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Vor der Abstimmung «Katalanen wollen Regierung in Madrid unter Druck setzen»

Den Katalanen gehe es bei der Abstimmung nicht unbedingt um ein zählbares Resultat, sagt SRF-Korrespondent Erwin Schmid.

Legende: Video Erwin Schmid: «Politische Lösung in weiter Ferne» abspielen. Laufzeit 2:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.09.2017.

SRF News: Wie realistisch ist es, dass das Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens überhaupt stattfindet?

Erwin Schmid: Ein Referendum, so wie wir uns das vorstellen, wird es nicht geben. Vor einigen Wahllokalen sind Volksfeste im Gang. Die Leute wollen bis in die Morgenstunden ausharren und verhindern, dass die Polizei die Lokale schliessen kann. Unter diesen Umständen ist nicht denkbar, dass morgen ein zählbares Resultat zustande kommen wird.

Geht es überhaupt um ein zählbares Resultat?

Nicht unbedingt. Es geht den Katalanen darum, Druck zu machen auf die Regierung in Madrid, damit sie endlich mit ihnen zusammen nach einer politischen Lösung für die Katalonien-Frage sucht.

Warum wurde denn bis jetzt keine politische Lösung gefunden?

Dass eine politische Lösung möglich wäre, zeigt ja das Autonomie-Statut von 2006. Dieses Statut wurde aber noch unter der sozialistischen Regierung Zapatero ausgehandelt und dann von der jetzigen konservativen Regierung unter Rajoy gebodigt. Ministerpräsident Rajoy hat mit seiner harten Linie gegenüber Katalonien zwei Wahlen gewonnen und ist nicht bereit, von dieser Linie abzurücken. Das ist auch der Grund, weshalb sich die Katalanen ihrerseits in den letzten Jahren radikalisiert haben. Wären sie 2006 oder 2010 noch mit mehr Autonomie innerhalb Spanien zufrieden gewesen, so fordern sie jetzt die Abstimmung über ihre Eigenständigkeit. Eine politische Lösung liegt deshalb aktuell in sehr, sehr weiter Ferne.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Letztendlich sind diese Bewegungen ebenso wie der Brexit Symptome von Überforderung durch den offenbar viel zu schnellen Trend zum Supranationalstaat. Mag Kleinstaaterei auch überholt erscheinen, sie spiegelt sich im täglichen Leben der Menschen weitaus stärker wieder,als die übergeordneten Einheiten. Der Gedanke des Föderalismus ist nicht überholt. Kleine Einheiten sind flexibler und eher geeignet die Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Demokratie ist so tatsächlich direkter möglich.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Zusammenarbeit und Kooperation sind unendlich wertvoll. Aber das zwanghafte Zusammenknoten wird niemals gelingen. Spanien wird durch den 1. 10. 2017 lange neutralisiert werden.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Ich möchte daran erinnern, das unter der Regierung Zapatero eine weitreichende Autonomie für etliche Regionen Spaniens vorgesehen wahr, mehrheitlich auch als Eigennutz da die Sozialisten stets stark in Katalonien waren. Leider wurde die Regierung aus bekanntlich Gründen . Der PP wahr und ist immer noch gegen solche Pläne. Die meisten Katalanen wünschen keine Abspaltung sondern die Umsetzung der Pläne der damaligen Regierung Zapatero, doch da gibt es einige Ungeduldige die das erzwingen wollen.
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  • Kommentar von lukas Dieterle (lucky)
    Eins Vorneweg: Bei einer Abspaltung Kataloniens von Spanien würden sicher beide verlieren. Trotzdem muss man feststellen, dass die Regierung Rajoy nichts begriffen hat. Mit diesem Verbot steigert man nur die Wut der Katalanen. Im ignorieren und verdrängen waren die Spanier schon immer Gut. So wurde der Faschismis unter Franco bis heute nicht aufgearbeitet. Diese Ignoranz wird sich rächen, u.a. mit dieser Abstimmung, egal ob sie am Ende durchgeführt werden kann oder nicht!
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    1. Antwort von Ivo Muri (Ivo Muri)
      @lucky Ihre Einschätzung kann, aber muss nicht richtig sein. Es hängt vor allem vom Kooperationswillen beider Partner ab. Wenn die Katalanen unabhängig sind und mit Spanien kooperieren, sich gegenseitig stützen und stärken, kann das durchaus mehr Freiheit und mehr Kraft für beide bedeuten. Im Jahr 1957 erschien das Buch "Vom Ende der Grossen - Zurück zum menschlichen Mass" des Salzburger Soziologen Leopold Kohr. Er machte Vorschläge für ein konföderatives Spanien nach dem Vorbild der Schweiz.
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    2. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Das wäre ein sehr guter Vorschlag Herr Muri. Als nächste kommen dann die Basken, sie wollen oder möchten auch mehr Autonomie.
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