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Vor Nominierung durch US-Senat Missbrauchsvorwurf gegen Trumps Richterkandidaten

Legende: Audio Vorwürfe gegen Trumps Richterkandidat Kavanaugh abspielen. Laufzeit 01:10 Minuten.
01:10 min, aus HeuteMorgen vom 17.09.2018.
  • Eine Uni-Professorin wirft Donald Trumps Kandidaten für das oberste US-Gericht, Brett Kavanaugh, eine versuchte Vergewaltigung vor.
  • Der erzkonservative Jurist hat die Missbrauchsvorwürfe kategorisch zurückgewiesen.
  • Im US-Senat mehren sich Stimmen, die eine Unterbrechung des Prozesses zur Nominierung Kavanaughs bis zur Klärung der Vorwürfe fordern.
Legende: Video Stopp der Nomination möglich abspielen. Laufzeit 00:34 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 17.09.2018.

Dem erzkonservativen Juristen Brett Kavanaugh, der von US-Präsident Donald Trump als Supreme-Court-Richter vorgeschlagen wurde, wird sexueller Missbrauch vorgeworfen.

Eine Ex-Mitschülerin wirft dem Richter-Kandidaten vor, sie in den 1980er-Jahren sexuell belästigt zu haben. Nach Angaben der heutigen Uni-Professorin soll es sich um eine versuchte Vergewaltigung gehandelt haben.

Lebenslang unter der Tat gelitten

In einem Interview mit der «Washington Post» sagte die heute 51-jährige Christine Blasey Ford, Kavanaugh habe bei einer Party versucht, sie zu vergewaltigen. Die Vorwürfe waren bereits vergangene Woche in US-Medien verbreitet worden, Ford selbst äusserte sich aber erst in dem am Sonntag veröffentlichten Interview.

Die Professorin aus Kalifornien sagt, Kavanaugh habe sich nach einer Schülerparty Anfang der 1980er-Jahre auf sie geworfen und ihr den Mund zugehalten, sodass sie sich nicht durch Schreien habe wehren können. Sie sei davon ihr ganzes Leben psychisch beeinträchtigt gewesen.

Rufe nach Nominierungsstopp

Kavanaugh hatte bereits am Freitag eine Erklärung veröffentlicht. Darin verwahrte er sich gegen die Anschuldigungen: «Ich weise diesen Vorwurf kategorisch und unmissverständlich zurück. Ich habe dies weder damals in der Schule noch sonst irgendwann getan», erklärte der 53-Jährige.

Kavanaugh war vom US-Präsidenten für eine freigewordene Position am Obersten Gerichtshof des Landes vorgeschlagen worden. Supreme-Court-Richter galten schon in der Vergangenheit als Inhaber einer hochpolitischen Position.

Auch kritische republikanische Stimmen

Der Nominierte muss noch vom Senat bestätigt werden, und dieser Prozess könnte nach den Anschuldigungen ins Stocken geraten. Nach zahlreichen Oppositionspolitikern forderte mit Jeff Flake nun auch erstmals ein republikanischer Senator, den Nominierungsprozess für Kavanaugh bis zur Klärung der Vorwürfe zu unterbrechen.

Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein erklärte, die US-Bundespolizei FBI müsse in dem Fall nun ermitteln, erst danach könne der Senat den Nominierungsprozess fortführen.

Analyse von SRF-Korrespondent Fredy Gsteiger

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Bisher lief für den Präsidenten und seine Republikaner alles wie am Schnürchen. Diese Woche sollte ihr Kandidat für einen der Posten am Obersten Gericht vom Senatsausschuss empfohlen, wenige Tage später vom Gesamt-Senat bestätigt werden. Schon Anfang Oktober sollte er sein Amt antreten und dafür sorgen, dass das höchste US-Gericht für lange Zeit einen klar republikanischen Kurs steuert. Die Demokraten wehrten sich nach Kräften, löcherten Brett Kavanaugh in einer teils tumultösen Anhörung tagelang mit Fragen. Doch weil die Republikaner im Senat die Mehrheit haben und Abweichler nicht zu erkennen waren, schien die Sache gelaufen.

Doch dann präsentierte am Freitag die demokratische Senatorin Dianne Feinstein einen anonymen Brief, in dem Kavanaugh beschuldigt wurde, vor mehr als 30 Jahren, als Teenager, eine ebenfalls minderjährige Frau massiv sexuell belästigt, ja eine Vergewaltigung versucht zu haben. Die Frau kann nicht einfach als Fantastin oder gar als Erpresserin abgetan werden. Es handelt sich nämlich um Christine Blasey Ford, eine angesehene Psychologieprofessorin an den Universitäten Stanford und Palo Alto.

Laut Trumps Kandidat, Brett Kavanaugh, hat es diesen Vorfall nie gegeben. Ein Zeuge, damals ebenso wie Kavanaugh und Blasey Ford betrunken, sagt, er erinnere sich nicht. Beweisen lassen wird sich also nichts, es steht Aussage gegen Aussage. Verjährt wäre die Sache ohnehin. Dennoch gelangt nun erstmals Sand ins Getriebe des Nomationsprozesses. Die Demokraten fordern, ihn zu unterbrechen. Zumindest ein republikanischer Senator ist jetzt für genauere Abklärungen. Gut möglich, dass die Republikaner Kavanaugh am Ende doch durchdrücken. Es geht für sie um viel, um die Zementierung ihrer Macht. Doch ein Schatten über dem neuen Richter wird bleiben.

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75 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    «Die Wahl wäre (ohnehin) eine bittere Niederlage für das liberale Amerika» gewesen«. Jetzt braucht es vorher einen Untersuchungsausschuss und die juristische Aufarbeitung, um die Schuldvorwürfe und das Strafmaß zu klären, was etliche Jährchen, wohl bis nach dem Ende der Amtszeit des POTUS dauert. Schon ein Treppenwitz der Geschichte, dass das Ziel Trumps, das Oberste Bundesgericht und die Gewaltenteilung mit Kavanaugh wie einen Schweizer Käse zu durchlöchern, jetzt ziemlich fraglich wird.
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    1. Antwort von B. Moser (moser.b)
      Die Republikaner haben die Mehrheit im Senat bis mindestens ende Dezember. Sollte Trump den Kandidat nicht durchbringen, findet er einen Neuen und den werden die Republikaner sicher im Dezember bestätigen. Was Sie beschreiben sind Ihre feuchten Träume.
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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Das haut dem Fass den Boden aus - heuchlerischer und verlogener geht es nicht mehr bei den Demokraten . Nun erst kommt die Uni-Frau darauf, dass es Zeit ist, dem Mann genau zum richtigen Zeitpunkt das Bein zu stellen - dieser Dame glaube ich kein Wort ! Und den Ablehnern hier sage ich -schämt euch in die selbe Kerbe zu schlagen . Da gibt es dringendere Fälle die ans licht müssen, nicht solche infamen Aktionen-die jeder durchschauen kann, wie konstruiert sie sind. Wo sind die Beweise ?
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    1000ende von Priestern Missbrauchte schweigen.. nach mehr als 50, 60 Jahren... oder mehr... was bis jetzt ans Tageslicht kam ist doch nicht mal die Spitze des Eisberges... Selbst Clinton hat uebrigens geleugnet... bis mit seinem getrockneten Sperma auf Lewinskis Kleid der Beweis seiner Bueronebentaetigkeit erbracht war...
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    1. Antwort von B. Moser (moser.b)
      Ich finde eigentlich schlimmer was Clinton getan hat, als Weinstein. Weil Clinton hatte Sex mit einer Untergebenen, Weinstein mit "freien" Mitarbeiterinnen. Zusätzlich gilt für ein politisches Amt höhere moralische Grundsätze, als für einen Hollywoodproduzenten, wo dieses Verhalten schon fast zum guten Ton gehört(e).
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