Grossbritannien verbietet den Tabakverkauf für zukünftige Generationen. Das vom Parlament verabschiedete Gesetz sieht eine schrittweise Anhebung des Alters vor, ab dem Tabakprodukte gekauft werden dürfen. Wer 2027 oder danach 18 Jahre alt wird, soll dadurch niemals die Möglichkeit bekommen, Zigaretten und ähnliche Produkte legal zu erwerben.
Das Rauchen selbst wird aber nicht verboten. Zusätzlich gibt es strengere Regeln für E-Zigaretten und Vapes.
Weitere Vorreiter in der Tabakprävention
Das erste Land, welches den Verkauf von Tabak verboten hat, sind die Malediven. Bereits seit November 2025 kann dort niemand, der nach dem 1. Januar 2007 geboren wurde, mehr legal Tabakprodukte kaufen.
Ein ähnliches Gesetz verabschiedet hatte Neuseeland Ende 2022, unter der Führung der damaligen Labour-Regierungschefin Jacinda Ardern. Die konservative Nachfolgeregierung kippte das Gesetz jedoch weniger als zwei Jahre später wieder.
Es fehlen in der Schweiz noch viele notwendige Schritte, um die Konsumzahlen bei den Jugendlichen endlich zu senken.
Auch andere Länder verfügen über strenge Regeln zur Tabakprävention. Beim Nichtraucherschutz hat Costa Rica, das zwar selbst ein wichtiger Tabakproduzent ist, die Nase vorn. Das zentralamerikanische Land verbietet seit 2012 den Zigarettenkonsum in den meisten öffentlichen und privaten Gebäuden und in vielen Aussenbereichen. In Bhutan und Mexiko ist das Rauchen in der Öffentlichkeit ebenfalls gänzlich verboten.
Ähnliches Verbot in der Schweiz unrealistisch
Verglichen mit vielen Ländern sind in der Schweiz Tabaksteuern insgesamt tiefer, der Passivrauchschutz schwächer und Werbeverbote weniger streng. Im europäischen Vergleich steht die Schweiz an zweitletzter Stelle bei der Tabakprävention.
Grund dafür ist, gemäss einer internationalen Studie, der starke Einfluss der Tabakindustrie. Im Tabak-Lobby-Index nimmt die Schweiz sogar global gesehen den zweitletzten Platz ein im Vergleich mit hundert Ländern.
Ein Tabakverbot in der Schweiz, ähnlich zu jenem in Grossbritannien, schätzen Politik und Verbände deshalb zurzeit als unrealistisch ein. «Es fehlen bei uns noch viele notwendige Schritte, um die Konsumzahlen bei den Jugendlichen endlich zu senken», sagt Wolfgang Kweitel von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz. Erst dann könne eine solche Massnahme in Betracht gezogen werden.
Wir gehen den Weg der kleinen Schritte.
Laut einer Erhebung des Bundes raucht in der Schweiz ein Viertel der Bevölkerung – und ein Rückgang bei den Jugendlichen ist nicht festzustellen. Jede fünfte 18- bis 25-jährige Person raucht einmal oder mehrmals pro Monat, wie die Arbeitsgemeinschaft mitteilt. Das entspricht einem Anteil von 30 Prozent. Zum Vergleich: In Grossbritannien ist die Raucherzahl bei 18- bis 24-Jährigen zwischen 2011 und 2024 von 26 auf 8 Prozent gefallen.
«Wir gehen den Weg der kleinen Schritte», sagt Claudia Künzli von der Lungenliga Schweiz zur aktuellen Gesetzeslage. Die Lungenliga fordert vor allem eine substanzielle Tabaksteuererhöhung auf allen Tabak- und Nikotinprodukten. «Denn hohe Preise sind erwiesenermassen die wirksamste präventive Massnahme», so Künzli.
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Im Parlament wäre ein Verbot aktuell nicht mehrheitsfähig. «Bevor wir über Verbote sprechen, sollte die Schweiz zuerst die bekannten und nachweislich wirksamen Instrumente konsequent nutzen», sagt GLP-Nationalrätin Corina Gredig. Sie hat im März einen Vorstoss zu einer wirksamen Tabakbesteuerung eingereicht.