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Verkaufsverbot von Tabak Grossbritannien plant rauchfreie Jugend – und die Schweiz?

Immer mehr Länder wollen künftige Generationen vor den Folgen von Tabakkonsum schützen. Wo steht die Schweiz bei der Tabakprävention?

Grossbritannien verbietet den Tabakverkauf für zukünftige Generationen. Das vom Parlament verabschiedete Gesetz sieht eine schrittweise Anhebung des Alters vor, ab dem Tabakprodukte gekauft werden dürfen. Wer 2027 oder danach 18 Jahre alt wird, soll dadurch niemals die Möglichkeit bekommen, Zigaretten und ähnliche Produkte legal zu erwerben.

Wieso macht Grossbritannien diesen Schritt?

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Grossbritannien will mit der Reform die stark geforderten Gesundheitsinstitutionen entlasten, wie SRF-Auslandredaktorin Fiona Endres sagt. Die Zahlen zeigten, dass Tabak in Grossbritannien ein grosses Problem für die öffentliche Gesundheit ist, so Endres. In England allein ist Rauchen für 40'000 Spitaleintritte pro Jahr und für 64'000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Gerade deshalb setze Grossbritannien nun auf diese Massnahme und auf Prävention, statt Leute zu heilen. Dem Gesetz fehlt nur noch die förmliche Zustimmung des Königs, die jedoch bereits kommende Woche erwartet wird.

Das Rauchen selbst wird aber nicht verboten. Zusätzlich gibt es strengere Regeln für E-Zigaretten und Vapes.

Weitere Vorreiter in der Tabakprävention

Das erste Land, welches den Verkauf von Tabak verboten hat, sind die Malediven. Bereits seit November 2025 kann dort niemand, der nach dem 1. Januar 2007 geboren wurde, mehr legal Tabakprodukte kaufen.

Ein ähnliches Gesetz verabschiedet hatte Neuseeland Ende 2022, unter der Führung der damaligen Labour-Regierungschefin Jacinda Ardern. Die konservative Nachfolgeregierung kippte das Gesetz jedoch weniger als zwei Jahre später wieder.

Es fehlen in der Schweiz noch viele notwendige Schritte, um die Konsumzahlen bei den Jugendlichen endlich zu senken.
Autor: Wolfgang Kweitel Mediensprecher der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz

Auch andere Länder verfügen über strenge Regeln zur Tabakprävention. Beim Nichtraucherschutz hat Costa Rica, das zwar selbst ein wichtiger Tabakproduzent ist, die Nase vorn. Das zentralamerikanische Land verbietet seit 2012 den Zigarettenkonsum in den meisten öffentlichen und privaten Gebäuden und in vielen Aussenbereichen. In Bhutan und Mexiko ist das Rauchen in der Öffentlichkeit ebenfalls gänzlich verboten.

Ähnliches Verbot in der Schweiz unrealistisch

Verglichen mit vielen Ländern sind in der Schweiz Tabaksteuern insgesamt tiefer, der Passivrauchschutz schwächer und Werbeverbote weniger streng. Im europäischen Vergleich steht die Schweiz an zweitletzter Stelle bei der Tabakprävention.

Grund dafür ist, gemäss einer internationalen Studie, der starke Einfluss der Tabakindustrie. Im Tabak-Lobby-Index nimmt die Schweiz sogar global gesehen den zweitletzten Platz ein im Vergleich mit hundert Ländern.

Tabak-Regelungen in der Schweiz

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  • In der Schweiz dürfen für den Export nach Osteuropa, Asien und Afrika Zigaretten produziert werden, die mehr Teer und Nikotin enthalten, als es in der Europäischen Union erlaubt ist.
  • Ausserdem hat die Schweiz als eines von wenigen Ländern weltweit die Tabakkonvention der Weltgesundheits­organisation nicht ratifiziert, also nicht in Kraft gesetzt. Diese Vereinbarung will Menschen vor den «verheerenden» Auswirkungen des Rauchens schützen.
  • Die Schweiz hat im Oktober 2024 ein Verkaufsverbot von Tabak- und Nikotinprodukten an Minderjährige eingeführt. Davor konnte in den Kantonen Schwyz und Appenzell Innerrhoden selbst ein Kind Zigaretten kaufen.
  • Im Frühling 2027 soll die Volksinitiative «Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung» umgesetzt werden. Die Werbung wird somit weiter eingeschränkt, jedoch nicht gänzlich verboten werden. Laut der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz ist die Umsetzung der 2022 angenommenen Initiative «von den Gegnern nach Möglichkeiten verschleppt, verzögert und bereits ausgehebelt» worden.

Ein Tabakverbot in der Schweiz, ähnlich zu jenem in Grossbritannien, schätzen Politik und Verbände deshalb zurzeit als unrealistisch ein. «Es fehlen bei uns noch viele notwendige Schritte, um die Konsumzahlen bei den Jugendlichen endlich zu senken», sagt Wolfgang Kweitel von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz. Erst dann könne eine solche Massnahme in Betracht gezogen werden.

Wir gehen den Weg der kleinen Schritte.
Autor: Claudia Künzli Bereichsleiterin Prävention und Forschung bei der Lungenliga

Laut einer Erhebung des Bundes raucht in der Schweiz ein Viertel der Bevölkerung – und ein Rückgang bei den Jugendlichen ist nicht festzustellen. Jede fünfte 18- bis 25-jährige Person raucht einmal oder mehrmals pro Monat, wie die Arbeitsgemeinschaft mitteilt. Das entspricht einem Anteil von 30 Prozent. Zum Vergleich: In Grossbritannien ist die Raucherzahl bei 18- bis 24-Jährigen zwischen 2011 und 2024 von 26 auf 8 Prozent gefallen.

Frau raucht Zigarette, Rauch vor Gesicht.
Legende: «Die Tabak- und Nikotinindustrie entwickelt laufend neue Produkte, die insbesondere für Jugendliche attraktiv sind», sagt Claudia Künzli von der Lungenliga. Keystone/Martin Ruetschi

«Wir gehen den Weg der kleinen Schritte», sagt Claudia Künzli von der Lungenliga Schweiz zur aktuellen Gesetzeslage. Die Lungenliga fordert vor allem eine substanzielle Tabaksteuererhöhung auf allen Tabak- und Nikotinprodukten. «Denn hohe Preise sind erwiesenermassen die wirksamste präventive Massnahme», so Künzli.

Links zum Thema

Im Parlament wäre ein Verbot aktuell nicht mehrheitsfähig. «Bevor wir über Verbote sprechen, sollte die Schweiz zuerst die bekannten und nachweislich wirksamen Instrumente konsequent nutzen», sagt GLP-Nationalrätin Corina Gredig. Sie hat im März einen Vorstoss zu einer wirksamen Tabakbesteuerung eingereicht.

SRF 4 News, 22.04.2026, 9.05 Uhr; agenturen; noes

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