Genf rückt diese Woche ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit. Einerseits werden dort am Donnerstag die Atomgespräche zwischen den USA und dem Iran fortgesetzt. Andererseits kommt es auch zu weiteren Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland, mit dabei die USA. Anstelle der Golfstaaten richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf die Schweiz. Ist das ein Comeback des internationalen Genf?
Für die Schweizer Aussenwirkung sei das sinnvoll, sagt Thomas Greminger, Schweizer Diplomat und Direktor des Zentrums für Sicherheitspolitik in Genf, der an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnimmt. «Das zeigt, dass die Schweiz wieder zu einem Standort für schwierige Gespräche geworden ist. Und dass die wichtigen Akteure Vertrauen haben in die neutrale Schweiz.»
Genf spielte zwar immer wieder eine internationale Rolle, etwa 2021 beim Gipfeltreffen der Präsidenten Joe Biden und Wladimir Putin, 2024 bei Gesprächen zum Bürgerkrieg in Sudan oder Ende 2025 zum sogenannten Friedensplan für die Ukraine von US-Präsident Donald Trump. Und doch sank die Bedeutung der Rolle des internationalen Genf für die Diplomatie.
Teils sei es eine Frage der Logistik, sagt Diplomat Greminger: «Es ist für gewisse Destinationen einfacher, in die Golfstaaten zu reisen als nach Genf. Aber insgesamt hat Genf als Standort sehr viel Kontinuität gezeigt. Das, was nächste Woche in Genf passiert, bestätigt das wieder.»
Genf steht unter Spardruck
Für die Stadt Genf ist es enorm wichtig, dass es Dreh- und Angelpunkt solcher Verhandlungen sein kann, sagt die SRF-Westschweiz-Korrespondentin, Valérie Wacker: «Das internationale Genf steht unter Druck, unter Spardruck. Daran ändern auch diese Verhandlungen nicht unmittelbar etwas.» Mehrere internationale Organisationen haben bereits gedroht, vom teuren Standort Genf wegzuziehen.
Der Kanton Genf fokussiere darum hauptsächlich auf Schadensbegrenzung. «Der Kanton versucht, wenigstens die Entscheidungsträger dort zu behalten. Denn das internationale Genf funktioniert nur, wenn die Wege kurz und die Ansprechpartner hochkarätig bleiben», so Wacker.
Die Schweiz ist kommende Woche Gastgeberin für wichtige hochrangige Treffen – eine Bestätigung der Schweizer Aussenpolitik. Diplomat Thomas Greminger sagt: «Es braucht weiterhin diese Neutralen, die in der Lage sind, solche Dialogplattformen zur Verfügung zu stellen.» Die zwei angesagten Treffen sind ein positives Zeichen. Die strukturellen Probleme des internationalen Genf aber bleiben.