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Legende: Audio Schwierigkeiten bei Abbruch und Wiederaufbau des Ponte Morandi abspielen. Laufzeit 05:15 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 19.06.2019.
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Verzögerungen und Blockaden Neue Morandibrücke lässt auf sich warten

In fünf Monaten könne die eingestürzte Brücke wieder stehen, hiess es zuerst. Doch davon ist man in Genua weit entfernt.

Versprechen kommen in Italien meistens gut an, selbst wenn sie vollmundig oder gar unrealistisch sind. Doch die fünf Monate für den Wiederaufbau, die zuerst versprochen wurden, haben auch in Italien nur wenige überzeugt.

Erstaunlich ist, dass auch die weiteren Prognosen unrealistisch blieben. Denn sie wurden gemacht, nachdem Experten die Lage ausgiebig studiert hatten.

Marco Bucci, Bürgermeister von Genua und Kommissar für den Wiederaufbau, behauptete kurz vor Weihnachten, er sei zuversichtlich, dass die neue Brücke bis Ende Jahr stehen werde. Sie werde wohl noch nicht für den Verkehr freigegeben sein, doch fotografieren werde man sie zumindest können.

Marco Bucci
Legende: Der Bürgermeister von Genua, Marco Bucci, mit einer Darstellung der geplanten, neuen Brücke. Bis heute ist noch nicht einmal die alte ganz abgebrochen worden. Keystone

Heute, sechs Monate nach diesem Fototermin, ist von der neuen Brücke noch nichts zu sehen. Noch nicht mal der Abbruch der alten wurde abgeschlossen.

Renzo Piano für den Neubau beauftragt

Trotzdem ist seit dem Einsturz einiges passiert: Rund 600 Personen, die direkt unter oder neben der Morandibrücke wohnten, wurden umgesiedelt, viele von ihnen haben unterdessen eine Entschädigung erhalten. Genuas Stararchitekt Renzo Piano legte einen Plan für eine neue Brücke vor. Und seit Dezember ist der Staat daran, die Reste der alten Brücke abzutragen. Die beiden stehengebliebenen Brückenpfeiler sollen durch eine Sprengung fallen.

Eine Rose im Vordergrund, zwei Brückenpfeiler im Hintergrund
Legende: Es sind noch nicht alle Überreste der alten Brücke abgebaut. Nächste Woche sollen Spezialisten die zwei riesigen, stehengebliebenen Träger sprengen. Reuters

Dass dies viel länger dauert als zuerst geplant, liegt an diversen widrigen Umständen. Sowohl an der Brücke selbst wie auch in den Häusern unter der Brücke war asbesthaltiges, krebserregendes Material verbaut worden.

Besorgte Anwohner organisierten Widerstand. Man müsse sicherstellen, dass kein Asbest freigesetzt werde. Die Behörden waren gezwungen, darauf einzugehen. Deshalb werden vor der Sprengung der Pfeiler, die für nächste Woche geplant ist, über 3000 Personen evakuiert und Messungen gemacht.

Ermittlungen führten zu Verzögerungen

Verzögerungen gibt es aber auch, weil die Justiz ermittelt. Beim Einsturz starben 43 Personen, die Schuldfrage stellt sich also ganz dringend. Darum waren während Monaten auch Justizbeamte bei der Brücke anzutreffen. Sie blockierten den Abbruch, weil sie Trümmerteile sicherstellen mussten – Beweise, die dabei helfen, herauszufinden, wer die Verantwortung trägt.

Inzwischen ermittelt die Justiz gegen mehr als 70 Verdächtige. Aber auch sonst sind Staatsanwälte vor Ort unterwegs. Denn eine Firma, die mit Abbrucharbeiten betraut worden war, soll Verbindungen zur Mafia haben.

Morandibrücke, Wohnhäuser daneben
Legende: Im August ist ein Jahr vergangen, seit in Genua eine Autobahnbrücke eingestürzt ist – der Ponte Morandi. 43 Menschen kamen dabei ums Leben. Keystone

Nimmt man all das zusammen, so wird die Brücke dieses Jahr weder stehen noch zum Fotografieren bereit sein. Irgendwann im Jahr 2020, heisst es nun, sei es soweit. Andere sagen, selbst das sei zu optimistisch, es werde Jahre dauern.

Autobahnbetreiber Benetton ungehindert

Unterdessen ist schon fast in Vergessenheit geraten, was einzelne Politiker kurz nach dem Unglück auch noch gesagt und versprochen hatten. Vizepremier und Cinque-Stelle-Chef Luigi Di Maio wies die Schuld sofort dem von der Familie Benetton kontrollierten, privaten Autobahnbetreiber zu.

«Wir sind kurz davor, dieser Firma die Konzession zum Betreiben Italienischer Autobahnen zu entziehen», verkündete er im August 2018. Doch auch das war, wie man heute weiss, vollkommen unrealistisch. Die von der Familie Benetton kontrollierte Firma betreibt noch heute einen grossen Teil der italienischen Autobahnen und erzielt damit weiterhin grosse Gewinne.

Legende: Video Aus dem Archiv: Ponte Morandi – Einsturz einer Brücke abspielen. Laufzeit 50:59 Minuten.
Aus DOK vom 29.05.2019.
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7 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Die EU muss zuerst Geld locker machen, denn die Brücke nützt ja vorwiegend dem Auslandverkehr! Vielleicht könnte Salvini eine Kompensation an seine Schulden verlangen. Das wäre doch eine intelligente Lösung, denn die EU wird sonst an andern Orten, wo kein Schwein etwas braucht (Flüchtlinge), Geld hinein pumpen. Man sollte endlich mit der Intelligenz von Salvini hinschauen, nicht mit der Blindheit der EU.
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  • Kommentar von Oli Muggli  (Oli g)
    Die steht in 5 Jahren noch nicht, Wetten?
    Den Japanern hätte ich die 5 Monate sofort geglaubt...
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  • Kommentar von Edi Steinlin  (Chäsli)
    Eines müsste uns Schweizer ein Lehre sein, ein Konstrukt wie Autobahnen, darf niemals teil- oder gar privatisiert werden. Man sieht dies auch sehr deutlich bei den pseudo-Privatisierungen von SBB und Post. Das einzige was wirklich funktioniert hat, ist die Tatsache, dass die Löhne an die Millionengrenze gestiegen sind und riesige unglaublich teure Kader gebildet wurden. Ich denke diese Brücke wird in 4 bis 5 Jahren fertig sein.
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