischen Regierungen hüteten sich bisher davor, im Krieg in der Ukraine offen Partei zu ergreifen.
Kenias Diplomatie: Kenias Aussenminister Mudavadi hatte vor seiner Reise nach Moskau erklärt, er wolle «pragmatisch und realistisch» vorgehen. Russland sei eine Supermacht, mit der Nairobi seit Langem Beziehungen unterhalte. Mudavadi lobte in Moskau dann einerseits die Beziehungen zu Moskau, einschliesslich der sowjetischen Anerkennung der kenianischen Unabhängigkeit von Grossbritannien im Jahr 1963. Andererseits betonte er, dass man eine Vereinbarung getroffen habe, wonach sich Kenianer nicht mehr zum Kampf melden dürften. «Es wird keine weiteren Rekrutierungen geben.» Er fügte hinzu, dass man sich zudem um diejenigen Kenianer kümmern werde, die in Russland Hilfe bräuchten.
Russlands Einlenken: Für Russland dürfte der Wegfall der kenianischen Soldaten nicht besonders einschneidend sein. Insgesamt hat Russland bislang weit über eine Million Soldaten in den Krieg gegen die Ukraine geschickt. Dabei verliert Russland teilweise bis zu 1000 Soldaten an nur einem Tag im Kampf. «Ein paar tausend Rekruten aus Kenia fallen da nicht so ins Gewicht», sagte SRF-Russlandkorrespondent Calum MacKenzie. Aber dieser Verschleiss zeige, weshalb Russland auch im Ausland Kämpfer rekrutiert. Zudem verfolge Moskau in Afrika verschiedene strategische Interessen – und komme Kenia mit dem Abkommen wohl entgegen, um das Verhältnis stabil zu halten, so MacKenzie. Kenia ist ein grosses und verhältnismässig einflussreiches Land auf dem afrikanischen Kontinent.