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Lebensmittelverschwendung an der Wurzel bekämpfen
Aus Echo der Zeit vom 14.10.2019.
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Verschwendung der Lebensmittel Verluste, die sich die Welt nicht leisten kann

Hunderte Millionen Menschen leiden Hunger. Zugleich verderben Unmengen an Nahrungsmitteln, bevor sie im Laden stehen.

Durchschnittlich 14 Prozent aller Lebensmittel kommen nie beim Konsumenten an. Denn rund 14 Prozent der Früchte, des Gemüses, des Fleisches und des Getreides gehen verloren, weil es zum Beispiel an kühlen oder trockenen Lagerräumen fehlt. Oder weil Strassen nicht gut genug sind, verderbliche Waren schnell vom Land in die Stadt zu transportieren.

In gewissen Weltgegenden sind es gar weit über 20 Prozent der aufgeführten Lebensmittel. Sie verfaulen, vertrocknen oder werden auf andere Weise ungeniessbar, noch ehe sie verzehrt werden könnten. «Die Schäden sind enorm», sagt Maximo Torero, Vizedirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO.

Die UNO schätzt die Schadenssumme auf etwa 400 Milliarden Dollar pro Jahr. Zuerst einmal litten darunter all jene, die die verdorbenen Esswaren eigentlich dringend zum Überleben bräuchten, führt Torero aus: «Zusätzlich reduzieren ungeniessbar gewordene Lebensmittel das Wachstum ganzer Volkswirtschaften.» Sie verhindern also, dass Arbeitsstellen geschafft werden.

Um Abhilfe zu schaffen, rät die UNO zuerst einmal dazu, die Schäden genau zu erfassen, um sie besser zu verstehen: «Man muss herausfinden, woran es genau liegt, dass so viele Esswaren ungeniessbar werden, bevor sie bei den Verbrauchern ankommen», sagt Torero.

Im Westen verdirbt unförmige Ware

Die UNO geht davon aus, dass in den wenig entwickelten Ländern Asiens oder Afrikas viele Lebensmittel bereits kurz nach der Ernte verderben. Weil zum Beispiel Kleinbauern ihre Ernte nicht schnell genug zu den Verbrauchern transportieren können.

In den entwickelten Ländern dagegen vergammeln viele Esswaren in den Läden selbst. Weil etwa Kundinnen und Kunden nur die allerfrischeste Ware kaufen oder nur solche Früchte, die fast uniform gleich aussehen – und den Rest liegen lassen.

Darum rät die UNO dazu, das Problem je nach Weltgegend ganz verschieden anzugehen. Wichtig aber sei, dass man es angehe. Denn diesen massiven Verlust an Lebensmitteln könne sich die Welt nicht leisten. Noch immer litten weit über 800 Millionen Menschen an Hunger. Zudem belaste dieser massive Verlust an Lebensmitteln auch die Umwelt.

Hungerndes Kind im Südsudan.
Legende: Noch immer hungern 800 Millionen Menschen weltweit. Um ihre Not zu lindern, muss der Verlust von Lebensmitteln eingedämmt werden, fordert die UNO. Reuters

«Wenn geerntetes Getreide auch tatsächlich verzehrt wird, dann schont das die endlichen Ressourcen wie Wasser oder Land», sagt Torero. Und auch der Ausstoss von Treibhausgasen nehme ab, wenn man verhindere, dass Obst und Gemüse zuerst aufwändig bewässert, gedüngt oder transportiert werden, um am Schluss nur zu verfaulen.

«Beim Konsumenten selbst geht übrigens nochmals ein bedeutender Teil der Nahrung verloren, erklärt Torero. Weil viele zu viel kaufen, die Waren dann zu lange liegen lassen oder nur einen Teil davon essen würden. «Gegen solche Verluste vorzugehen ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Hunger.»

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    wer kein geld im überfluss hat, der verschwendet auch nichts. mit dem einkaufszettel sonderangebote kaufen, einen genauen menüplan für die woche erstellen, resteverwertung betreiben und froh sein, wenn das geld bis ende monat reicht. da kommt essen wegwerfen gar nicht in frage! das verschwenden von lebensmitteln ist ein luxusproblem, dass ganz schnell behoben wäre, wenn jeder nur das nötigste hätte. dann hätten die heute armen auch genug. gerecht verteilen ist die devise!
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    ... und jetzt?
    „Mit gewissen Verlusten muss man rechnen“. Oder denkt hier immer noch jemand die Marxschen Planwirtschaft würde besser funktionieren? Oder das liesse sich mit Gesetzen regeln?
    In der Marktwirtschaft wird Freiheit, Lebensgefühl und auch Eigenverantwortung gross geschrieben. Jeder einzelne muss also seinen Foodwaste und sein Übergewicht verantworten. Und wenn die Leute dann so viel Eigenverantwortung zeigen würden, würde auch mehr nicht EU-konformes Gemüse angeboten und verkauft.
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    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Wenn Sie mit EI konform z.B. Die leidige Gurkendiskussion und Ähnliches meinen sei hier wieder einmal darauf hin gewiesen, dass solche Normen vom Handel kommen. Wie gross und welche Form muss ein Gemüse oder Obst haben um mit kleinstem Platzaufwand transportiert und gelagert werden kann. Also nix EU. Es sei an dieser Stelle das Beispiel der Erdbeeren des Thurgauer Landwirtes im Sommer dieses Jahres erwähnt dessen Früchte wegen unpassender Grösse nicht vom Grosshandel (Schweiz) abgenommen wurden.
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  • Kommentar von Regula Pünter  (Regula Pünter)
    Nur ein Beispiel unter vielen: Kopfsalat. Jeder Hobbygärtner lässt den Kopfsalat den klassischen "Kopf" bilden. Liefert der Gemüseproduzent solche schönen Salatköpfe dem Grossverteiler, dann kann er die Ware gleich wieder mit nach Hause nehmen. Grund: zu schwer. Dann kaufen die Kunden nicht mehr zwei sondern nur noch einen Salat. Wohlstandserscheinung...
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    1. Antwort von A. Keller  (eyko)
      Bevor ich einen Kopfsalat kaufe, schaue ich gut und drücke leicht, ob er einen festen Kopf hat. Habe keine keine Lust nur ein mageren Kopfsalat mit einigen Blätter für 1.80-2.00 Fr. zu kaufen. Dann lasse ich es. Kann es kaum glauben, dass Grossverteiler wirklich so handeln wie Sie es beschreiben.
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